Was tun gegen Alkohol in der Familie?

Hatte auch so einen Fall in der Verwandtschaft.
Und, ich kann nur sagen, dass gut zureden nicht wirklich hilft. Die Sucht ist oftmals sogar stärker als familiäre Beziehungen.
Wenn es dann auch noch so kommt, dass z.B. auch andere Familienmitglieder trinken (es muss nicht exzessiv sein),
wird es für den Betroffenen nur umso schwerer, dem Teufelskreis zu entfliehen.

Lösung des Problems war schließlich eine ärztliche Diagnose.
Aussagen eines Fachmediziners, die einen vor Augen führen, dass man innerhalb der nächsten Monate schwerste Schäden (oder sogar den Tod) erwarten kann,
wenn man den Alkohol weiterhin so schwer missbraucht, können einen Betroffenen schon wachrütteln.

Dann heißt es, professionelle Therapien, d.h. auch unter Ausschluss der Verwandtschaft, zur Heilung durchzuführen. Bei uns hats geholfen - zum Glück!
 
Hallo,

ich habe genau das selbe Problem. Und zwar auch schon mittlererweile etwa 10 Jahre, obwohl es im letzten Jahr wirklich um einiges schlimmer geworden ist, obwohl ich nie zu denken gewagt hatte, dass das überhaupt möglich ist.

Bei mir ist es ebenfalls ein Familienmitglied, was mir sehr nahe steht und es bricht einem einfach das Herz, dass man nichts tun kann. Es macht einen seelisch total fertig. Man kann einfach nichts tun. Wir haben es mit Familiengesprächen versucht, oder mit Einzelgesprächen, haben bei einer Suchtstation Hilfe gesucht, aber keine bekommen. Die Familie hat schon alles versucht. Wenn sich die besagte Person aber nicht selber dazu outet, dass sie Alkoholkrank ist, kann man wohl nichts anderes machen als eben gar nichts. Immer hört man nur, man kann nichts tun, wenn die Person es nicht selber will. Aber das ist doch totaler Schwachsinn!

Man muss doch was tun können. Gibt es denn keine Möglichkeite für eine Zwangseinweisung ohne irgendeinen Lappen von einem Psychater zu haben?

Gruß
 
SilkeVM1987 schrieb:
Gibt es denn keine Möglichkeite für eine Zwangseinweisung ohne irgendeinen Lappen von einem Psychater zu haben?

Zwangseinweisung bedeutet Freiheitsentzug und muß von einem Richter angeordnet werden.
Wenn die betreffende Person nicht will, dann sind einem die Hände gebunden.
 
@SilkeVM1987
Wenn sich die besagte Person aber nicht selber dazu outet, dass sie Alkoholkrank ist, kann man wohl nichts anderes machen als eben gar nichts. Immer hört man nur, man kann nichts tun, wenn die Person es nicht selber will. Aber das ist doch totaler Schwachsinn!

Klar kannst du was tun. Zu einem Psychologen gehen, der dir erklärt, dass es nicht an dir liegt, dass es nicht an seinem Umkreis liegt, sondern dass er sich selbst als nicht-Suchtkranken erkennt (weil er wohl dann auch so süchtig ist, dass er es nicht mehr erkennen kann). Tun kannst du da herzlich wenig, es ist sein Leben. Wenn du viel fettest isst weist dich ja auch niemand ein, weil dadurch deine Lebenserwartung sinkt, auch wenns sich krass anhört.

Für das eigene Seelenbefinden hilft zum einen: Akzeptieren, aber nicht schambehaftet mit dem Thema umgehen. Denn es ist so. Knallharter Fakt. Das brauch man nicht vor Anderen schönreden oder runterspielen, es ist einfach so.
Zweitens: Akzeptieren, dass du daran nichts ändern kannst. Wäre es dein direkter Partner würde man auch wie du sagst, erst einmal alles probieren. Dann jedoch auch die Konsequenz daraus ziehen. Weil es durch seine Sucht MIR schlecht geht, und ich IHN nicht aus dem Teufelskreis nicht bekomme, ist die einzige Konsequenz MICH aus dieser Schlinge zu ziehen. In dem Falle ein Ultimatum: Du hast ein Problem, wirst du es nicht los ziehe ich mich von dir zurück, da du mir sonst Schaden zufügst. Klingt egoistisch, aber bevor DU nachher zu einer Sucht greifst oder labil wirst, würde ich mich aus dieser seelischen Gefahrenquelle begeben.
 
