Vertraut ihr Bio-Angaben auf Lebensmitteln?

Acrylium

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Bio-Lebensmittel sind in Supermärkten ja immer deutlich teuerer, als non-Bio-Lebensmittel. Dabei gibt es verschiedenste Gütesiegel und Kennzeichen die für die Qualität stehen sollen. Kann man der Angabe "Bio" denn wirklich vertrauen? Was hindert einen Händler oder Hersteller daran, einfach "normales" Fleisch zu nehmen und es mit einem Bio-Ettiket zu verstehen um dann deutlich mehr Gewinn damit zu machen?

Die Frage hat tatsächlich einen ernsten Hintergrund bei mir. Eine ehemalige Arbeitskollegin hat sich als Unternehmerin selbstständig gemacht und führt nun einen kleinen Bio-Laden. Sie macht vor ihren Bekannten keinen großen Hehl daraus, dass sie ihre Ware meistens einfach billig im Metro einkauft und in ihrem Laden als teure Bio-Produkte verkauft. Ich frage mich da ob das erlaubt ist oder ob das nicht vielleicht sogar alle so machen und diese ganze Bio-Geschichte bei Lebensmitteln nur ein großer Schwindel ist.
 
Acrylium schrieb:
Was hindert einen Händler oder Hersteller daran, einfach "normales" Fleisch zu nehmen und es mit einem Bio-Ettiket zu verstehen um dann deutlich mehr Gewinn damit zu machen?
Das Gesetz
https://www.bmel.de/DE/themen/landwirtschaft/oekologischer-landbau/bio-siegel.html

Es gibt offizielle Gütesiegel (wie das im Link genannte Bio-Logo), es gibt aber auch herstellereigene Gütesiegel, die nicht auf rechtlichen Grundlagen beruhen. Und dort darf auch geschönigt / geschwindelt werden.
 
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Acrylium schrieb:
Sie macht vor ihren Bekannten keinen großen Hehl daraus, dass sie ihre Ware meistens einfach billig im Metro einkauft und in ihrem Laden als teure Bio-Produkte verkauft.
Die würde ich einfach mal nach der Herkunft fragen, die lässt sich bei entsprechenden Produkten genau bis zum Erzeuger nachvollziehen.

Deine Bekannte hat wohl Glück, dass noch niemand von den zuständigen Behörden bei ihr vorbei geschaut hat. Es handelt sich hier einfach um Betrug mit entsprechenden Strafmaß.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/s...wie-der-bio-pfusch-funktioniert-a-802245.html
 
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Acrylium schrieb:
Ich frage mich da ob das erlaubt ist oder ob das nicht vielleicht sogar alle so machen und diese ganze Bio-Geschichte bei Lebensmitteln nur ein großer Schwindel ist.
Nicht erlaubt:
Geschützte Begriffe: Die Bezeichnungen "Bio" und "Öko" sind gesetzlich geschützte Begriffe. Erzeugung und Verarbeitung so gekennzeichneter Lebensmittel sind nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus erfolgt. Auch folgende Begriffe auf Lebensmitteln dürfen nur für Bioprodukte verwendet werden:

  • biologisch oder ökologisch
  • kontrolliert biologisch bzw. kontrolliert ökologisch
  • biologischer bzw. ökologischer Landbau.
https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/essen-trinken/biolebensmittel#gewusst-wie
 
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Der Fall Deiner Kollegin @Acrylium erinnert Mich sehr stark hierdran:

https://www.infranken.de/bayern/teu...eier-des-tages-mal-was-besonderes-art-5663009

Ist natürlich nicht erlaubt und Betrug am Kunden! Sollte man daher mal melden!


Und gerade wegen solcher Leute kann man den Siegeln immer weniger vertrauen weil Leute sie zum eigenen finanzieleln Vorteil missbrauchen! Bei großen Firmen werden denn auch oft die Richtlinien und co aufgeweicht damit das Fleisch aus Massentierhaltung denn noch noch das Bio Ökö Label bekommt und Kontrollen zum Tierwohl und Haltung finden auch nicht regelmäßig statt und wenn denn auch nur angekündigt.

