Produkeigenschaft und Recht: Formulierung "bis zu " etwa völlig wertlos?

ssddings

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Was hat es zu bedeuten, wenn ein Hersteller oder Händler ein Produkt mit
"bis zu ..." bewirbt, das Produkt aber im Alltagsbetrieb diese Werte kaum oder gar nie erreicht?

Konkretes Beispiel:

Eine SSD soll "bis zu 500 MBps (lesen)" schnell sein, es erreicht diesen Wert aber nur, wenn man ein gut komprimierbares File, z.B. ein File mit lauter 0en liest. In der Praxis (sequentielles lesen großer Datenmengen) liefert es dann aber weniger als die Hälfte.

Machen wir das Beispiel komplizierter:
Das in allen Testzeitschriften etc getestete Modell (alte Firmware) liefert selbst beim Lesen von komprimierten Daten in etwa den vom Hersteller angegebenen Wert. Das gelieferte Modell (neue Firmware) liefert beim gleichen Test nur die Hälfte.

Was sagen Recht und Rechtsprechung bislang zu diesem Themenbereich?
 
Solange das Unternehmen die Gesetze zum unlauteren Wettbewerb nicht missachtet sind "bis zu"-Regelungen rechtlich gesehen unproblematisch, solange keine Irreführung des Kunden vorliegt.
 
Ist doch gängiger Standard. Wenn ein Produkt unter Laborbedingungen diese Angaben erfüllt, so sehe ich da kein Problem.
 
Hat schon mal jemand im Auto den Benzinverbrauch erreicht, den der Hersteller angibt? Also was solls... Es ist so, und solange man sich dessen bewusst ist, ist da auch kein Problem.
 
Daaron schrieb:

Wenn wir schon beim Vergleich mit einem Auto sind, dann Bitte die passenden Größenordnungen verwenden:

Wie wäre es mit 90 km/h Höchstgeschwindigkeit statt der versprochenen 180 km/h?

Oder 12 l/100 km statt der versprochenen 6 l/100 km?
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator: (überflüssiges Zitat entfernt!)
Kingston V300 gekauft, jetzt enttäuscht und auf der Suche nach einem Rückgabegrund?

Würdest du auch bei einen Porsche 918 Spyder deine fast 800k Euro zurückfordern, weil er doch ein wenig mehr (bes. bei mehr als 250km/h) als die 3,1l/100km verbraucht?
 
ssddings schrieb:
Wie wäre es mit 90 km/h Höchstgeschwindigkeit statt der versprochenen 180 km/h?
Unwahrscheinlich, denn auch unter Laborbedingungen gelten dieselben Werte für Luftwiderstand und Bodenreibung, die die Geschwindigkeit massiv beeinflussen. Es ist höchstens so, dass der Testfahrer 30 Kilo weniger wiegt als der Käufer.

Oder 12 l/100 km statt der versprochenen 6 l/100 km?
Wieder: etwas arg übertrieben... aber schon realistischer. sagen wir eher: 8.5l statt 6.

Bei PC-Komponenten ist die Toleranz zwischen Labor und Real halt deutlich größer... und genau dafür gibt es Testberichte.
 
Ganz so einfach ist es nicht, die Rechtsprechung hat bislang bspw. bei DSL Tarifen eine ganz erheblich Abweichung von den mit "bis zu" Formulierungen suggerierten Verbindungsgeschwindigkeiten nicht ohne weiteres akzpetiert.

Bei Kaufverträgen prüft der Jurist "schlicht", ob die Sache mangelhaft im Sinne von § 434 BGB ist.
 
Daaron schrieb:
Bei PC-Komponenten ist die Toleranz zwischen Labor und Real halt deutlich größer... und genau dafür gibt es Testberichte.

Bleiben wir bei meinen ursprünglichen Beispiel. Alle Tests der Online-Magazine beziehen sich auf die Version mit der alten Firmware. Inzwischen hat der Hersteller wohl andere Bauteile und eine andere Firmware verbaut mit dem Ergebnis, dass all die Tests der Magazine nicht mal mehr grob näherungsweise erreicht werden.

Ist so eine Vorgehensweise nicht zumindest moralisch sehr zu bezweifeln?
 
Der Hersteller ist nicht für Reviews dritter verantwortlich.

Um den sinnlosen Beispielen mal die richtige Richtung zu geben.
1.) Das Auto verbraucht auf dem Teststand (egal wie realitätsfern) 6l/100km ... das macht es bei 60-80km/h, Rückenwind und Berg ab.
Nehmen wir an! Das schafft er Praktisch auch.

2.) Du fährst jetzt 200km/h mit häufigen bremsen und Beschleunigen auf der Autobahn genau 100km und hast einen realen verbrauch von 15l/100km

Hat der Hersteller jetzt gelogen oder getäuscht ? Nein hat er nicht, im bestimmten Lastfall Schaft das Fahrzeug es, du verwendest einen anderen und hast einen anderen Verbrauch.
Das ganze kannst du 1:1 auf dein SSD übertragen.
 
ssddings schrieb:
Inzwischen hat der Hersteller wohl andere Bauteile und eine andere Firmware verbaut mit dem Ergebnis, dass all die Tests der Magazine nicht mal mehr grob näherungsweise erreicht werden
dafür gibts Nachtests.....

flash halt die alte FW drauf und freu dich. Dass MAX-Werte nur in sehr engen Grenzen erreicht werden, ist erstens allgemein bekannt und zweitens stehts meist sogar mit bei in ner Fußnote - oder aber auch in den hier so oft angeführten Tests.
 
ssddings schrieb:
Inzwischen hat der Hersteller wohl andere Bauteile und eine andere Firmware verbaut ...
Tja, deswegen kauft man eben SSDs von Herstellern, die über eine eigene Flashproduktion (Crucial, Intel, Samsung, Toshiba od. Sandisk) verfügen und kein 3rd Party Produkt, bei dem es keine Garantie dafür gibt, dass sich die Zutaten nicht ändern.
 
ssddings schrieb:
Machen wir das Beispiel komplizierter:
Das in allen Testzeitschriften etc getestete Modell (alte Firmware) liefert selbst beim Lesen von komprimierten Daten in etwa den vom Hersteller angegebenen Wert. Das gelieferte Modell (neue Firmware) liefert beim gleichen Test nur die Hälfte.

Was sagen Recht und Rechtsprechung bislang zu diesem Themenbereich?

Würde mal gerne wissen welche SSD nur noch halb so schnell ist wie im Testmagazin?
 
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