Genau, denn bevor man durch die besagte unbelehrbare Suchtperson selbst (indirekt) geschädigt wird, ist Abstand nehmen die einzig logische Konsequenz - wenn es denn die finanziellen Lebensumstände zulassen.
Jedes menschliches Individuum ist für seine Beweggründe und die daraus resultierenden Handlungen selbst verantworlich. Worüber sich ja eigentlich jeder halbwegs Denkende klar sein muss... aber nuja so ist es ebend nicht.
Jedenfalls kann ich den Umpfang an Gegenbenheiten die zu einer Sucht führen einfach nicht begreifen/nachvollziehen. Für mich sind diese Leute Willensschwach und wollen diesen Zustand in dem sie sich befinden bzw. noch befinden werden. Denn ich erlaube mir mal anzunhemen, dass auch sie sich auf kurz oder lang Gedanken über ihre Alkoholabhängige Existenz machen.
Jedem selbst obliegt die Wahl zu wählen, was wir mit der Zeit anfangen wollen die uns gegeben ist. Wenn die es denn unbedingt wollen; impertinent ausgedrückt, langsam aber sicher zu verfaulen und sozial abzurutschen - Ok dann ist es so, sollen sie sich um ihren Fauxpas drehen oder darin verstecken. Aber wer während einer bemerkbaren Talfahrt seines Lebens immer noch nichts begreift und so wenigstens versucht an eine Veränderung dessen zu arbeiten, hat's mMn nicht anders verdient. Erkenntnis setzt Verstand vorraus und der fehlt bei diesen Leuten oft schlichtweg.

Eine fiktive Figur pflegt jedesmal beim anschauen/lesen zu sagen:
"Viel mehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind."

Jedenfalls tritt durch den Konsum in kürze eine allgemeine sukzessive Verschlechterung der Disposition jener Suchtkranken ein. So wird es, desto länger der Zustand besteht, schwieriger den Personen effektiv zu helfen.
Sie nehmen ihren Zustand an bzw. gewöhnen sich an ihn. So wie die meisten den Drang haben Körperhygiene auszuüben oder sich den Hintern nach dem Ausscheiden von Kot (feucht) abzuwischen, haben Raucher, Trinker und Konsortium diesen um an ihren Stoff dranzukommen.

Also andere Menschen aus den Familien- und Freundeskreis auffordern die oder den Suchtkranke(n) zu konfrontieren und sich ggf. bei einer Hilfsinstitution erkundigen, oder bei Bedarf (hoher Alk Konsum) Personelle hilfe anfordern.
Das wird auch im Gespräch des verlinkten Videos klar. (Volksdroge Alkohol [Rechte Seite, Oben])

www.daserste.de/unterhaltung/talk/beckmann/sendung/2012/volksdroge-alkohol-25102012-100.html

Nach neuesten Studien ist jeder 7. Arbeitnehmer Alkoholabhängig.
Jeder 5. ist in Begriff das zu werden bzw. ist Alkohol konsumfreudig.
(Jaja ich weiss... Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast.)


EDIT: Ist mir gerade nach dem Zocken eingefallen
Cr[0]miX schrieb:
Mein alter Religionsleher vom CSB Bielefeld, Herr Wilkin, vermittelte uns einst; Jeder "Kiffer", Alkoholiker oder sonstiger Drogenkonsumierer, lehrt oder gibt jenes konsumieren oft an seine Nachkommen weiter (Stichwort: soziale Unterschicht wie jeder wissen müsste, was aber leider nicht mehr die Ausnahme ist) und die an ihre Kindes Kinder. Somit "verkommt" die ohne hin schon - um es schöngeistig zu formulieren - Problembehaftete Leistungs, Konsumer -und Wachstumsgesellschaft u.v.m. zu einer faul-fetten, vor sich hin sabbernen, Sofa furtzenden- und arbeitsunfähigen Deindustrialisierungsgesellschaft. So undgefähr, vor mittlerweile einem halben Jahrzehnt, drückte es jener oben gennanter Lehrer aus. Ich werde es niemals vergessen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Das ist ein schwieriges Thema.

Meine Mutter hat sich damals - ich war 13, meine Schwester 11 - nicht anders helfen können und sich von meinem alkoholkranken Vater scheiden lassen.

Einige Monate später - Gott sei Dank erst dann, denn nach damaligem Scheidungsrecht (70er Jahre) konnte man von einem kranken Ehepartner nicht geschieden werden - wurde die Alkoholkrankheit auch medizinisch (Leberzirrhose) festgestellt und drei Jahre starb mein Vater dann.

Wenn Gespräche nicht erfolgreich sind, weil die betroffenen Personen uneinsichtig sind und sich nicht helfen lassen wollen bzw. ihre eigene Situation nicht erkennen, dann belibt einem oft nichts anderes übrig als sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen und den Kontakt zu dieser Person abzubrechen.

