KI-Infrastruktur in den USA: Hälfte der Rechenzentren für 2026 verzögert oder gestoppt

Andreas Frischholz
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KI-Infrastruktur in den USA: Hälfte der Rechenzentren für 2026 verzögert oder gestoppt
Bild: OpenAI

Immer wieder gibt es Meldungen, dass der Ausbau der KI-Rechenzentren in den USA nicht mit den Zeitplänen mithalten kann. Bloomberg nennt nun eine konkrete Zahl: Bei annähernd der Hälfte der für 2026 geplanten Projekte wird erwartet, dass diese sich verzögern oder komplett gestrichen werden.

Zentraler Grund ist laut dem Bloomberg-Bericht der Mangel an Komponenten für die elektrische Infrastruktur, konkret geht es also um Transformatoren, Schaltanlagen und Batterien. Entsprechende Bauteile sind nicht nur für die Rechenzentren erforderlich, sondern auch für den Ausbau der Stromnetze, die den enorm steigenden Verbrauch bewältigen müssen.

Laut Analysen des Thinktanks Sightline Climate sollen in diesem Jahr Rechenzentren ans Netz gehen, die rund 12 Gigawatt an Energie benötigen. Schätzungsweise befindet sich aber nur ein Drittel im Bau.

Trumps Handelspolitik schadet den Anbietern

Anbieter elektrischer Komponenten in den USA können die Nachfrage laut Bloomberg nicht mehr bewältigen. Die Tech-Unternehmen sind daher auf Importe aus aller Welt angewiesen. Genau diese Handelsbeziehungen sind aber durch die Zölle von US-Präsident Donald Trump beeinträchtigt. Ein großer Anteil der Komponenten wird etwa in China gefertigt.

Die US-Administration versucht zwar seit geraumer Zeit, die Produktionskapazitäten in den USA zu erhöhen. Wenn die Pläne der US-Anbieter für den KI-Ausbau umgesetzt werden sollen, ist man aber im großen Maß auf Produkte angewiesen, die in China hergestellt werden, heißt es im Bericht.

Durch die erhöhte Nachfrage, die der KI-Boom ausgelöst hat, steigen zudem die Preise für Komponenten wie Transformatoren. Teilweise haben diese sich laut dem Bericht verfünffacht. Teile sollen nun in größerer Stückzahl und kürzeren Zeiträumen geliefert werden. Wenn die Lieferzeit bei Bestellungen von Hochleistungstransformatoren vor dem Jahr 2020 typischerweise noch 24 bis 30 Monate betragen hat, wollen KI-Unternehmen die Komponenten aktuell in weniger als 18 Monaten.

Lieferkette elektrischer Komponenten als „wildes Puzzle“

Crusoe Energy Systems baut derzeit in Texas einen Datacenter-Campus. Laut Bloomberg ist das Unternehmen bekannt für die Geschwindigkeit. Laut eigenen Aussagen ist Crusoe in der Lage, Teile eines Rechenzentrums binnen eines Jahres ans Netz zu bringen. Ein Trick ist, frühzeitig eine ausreichende Menge elektrischer Komponenten zu kaufen. So konnte man Vorräte anlegen, bevor Handelsbarrieren errichtet worden sind.

Insgesamt machen die elektrischen Komponenten weniger als zehn Prozent der Kosten eines Rechenzentrums aus. Ohne diese Bauteile lässt es sich aber nicht in Betrieb nehmen. „Wenn sich ein Teil der Lieferkette verzögert, kann das komplette Projekt nicht fertiggestellt werden“, sagt Andrew Likens, Crusoes Direktor für Energie und Infrastruktur. Momentan sei es daher ein „ziemlich wildes Puzzle“.

Um ausreichend elektrische Komponenten auf Lager zu haben, hat Crusoe die Vorbestellungen deutlich erhöht. Nun kauft man schon Teile, obwohl noch nicht mal klar ist, ob es dafür einen Auftrag gibt. Riskanter, für Crusoe hat es sich aber als erfolgreiche Strategie erwiesen.

Auch bei den elektrischen Komponenten kommt es also zu Marktdynamiken, die vergleichbar sind mit der Speicherkrise.

Durch den Iran-Krieg erhöhte Strompreise verschärfen die Krise

Crusoe stand zuletzt aber auch im Fokus verzögerter und umgeplanter Projekte. Berichte kursierten, wonach ein Ausbauvorhaben von OpenAI und Oracle in Texas, das Crusoe im Rahmen von Stargate umsetzt, nicht wie geplant läuft. Die Beteiligten bezeichneten den Bloomberg-Bericht von Anfang März aber als falsch und irreführend.

Dass sich der Energiebereich immer mehr zum Flaschenhals entwickelt, war jedoch absehbar. Microsofts CEO Satya Nadella erklärte etwa im Januar, Chips seien nicht das Kernproblem. Herausfordernd wäre es, ausreichend Energie für neue Rechenzentren bereitzustellen.

Die KI-Investitionen sollen in diesem Jahr ein Rekordniveau erreichen. Allein die vier Big-Tech-Konzerne Amazon, Microsoft, Google und Meta haben Capex-Ausgaben in Höhe von rund 650 Milliarden US-Dollar angekündigt.

Neben den Engpässen bei technischen Komponenten ist aber der aufgrund des Iran-Kriegs steigende Strompreis ein weiteres Hemmnis. Angesichts der erwarteten Wachstumsschwäche gehen erste Analysten laut einem Bericht von Reuters davon aus, dass die Big-Tech-Konzerne die Höhe der Investitionen im Verlauf des Jahres noch zusammenstreichen werden.