Also zunächst mal sei gesagt, ich habe die Serie gesehen und bin jetzt mitten im ersten Buch (also ist vieles auch aus der Perspektive geschrieben). Ich lese die englische Paperback-Ausgabe, weil die vier Bände in der Form sehr viel günstiger sind und auch das Übersetzungs-Problem umgeht (nur die Papierqualität ist unterer Anschlag).
Ich finde die Serie auch sehr gut gemacht. Sollte man von HBO ohnehin erwarten, aber es im Rahmen des Budgets und innerhalb einer TV-Serie wirklich handwerklich sehr überzeugend (oder neudeutsch: der "production value" ist verdammt gut) und die Besetzung auch alles in allem sehr gut getroffen. Von daher gehe ich etwas mehr darauf ein, was ich kritischer sehe.
Man hat sich ziemlich nah an die Vorlage gehalten und im Grunde sind es fast immer nur Kleinigkeiten, die geändert worden. Den Plot und die Stimmung fängt man schon gut ein. Das Problem für mich, der die Bücher bis dahin nicht kannte und gelesen hat, ist eher, dass man sich sehr an die Erzählstruktur des Buches hält. Weil man dafür relativ wenig Zeit hat, wird vieles zwar abgehandelt, aber auch recht zügig hin und her gewechselt. Außerdem werden Handlungstränge aufgenommen, nur um dann erst mehrere Folgen später zu irgendwas zu führen, wenn überhaupt. Im Buch funktioniert das für mich besser als in der Serie, hier kam nicht immer das Gefühl für die vergangene Zeit auf. Das mag auch an Sehgewohnheiten liegen, aber manchmal wäre für mich etwas Abweichung nicht so schlecht gewesen um manche Nebenhandlungen besser schätzen zu können.
Die Besetzung von Tyrion ist natürlich wirklich genial, aber auch Cersei fand ich toll besetzt. Die meisten Schauspieler passen einfach und mehr kann man nicht erwarten. Von daher ist es manchmal schade, dass man von einigen so wenig sieht, aber das ist natürlich der Geschichte geschuldet.
Ich denke aber auch, dass die Serie ein klein wenig gehypt wird. Klar sie ist sehr gut, aber derzeit besteht nicht unbedingt ein Mangel an wirklich guten (US-Kabel-) Serien. Auch wenn einige davon eine Buchvorlage haben, gehen die Serien da nach und nach eigene Wege und das ist nicht unbedingt so schlecht, weil es dem Format Rechnung tragen kann. Das wird bei GoT sicher nicht der Fall sein und die Fangemeinde würde das sicherlich auch als Frevel betrachten.
Für mich eine Serie, bei der man noch mehr davon hat, wenn man das Buch zuerst gelesen hat, wenn man die ausführlichere Charakterisierung kennt und weiß wohin der Charakter geht. Das ist auch selten genug und dafür gibt es ja auch zurecht Lob. Wenn man die Bücher nicht kennt, ist es eine sehr sehenswerte und interessante Serie die auch viel überraschendes beinhaltet. Aber manchmal fragt man sich schon, warum wird dieses oder jenes gerade gemacht, wieso ist das denn jetzt passiert, warum zeigt man uns das nun so ausführlich und andere Sachen nicht (zumal am Ende vieles offen bleiben muss, weil das Buch an der Stelle eben endet).
Fazit: Tolle Serie, die der Vorlage sehr gut gerecht wird. Speziell die erste Folge zieht einen in den Bann, von daher will man den Rest ohnehin sehen. Es ist für mich aber keine absolute Ausnahme-Serie, sondern "nur" in den Top Ten der letzten Jahre. Boardwalk Empire und andere können die Qualität auch locker mitgehen. Die Vorlage ist einerseits Segen und aber auch ein ganz klein wenig Fluch zugleich, wenn man das Buch noch nicht kennt (mal ganz abgesehen von der allgegenwärtigen Spoiler-Gefahr).
Aber andererseits bin ich erst deswegen überhaupt Lust aufs Buch bekommen, also macht es schon sehr viel richtig, auch als Format.