CES 2026

Lego Smart Play: Lego macht den 2 × 4-Stein und Sets interaktiv

Michael Schäfer
80 Kommentare
Lego Smart Play: Lego macht den 2 × 4-Stein und Sets interaktiv
Bild: Lego

Im Rahmen der diesjährigen Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas hat Lego das neue System „Smart Play“ vorgestellt. Mit den Smart Bricks und Smart Tags sollen Kinder laut dem dänischen Unternehmen dabei eine völlig neue Art des Spielens erleben. Doch auch hier sind der Kreativität Grenzen gesetzt.

Vielfältige Möglichkeiten

Die neue, interaktive Plattform wurde am gestrigen Abend im Rahmen einer Präsentation vorgestellt und dabei nicht mit minder großen Worten als „eine der bedeutendsten Weiterentwicklungen des LEGO System-in-Play seit der Einführung der LEGO Minifigur im Jahr 1978“ bezeichnet. Sie soll ein „offenes, physisches Spiel ohne Bildschirme“ ermöglichen, bei dem „Modelle zum ersten Mal auf die Art und Weise reagieren können, wie mit ihnen gespielt wird“. Entwickelt wurde Smart Play, „um Kinder zu inspirieren, ihre fantasievollen Ideen in die Realität umzusetzen und ihre Kreationen mit Momenten der Überraschung und Entdeckung zum Leben zu erwecken“, wie Lego in der begleitenden Pressemitteilung erklärt.

Bei der jetzt vorgestellten Plattform handelt es sich allerdings nicht um Legos erstes System mit Ton- und Lichteffekten: Bereits 1985 brachte Lego mit „Light & Sound“ eine Umsetzung, welche in mehreren Sets der Themen Stadt und Weltraum verwendet wurde und aus Licht- und Tonsteinen bestand – damals aber noch völlig „unsmart“.

Von smarten Steinen und Fliesen

Die neue Technologie, bei der Lego nach eigenen Angaben „über zwanzig patentierte Weltneuheiten“ vereint, besteht aus dem Zusammenspiel des 2 × 4 Noppen großen Smart Bricks und den dazugehörigen Smart Tags sowie entsprechend ausgestatteten Minifiguren. Der Stein verfügt über sämtliche Komponenten, die laut Lego nötig sind, um das Spiel zum Leben zu erwecken. Dazu gehören neben einem ASIC-Chip mit Legos Play Engine unter anderem verschiedene Sensoren wie Geräusch-, Helligkeits- und Beschleunigungsmesser, ein integrierter Miniaturlautsprecher, der von einem kleinen Synthesizer angesteuert wird, sowie zwei LEDs für Lichteffekte. Außerdem soll der Stein in der Lage sein, die relative Position anderer Systemkomponenten erkennen zu können. Ein dazugehöriger Eintrag beim europäischen Patentamt zeigt, dass diese Funktionen über drei Kupferspulen und das sogenannte Neighbour Position Measurement (NPM) realisiert werden, die alle Raumrichtungen abdecken und anhand der Signalstärke auch erkennen können sollen, wie weit das jeweilige Element vom Stein entfernt ist. Ebenso soll ermittelt werden können, ob sich der Stein vor, hinter oder seitlich des jeweiligen Tags befindet. Darüber hinaus können mehrere Bricks zu einem dezentralen, BrickNet genannten Netzwerk gekoppelt werden, die dann ebenfalls die Positionen der jeweils anderen Steine erkennen können.

Darth Vaders TIE-Fighter erhält zahlreiche interaktive Funktionen
Darth Vaders TIE-Fighter erhält zahlreiche interaktive Funktionen (Bild: Lego)

Die für Smart Play benötigten Tags sind einerseits in den bekannten 2 × 2 Fliesen, andererseits auch in den Minifiguren verbaut. Diese enthalten die entsprechenden Informationen, die von den Smart Bricks in interaktive Aktionen umgesetzt werden und mit denen die einzelnen Komponenten beziehungsweise Modelle anschließend in Echtzeit interagieren können. Bei den smarten Figuren bringt dies allerdings den Umstand mit sich, dass deren Einzelteile aufgrund des geringen zur Verfügung stehenden Platzes nicht mehr voneinander getrennt werden können. Generell kann die jeweilige Elektronik aber künftig in einer Vielzahl von Steinen und Elementen verbaut werden, was die möglichen Spiel-Szenarien deutlich erweitert. Auch eine spätere Steuerung von Motoren könnte mit dem neuen System durchaus denkbar sein.

