Im Test vor 15 Jahren: Die GeForce GTX 590 war Kopf-an-Kopf mit der Radeon HD 6990
Mit der GeForce GTX 590 (Test) setzte Nvidia zum Konter gegen AMDs Dual-GPU-Monster Radeon HD 6990 an. Für einen Preis von 639 Euro erhielten Anwender zwei GF110-GPUs mit jeweils drei Milliarden Transistoren und 1.536 MByte Speicher pro GPU.
Bewährtes Holzhammerrezept
Die GeForce GTX 590 folgte dem typischen Dual-GPU-Rezept von vor 15 Jahren: Nimm die GPU der schnellsten Single-GPU-Grafikkarte, senke die Taktraten und bringe zwei davon auf einem PCB unter. Dementsprechend handelte es sich um zwei GF110 im Vollausbau, der auch auf der GeForce GTX 580 zum Einsatz kam. Gegenüber dieser senkte Nvidia die Taktraten der GPU(s) deutlich von 772 MHz auf 607 MHz ab. Die zweimal 1.536 MByte GDDR5-Grafikspeicher wurden mit 1.707 MHz statt den 2.004 MHz der GeForce GTX 580 betrieben. Die Leistungsaufnahme war mit typischen 365 Watt angegeben, zur Stromversorgung waren zwei 8-Pin-PCIe-Stecker notwendig.
Mit einer Länge von 28 cm war die GeForce GTX 590 relativ kurz für eine Multi-GPU-Grafikkarte. Nvidia setzte auf einen Dual-Slot-Kühler mit zwei Kupfer-Kernen mit Vapor-Chamber über den GPUs. Wie bei der Radeon HD 6990 waren die Komponenten zur Stromversorgung in der Mitte der Grafikkarte zwischen den GPUs zu finden, weshalb der große 85-mm-Axiallüfter ebenfalls zentral platziert war.
| Radeon HD 6970 | Radeon HD 6990 | GeForce GTX 570 | GeForce GTX 580 | GeForce GTX 590 | |
|---|---|---|---|---|---|
| Chip | Cayman | 2 × Cayman | GF110 | 2 × GF110 | |
| Transistoren | ca. 2,64 Mrd. | 2 × ca. 2,64 Mrd. | ca. 3 Mrd. | ca. 3 Mrd. | 2 × ca. 3 Mrd. |
| Fertigung | 40 nm | ||||
| Chiptakt | 880 MHz | 830 MHz | 732 MHz | 772 MHz | 607 MHz |
| Shadertakt | 880 MHz | 830 MHz | 1.464 MHz | 1.544 MHz | 1.215 MHz |
| Shader-Einheiten (MADD) |
384 (4D) | 2 × 384 (4D) | 480 (1D) | 512 (1D) | 2 × 512 (1D) |
| FLOPS (MAD) | 2.703 GFLOPS | 2 × 2.550 GFLOPS | 1.405 GFLOPS | 1.581 GFLOPS | 2 × 1.244 GFLOPS |
| ROPs | 32 | 2 × 32 | 40 | 48 | 2 × 48 |
| Pixelfüllrate | 28.160 MPix/s | 2 × 26.560 MPix/s | 21.960 MPix/s | 24.704 MPix/s | 2 × 19.424 MPix/s |
| TMUs | 96 | 2 × 96 | 60 | 64 | 2 × 64 |
| TAUs | 96 | 2 × 96 | 60 | 64 | 2 × 64 |
| Texelfüllrate | 84.480 MTex/s | 2 × 79.680 MTex/s | 43.920 MTex/s | 49.408 MTex/s | 2 × 38.848 MTex/s |
| Shader-Model | SM 5 | ||||
| effektive Windows Stromsparfunktion |
✓ | ||||
| Speichermenge | 2.048 MByte GDDR5 | 2 × 2.048 MByte GDDR5 | 1.280 MByte GDDR5 | 1.536 MByte GDDR5 | 2 × 1.536 MByte GDDR5 |
| Speichertakt | 2.750 MHz | 2.500 MHz | 1.900 MHz | 2.004 MHz | 1.707 MHz |
| Speicherinterface | 256 Bit | 2 × 256 Bit | 320 Bit | 384 Bit | 2 × 384 Bit |
| Speicherbandbreite | 176.000 MByte/s | 2 × 160.000 MByte/s | 152.000 MByte/s | 192.384 MByte/s | 2 × 163.874 MByte/s |
| Stromangaben Typisch/Maximal |
190/250 Watt | 350/375 Watt | 219/? Watt | 244/? Watt | 365/? Watt |
In Sachen Leistung: Kopf an Kopf
Bezüglich der Leistung nahmen sich die AMD Radeon HD 6990 und Nvidia GeForce GTX 590 nicht viel. Beide waren an den Bildern pro Sekunde gemessen deutlich schneller als die Single-GPU-Flaggschiffe. Prinzipiell lag die GeForce in niedrigeren Auflösungen etwas vorne, während die Radeon ab 2.560 × 1.600 Bildpunkten die Nase vorne hatte. Trotz dieser ähnlichen Ergebnisse konnte Nvidia einen Vorteil für sich verbuchen. Beide Grafikkarten setzten auf Alternate Frame Rendering (AFR), bei dem jeweils abwechselnd eine der GPUs ein Bild renderte. Diese Technologie verursacht Mikroruckler durch die unregelmäßige Bildausgabe trotz nominell hoher FPS. Nvidia hatte im März 2011 deutlich bessere Treiber und Profile und daher fielen die störenden Mikroruckler bei der GeForce GTX 590 mäßiger aus als bei der Radeon HD 6990.
Bei der Lautstärke konnte die GeForce GTX 590 einen weiteren Punkt sammeln. Zwar war auch sie, wie die meisten Dual-GPU-Grafikkarten, brachial laut – allerdings deutlich leiser als die Radeon HD 6990, die abseits jeder Norm agierte. Im Gegenzug fiel die Leistungsaufnahme des Gesamtsystems mit der GeForce nahezu 70 Watt höher aus als mit der Radeon. Die GPU-Temperatur lag bei beiden Grafikkarten mit (nahezu) 90 °C an der Belastungsgrenze. Dennoch bot die GeForce GTX 590 etwas Spielraum für Übertaktung. Etwa 10 Prozent mehr Leistung konnte ComputerBase der Grafikkarte auf Kosten der Lautstärke, Temperatur und Leistungsaufnahme entlocken.
Fazit
Wie bei allen Dual-GPU-Grafikkarten war auch die GeForce GTX 590 nicht für jedermann. Der Anschaffungspreis war hoch, ebenso die Lautstärke und der Energiebedarf. Verglichen mit der Radeon HD 6990 war die Leistung ähnlich, allerdings mit weniger störenden Mikrorucklern. Empfehlenswert war die GeForce GTX 590 für die meisten Anwender nicht. Wer die beste Leistung wollte, der hatte zwischen AMD und Nvidia die freie Wahl.
In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Die letzten 20 Artikel, die in dieser Reihe erschienen sind, führen wir nachfolgend auf:
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