Gerade in unserem Fall war dies die einzige Möglichkeit, den Schaden für uns Kinder in einigermaßen erträglichem Rahmen zu halten.

Auch ich habe so meinen Schaden davon getragen, denn ich wollte nie in meinem Leben ein solcher Vater sein, wie es mein eigener war und bin deshalb kinderlos, obwohl sich in den letzten Jahren herausgestellt hat, dass ich eigentlich ganz gut mit Kindern kann.

Wie man damit umgeht, muss jeder Angehörige selbst entscheiden.
Einige sind leidensfähiger oder belastbarer als andere.
Einige fühlen mehr mit als andere.

Egal, welche Entscheidung jemand trifft, ich würde diese Person niemals dafür verurteilen, denn dies hängt vom ganz individuellen Typ aller betroffenen Personen ab.
 
Auch ich habe so meinen Schaden davon getragen, denn ich wollte nie in meinem Leben ein solcher Vater sein, wie es mein eigener war und bin deshalb kinderlos, obwohl sich in den letzten Jahren herausgestellt hat, dass ich eigentlich ganz gut mit Kindern kann.

Falsche herangehensweise. Du hättest nur nichts trinken müssen. Oder bei der Erziehung es besser machen. Ich bezweifel, dass die Sucht genetisch veranlagt ist.

Egal, welche Entscheidung jemand trifft, ich würde diese Person niemals dafür verurteilen, denn dies hängt vom ganz individuellen Typ aller betroffenen Personen ab.

Das ist es. Du kannst die Person zwar nicht verurteilen, da du ihr aber auch nicht helfen kannst machst du dich nur selber kaputt. Daher kann als Auswegen nur das abkapseln von besagter Person eine Lösung sein, wenn mit gut zureden und Argumenten die gegen die Sucht nichts helfen.

PS: Und die Person kann auch vorher ein anderer Mensch gewesen sein, oder nett und freundlich, ganz und gar unterschiedlich. Aber so wird die Person niemals mehr wieder sein. Selbst nach einem Entzug nicht.
 
Onkelhitman schrieb:
Ich bezweifel, dass die Sucht genetisch veranlagt ist.

Bei manchen Menschen ist die Schwelle hin zur Sucht genetisch niedriger gesetzt als bei anderen.
http://www.medizinfo.de/sucht/ursachen/genetisch.shtml
Natürlich ist die Genetik nicht der einzige oder der Hauptaspekt, welcher zu einer Sucht führt.


Der Religionslehrer von Cr[0]miX hat nicht unrecht.
Genetische Veranlagung + plus soziales Umfeld macht es sehr schwer aus diesem Teufelskreis auszubrechen.


Ich glaube aber auch, dass bewußte Kinderlosigkeit etwas übertrieben ist, wenn der Vater suchtkrank ist.
Das muß aber jeder für sich selbst entscheiden.
 
Dann müsste ich jetzt trinken wie ein Loch wenn es genetisch vererbt werden könnte. Ebenfalls zur Fettleibigkeit und ich müsste rauchen.

Bisher ist mir das Alles erspart geblieben und ich denke, dass ich dieses Defizit in meinen Genen durchaus verhindern kann, wenn ich davon weiss, es mir bewusst mache, und dagegen angehe.
 
Onkelhitman schrieb:
Falsche herangehensweise. Du hättest nur nichts trinken müssen. Oder bei der Erziehung es besser machen. Ich bezweifel, dass die Sucht genetisch veranlagt ist.

Das ist mir heute auch klar und deswegen sage ich ja, dass ich aus der Nummer dann eben doch mit einem gewissen Schaden raus bin auch wenn meine Mutter damals zu Recht die Notbremse gezogen hat.
Damals als Teenie habe ich so gedacht (und habe es mit mir selber ausgemacht), inzwischen weiß ich es besser.
Nur war es mir mit fast 50 inzwischen deutlich zu spät, Vater zu werden und ich habe das Thema inzwischen endgültig abgeschlossen.
 
Ich weiss hamju, sowas prägt auch. Zum Glück bin ich da schon viel früher drauf gekommen, es ist aber im nachhinein schwer, man macht sich ja auch selber rückwirkend den Kopf, was man "hätte tun können". Nach wirklichem Überlegen kommt man vielleicht zu dem Schluss: Man hätte nichts tun können.

Nur je länger man mit dem Verarbeiten wartet, desto länger schleppt man es auch mit sich herum. Finde es gut, dass du die Einsicht noch bekommen hast. Für manchen bleibt sie für immer verwehrt.
 
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