Ergo: Ich gebe nichts auf diese Siegel! Firmen nutzen sie lediglich um mehr Geld in ihre Taschen scheffeln zu können weil sie wissen die Kunden kaufen es denn sie denken ja den Tieren geht es dabei besser. Dem ist aber nicht so. Lug und Betrug am Kunden also.
 
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Yiasmat schrieb:
Und gerade wegen solcher Leute kann man den Siegeln immer weniger vertrauen weil Leute sie zum eigenen finanzieleln Vorteil missbrauchen!
Den Siegeln kann man durchaus noch vertrauen, einzelne Ausnahmen sind hier nicht die Regel. Man sollte nur aufpassen bei unverpackter Ware und sich die Herkunft der Produkte nennen oder schriftlich zeigen lassen.
 
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Ich vertraue überhaupt keinen staatlichen Siegeln. Das Bio-Siegel ist zum Beispiel auch wesentlich schlechter, als das Demeter- oder Biolandsiegel.

Wenn ich muss, greife ich zu diesen Siegeln. Ich konsumiere aber keinerlei Fertiggerichte, sondern kaufe nur Grundnahrungsmittel, Gewürze und Fleisch (Milchprodukte lehne ich ab). Nur bei Lebensmitteln, die ich nicht gründlich abwaschen kann (etwa Pilze) nutze ich diese Siegel. Der Rest wird jeweils möglichst günstig eingekauft.

Das war einer der Gründe, weshalb ich mir einen Thermomix abgeschafft habe. Hier koche ich unabhängig von der Industrie, welche leider, staatlich genehmigt, zweifelhafte Rezepturen und Zusatzstoffen verwenden darf.
 
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Acrylium schrieb:
Kann man der Angabe "Bio" denn wirklich vertrauen?
Die Frage kann man auf 2 Arten beantworten:
Kann ich dem Siegel vertrauen, wenn es quasi "in" der Verpackung ist, bzw. ein Bestandteil? Also beispielsweise im Supermarkt ein Stück Fleisch, wo das Bio Label mit auf die Verpackung gedruckt ist? Relativ sicher, ja.
Wenn es, wie in deinem Beispiel, ein kleines Geschäft ist, und dort Lebensmittel ohne Verpackung als Bio verkauft werden, ist das schon schwieriger nachzustellen. Aber im Zweifel kannst du das auch an die entsprechenden Behörden melden. Wo genau wüsste ich aus dem Stand auch nicht, im Zweifel mal beim Ordnungsamt fragen.

Dann kommt aber noch eine zweite Möglichkeit dazu: Insbesondere bei Tierischen Lebensmitteln kommt immer wieder raus, dass auch Biobetriebe sich nicht an die vorgesehenen Regeln bei der Tierhaltung halten. Das sollte kontrolliert werden, aber die Behörden sind da völlig überfordert mit. Zu wenig Personal. Daher greife ich auch eher zu Bioland, Naturland oder Demeter Produkten. Bioland und Naturland kontrollieren zumindest jährlich + haben strengere Richtlinien. Demeter kontrolliert Stichprobenartig, aber da habe ich dennoch ähnliches Vertrauen, weil sich niemand den ganzen Esoterik-Quark (Sorry, aber ist so) antut, um am Ende doch zu beschei...

Acrylium schrieb:
Was hindert einen Händler oder Hersteller daran, einfach "normales" Fleisch zu nehmen und es mit einem Bio-Ettiket zu verstehen um dann deutlich mehr Gewinn damit zu machen?
Theoretisch? Gesetze, Ordnungsamt und Justiz. Praktisch? Schwierig, wenn alle überlastet sind.

Acrylium schrieb:
Ich frage mich da ob das erlaubt ist oder ob das nicht vielleicht sogar alle so machen und diese ganze Bio-Geschichte bei Lebensmitteln nur ein großer Schwindel ist.
Wurde ja schon geschrieben, aber egal: Das ist klar Illegal / Betrug.