Kontaktlose Energiequelle

Mit Strom werden die Steine versorgt, indem bis zu zwei von ihnen auf das dazugehörige Pad gelegt und dort kabellos geladen werden. In der Patentanmeldung war das Lade-Pad noch größer gestaltet und stellte in Aussicht, dass ganze Modelle auf diesem abgestellt und der Stein auch im verbauten Zustand geladen werden könnte. Derzeit sollte der Smart Brick allerdings so integriert werden, dass er sich zum Aufladen leicht entnehmen lässt.

Interaktiveres Spielen

Durch die neue Plattform soll das Spielen mit dem Lego-System insgesamt interaktiver gestaltet werden. So könnten beispielsweise Fahrzeuge mit den entsprechenden Sensoren bei zu hoher Geschwindigkeit in Kurven oder beim schnellen Anfahren Quietschgeräusche der Reifen von sich geben. Auch in Tiermodellen verbaute Steine könnten miteinander interagieren, sobald sie sich einander nähern – Hunde könnten bellen, Katzen miauen und vieles mehr. Eigene Funktionen lassen sich bislang jedoch nicht hinzufügen, sodass die angeblich grenzenlose Kreativität bislang noch an die Grenzen gebunden bleibt, die Lego mit künftigen Modellen vorgibt.

Der neue X-Wing samt Ladeschale
Der neue X-Wing samt Ladeschale (Bild: Lego)

Erste Modelle ab März im Handel

Die ersten drei Sets der neuen Plattform – „Darth Vader’s TIE Advanced“ (75421), „Luke’s Red Five X-Wing“ (75423) und „Throne Room Duel & A-Wing“ (75427) – sind ab dem 9. Januar vorbestellbar und sollen am 1. März dieses Jahres in den Handel kommen. Preislich bewegen sich diese laut Legos unverbindlicher Preisempfehlung zwischen 70 und 160 Euro und sollen jeweils unterschiedliche Funktionen bieten.

Das Set rund um Darth Vaders TIE-Fighter umfasst dabei einen Rebellenaußenposten, eine imperiale Tankstelle sowie Darth Vader als Smart-Minifigure und zusätzlich einem Rebellen-Flotten-Soldaten. Zu den Funktionen gehören hier unter anderem realistische Fluggeräusche und Leuchteffekte der Laserbewaffnung. Zum X-Wing-Set gehören hingegen zwei smarte Minifiguren in Form von Luke Skywalker und Prinzessin Leia sowie R2-D2, mehrere Minifiguren der Rebellencrew und Sturmtruppen. Zudem enthält das Set einen imperialen Geschützturm, einen Transporter und eine Kommandozentrale, die interaktive Funktionen wie Laser-Schussgeräusche, Motorengeräusche, Beleuchtungseffekte sowie Betankungs- und Reparaturgeräusche bieten.

Der Thron-Saal samt A-Wing-Modell
Der Thron-Saal samt A-Wing-Modell (Bild: Lego)

Das Set des Thronraum-Duells soll hingegen „einen der denkwürdigsten Momente aus der ursprünglichen Star Wars-Trilogie nachstellen und neu interpretieren“. Es enthält drei Smart-Minifiguren der Charaktere Darth Vader, Imperator Palpatine und Luke Skywalker. Darüber hinaus gehören ein aus Steinen gebauter A-Wing-Jäger und die dazugehörige Piloten-Minifigur, zwei Mitglieder der Königlichen Garde sowie ein mit Smart Tag ausgestatteter Geschützturm zur Verteidigung des Thronsaals des Imperators dazu. Zu den interaktiven Funktionen zählen hier unter anderem das Summen der Lichtschwerter der Figuren von Darth Vader und Luke Skywalker, das Dröhnen der Triebwerke des A-Wing und der „The Imperial March“, der durch Imperator Palpatine auf seinem Thron aktiviert werden kann.

Weitere Modelle sollen kommen

Lego gibt an, die neue Plattform künftig stetig erweitern und ausbauen zu wollen. Ob kleine und große Baumeister später auch die Möglichkeit erhalten sollen, das System um eigene Funktionen und Geräusche zu erweitern, hat das Unternehmen bisher allerdings nicht angegeben.