Mein persönlicher Tipp: Aus Gesundheitlicher Sicht kann man relativ sicher auf Bio verzichten. Wenn man Bio kauft, ist der einzig (für mich zumindest / aus meiner Sicht) legitime Grund: Ethik, insbesondere bei Tierhaltung.
Hier würde ich aber bevorzugt auf Siegel wie Demeter, Bioland oder Naturland zurückgreifen.
Hier ist zB eine Übersicht, was Tierhaltung angeht:
https://www.oekolandbau.de/fileadmi...leich_Bioverbaende_Tier_Tabelle_27.1.2020.pdf

Letztlich muss das aber jeder für sich wissen. Ich denke schon, dass das normale Bio oft um längen besser ist als normale Tierhaltung. Bei Pflanzen ist es aber zB so, dass auch Biolandwirte oft viel zu hohe Mengen an Dünger nutzen, die die Gewässer belasten. Vor allem bei der Nitratbelastung von Kuhdung ist das ja ein Problem.
Bei Tieren ist normales Bio mit Sicherheit auch besser, aber wenn man "wirklich ethisch" kaufen will, muss man wohl eher zu Naturland, Bioland, Demeter & Co. greifen, die dann nochmal etwas teurer sind.
 
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Weiter gilt ggf. noch zu erwähnen. Was wir in DE unter "Bio" verstehen und was Hersteller und Händler z.B. in Indien unter "Bio" verstehen, sind oftmals gänzlich unterschiedliche Dinge. In manchen Ländern könnte man meinen, das etwas Bio ist wenn es nicht zusätzlich mit Diesel gegossen wurde^^
Eine bekannte von mir Arbeitet im Lebensmittelgroßhandel und Importgeschäft und hat da schon einige stories erzählt.
Prominenteres Beispiel war mal Glyposhat im Bier. Kam halt von Braugerste aus dem Ausland. In DE wird das seit Jahrzehnten nicht mehr gemacht (kurz vor Erntbebeginn nochmal angewendet), in anderen Ländern aber durchaus erlaubt (oder es wird zumindest halt einfach gemacht...)

Kurz und knapp: Biosiegeln auf deutscher Ware kann man ggf. noch glauben. Ich würde aber nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, wenn das auf peruanischen Bananen oder Türkischen Datteln steht.

Wer es wirklich und verlässlich will, muss sich seinen Erzeuger am Besten direkt ansehen - fernab aller LEHs. Fahr direkt zum Bauer auf den Hof und kauf dort im Laden ein; Schau dir ggf. an, wo er produziert. Viele Höfe machen auch Tag der offenen Tür etc.
Aber auch dann beachten: Auch er kann idr nur Saisonal produzieren. Heißt, Paprika im Januar sind sicher nicht von ihm, sondern vom Großmarkt. Womit man wieder soweit ist wie beim LEH.
 
Die Geschichte vom TE halte ich für Paulener. Wenn man sich ansieht, welche Beiträge er likt, ist auch klar, dass es hier nicht um die Entscheidung geht sondern diese längst gefallen ist und man nur bestätigung sucht, die natürlich hier im Forum nicht lange auf sich warten lässt inklusive direkter VT.

Manchmal braucht man echt nicht viel Fantasie um zu wissen, wie sich ein Thread entwickelt wenn man den Namen des TE und einiger die Antworten kennt...


PS: Bio Ware ist definitiv nicht immer teurer als non Bio, Fertiggerichte sind auch per se nicht schlecht geschweige denn stecken zwangsweise "Zusatzstoffe" drin und ich halte zudem jede Wette, dass die ganzen Zweifler und Krikter nicht im geringsten wissen, was sich hinter E-Nummer verbirgt. Da gilt pauschal E-Nummer gleich Chemie...

Punkt ist, dem offiziellen Bio-Siegel, Demeter oder auch Bioland kann man sicher vertrauen. Was die einzelnen Siegel bedeuten, kann ja jeder nachlesen, den es interessiert.
 
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audiogenießer schrieb:

Bitte mal damit befassen, was hinter "Demeter" steht.

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@ Topic:

Ich nutze die Siegel als Hilfsmittel, aber nicht als allgemeingültigen Standard für Unbedenklichkeit. Generell ersetzt kein Siegel das eigene Hirn.

Beispielsweise Fleisch:

Was ist besser, der Bio - Schinken oder normale, nicht Bio, Blutwurst?

Ich würde sagen letztere ist besser, da Verwertung von Teilen, die andernfalls weggeworfen würden. Ja, für den Bio - Schinken hat das Tier eventuell weniger gelitten oder hatte ein besseres Leben, aber für die Blutwurst wurde grundsätzlich kein Tier geschlachtet.

Ich ziehe Blutwurst aus diesem Grund sogar veganen Alternativen vor und denke, dass sie unterm Strich die mit Abstand umweltfreundlichste Quelle tierischer Vitamine, Proteine etc. ist, einfach weil Abfallrecycling und so.
 
Damien White schrieb:
Bitte mal damit befassen, was hinter "Demeter" steht.
Ja was denn? Ist das strengste Siegel. Der esoterische Ansatz ist albern und unnötig, ändert aber wenig an den konkreten Regeln, die einen hohen Biostandard garantieren...

Und das mit der Blutwurst.... Man kann es sich auch schön reden. Das Blut wird so oder so nicht verschwendet. Von wegen Abfallrecycling...
 
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Natürlich ist das mit der Blutwurst "Schönreden", so wie alles Andere. Es gibt nicht die perfekte Lösung für unsere Ernährung, nur die weniger schlechte. Und wie man sich da selbst entscheidet ist eine ganz eigene Sache.

Ich brachte es nur als Beispiel dafür, dass ein Bio - Siegel nicht immer pauschal die bessere Lösung ist und man nachdenken sollte.

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Bzgl. Demeter, sorry, aber was du als "esoterischen Ansatz" bezeichnest ist am Ende nichts Anderes als Tierquälerei. Ich weis es gibt Menschen die grundlegend jede Form von Chemie als schlecht abstempeln, aber das ist ideologie und hat nichts mit der Realität zu tun. Bei Demeter leiden Tiere im großen Stil dank Homöopathie und anderen alternativen Methoden anstatt vernünftige Medizin zu verwenden. Demeter ist das, wenn man irrationales Denken auf 11/10 dreht und versucht um jeden Preis so umweltfreundlich wie möglich zu sein, dabei jedoch meilenweit über das Ziel hinaus schießt und am Ende schlechter ist als die Alternativen.

Demeter ist auch Grundsätzlich aufbauend auf den Lehren Steiners, also auch ganz harte Rassenlehere inklusive Atlantismythos und ähnlichem Quark.

Demeter als Gütesiegel ist pauschal nichts positives, im Gegenteil
 
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Nur hat der heutige Demeter Verein damit halt nichts mehr zu tun.... Und das mit dem Tierleid ist so wie du es hier darstellst halt auch Unfug... Immunologische Arznei (Impfungen) sind erlaubt. Was nicht erlaubt ist bei Demeter (und allen anderen Bio Siegeln!) ist der präventive Einsatz von Antibiotika...

Homöopathie ist, wenn eine therapeutische Wirkung bekannt ist, vorzuziehen bzw. empfohlen, nicht aber verpflichtend. Konventionelle Tierarznei ist bei Demeter erlaubt.
Ergänzung ()

Damien White schrieb:
Demeter als Gütesiegel ist pauschal nichts positives, im Gegenteil
Völliger Bullshit...
 
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da Bio nur ein marketinggag ist, ja.

wenn irgendwo Bio draufsteht, vertraue ich also drauf, dass es teurer ist.
 
Mickey Cohen schrieb:
da Bio nur ein marketinggag ist, ja.
Gag weil?

Weil weniger Pestizide, der Verzicht auf Kunstdünger, weniger Medikamente ein Gag sind?
 
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"bio" bedeutet aber nichts davon. "Bio" bedeutet nur, dass der käufer das erwartet, nicht dass das Produkt auch tatsächlich so hergestellt wurde. scheint ja zu funktionieren
 
 
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