Darth Vader’s TIE Advanced
Set-Nummer: 75421
Teile: 473
Smart Bricks: 1
Smart Tags: 1
Smarte Minifiguren: Darth Vader
Sonstige Minifiguren: 2
Preis (UVP): 69,99 Euro
Luke’s Red Five X-Wing
Set-Nummer: 75423
Teile: 584
Smart Bricks: 1
Smart Tags: 5
Smarte Minifiguren: Luke Skywalker, Prinzessin Leia
Sonstige Minifiguren: 5
Preis (UVP): 99,99 Euro
Throne Room Duel & A-Wing
Set-Nummer: 75427
Teile: 962
Smart Bricks: 2
Smart Tags: 5
Smarte Minifiguren: Darth Vader, Imperator Palpatine, Luke Skywalker
Sonstige Minifiguren: 6
Preis (UVP): 159,99 Euro
Kommentar des Autors

Legos gestern vorgestelltes Smart-Play-System wirkt auf den ersten Blick wie eine schlüssige Erweiterung des bestehenden Portfolios. Bei genauerer Betrachtung ergibt sich jedoch ein differenzierteres, vor allem skeptisches Bild. Die versprochene grenzenlose Kreativität bleibt letztlich erneut davon abhängig, in welchem Umfang Lego das System künftig unterstützt und ausbaut. Ein Blick auf den Vorgänger Light & Sound stimmt dabei nur wenig optimistisch: Laut Brickipedia fand das System in seinem zwölfjährigen Lebenszyklus lediglich in 14 Sets Verwendung.

Auch in der Vergangenheit hatte das dänische Unternehmen neue Technologien häufig mit vollmundigen Versprechungen eingeführt, ihnen jedoch selten die nötige Zeit zur Reife gelassen. Erinnerungen an Hidden Side und insbesondere an das Robotik-System Boost werden laut, wobei letzteres sein Potenzial vor allem aufgrund hausgemachter Einschränkungen nicht entfalten konnte. Zwar bot die 2017 erschienene Boost Creative Toolbox (17101) (Test) einen sogenannten Kreativbereich, dieser war jedoch stark limitiert und musste erst durch das Bauen zahlreicher Modelle freigeschaltet werden. Ein direkter kompletter Zugriff auf alle Motoren und Sensoren für eigene Kreationen war nicht vorhanden. Wurde zudem das dafür genutzte Tablet ausgetauscht oder neu aufgesetzt, mussten alle Inhalte erneut „freigebaut“ werden. Entsprechend erschienen bis 2019 mit dem Droid Commander (75253), dem Arctic Scout Truck (60194) (Test) und dem Stormbringer (70652) (Test) nur drei Erweiterungen, bevor Lego das System in aller Stille einstellte.

Ob Lego mit der neuen Plattform klüger agiert und ihr ausreichend Zeit einräumt, bleibt abzuwarten. Ebenso offen ist, ob künftig separates Zubehör in Form einzelner Steine oder Tags angeboten wird, wie es bei Light & Sound der Fall war. Solange Baumeister das System jedoch nicht um eigene interaktive Aktionen wie Licht- oder Toneffekte erweitern können, bleibt die Spielbarkeit auch hier begrenzt. Neben all dem spielt auch der Preis eine Rolle, ebenso wie die Frage, wie nachhaltig das Interesse von Kindern an der neuen Technik ist. Offen bleibt damit, ob gleich teure Lego-Sets ohne Smart Play nicht letztlich mehr Bau- und Spielspaß bieten.

Der Spielzeugmarkt ist hart umkämpft, und Lego hätte sich zunächst stärker um eigene Problemstellen, wie etwa das Preis-Leistungsverhältnis oder die Modell- und Teilequalität, kümmern sollen. Mit Smart Play allein wird sich das Unternehmen kaum dauerhaft gegen zunehmend starke alternative Hersteller behaupten können, die Lego in puncto Qualität und Originalität teils schon abgehängt haben.

📊 Intel, AMD oder Nvidia? Mach' jetzt noch mit bei unserer großen Jahresumfrage!
CES 2026 (6.–9. Januar 2026): Alle 106 News auf der Themenseite!
  • Fokus auf Nachhaltigkeit: Schenker Element 16 macht Aufrüsten und Reparieren leicht
  • 5800X3D Comeback?: Exorbitant teurer RAM macht alte Sockel wieder attraktiv
  • Nvidia G-Sync Pulsar: Die besonders „scharfen“ Monitore kommen jetzt wirklich
  • +103 weitere News