Battlefield 2042 im Test: Was ist denn hier los?

Wolfgang Andermahr (+1)
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Battlefield 2042 im Test: Was ist denn hier los?

Battlefield 2042 kann ab morgen von allen Käufern gespielt werden. Wie dieser Test zeigt, erwartet Spieler dabei durchaus eine Überraschung: Der Titel ist entgegen der Serientradition kein Grafik-Meilenstein und voller (Grafik)Fehler. Einen schnellen Gaming-PC braucht es trotzdem. Das Gameplay zeigt hingegen Potential.

All in Multiplayer-Modus

Ziemlich genau 3 Jahre nach Battlefield V (Technik-Test) machen Spieler Ende 2021 in Battlefield 2042 (BF2042) das Schlachtfeld unsicher. EA-Play-Pro-Abonnenten oder Käufern der Gold- sowie Ultimate-Edition spielen das Spiel bereits seit dem 12. November, alle anderen Kunden sind ab dem 19. November, also dem morgigen Freitag mit von der Partie.

Anders als die Vorgänger bringt Battlefield 2042 keine (kurze) Einzelspieler-Kampagne mehr mit sich, sondern konzentriert sich einzig und allein auf den Mehrspieler-Part. Auch wenn das Spiel nicht alleine für die aktuelle Konsolengeneration erscheint und damit auch noch auf der alten Garde lauffähig sein muss, geht DICE dabei einen neuen Weg: Anstatt der bis jetzt üblichen 64 Spieler pro Karte können sich gleich 128 Spieler um die Punkte streiten. Doch das bringt auch Nachteile mit sich.

Enttäuschende Grafik mit hohen Anforderungen

Keine Frage, im Multiplayer-Modus ist die Grafik sicherlich nicht von primärer Bedeutung, aber traditionell haben die Battlefield-Teile auch im Multiplayer immer viel fürs Auge geboten. Battlefield V war anno dazumal gar der erster Titel mit Raytracing-Unterstützung. Gebraucht hat das im Multiplayer niemand, aber DICE wollte zeigen, was geht.

Kurz gesagt: Das tut Battlefield 2042 nicht mehr. Auch auf dem PC nicht. Battlefield 2042 ist einfach kein optisch schönes Spiel geworden. Zwar hat die Grafik auch ihre starken Momente, meistens sieht das Spiel aber einfach nicht aus wie ein AAA-Titel einer Serie, die technisch fast immer Maßstäbe gesetzt hat. Die Frage „Was ist denn hier los?“ stand im Test mehrmals unausgesprochen im Raum.

Aggressives LOD und eingefrorene Gegner

So ist das LOD-System zum Beispiel fast schon lächerlich. Bereits auf mittlerer Entfernung tauchen Objekte aus dem Nichts gut sichtbar vor dem Spieler auf und in kurzer Entfernung ändern sich ganz gerne mal die Detailstufe. Auf den großen Karten fällt das quasi durchweg auf – in UHD. in niedrigeren Auflösungen ist das Problem entsprechend größer. Im Resultat ist die große Wiese dann schnell nur eine einzige, grüne, flache Oberfläche – wie in einem 10 oder gar 15 Jahre alten Spiel.

Der Tiefpunkt im Test waren hingegen über das Spielfeld schwebende Spielerfiguren, denn bei größerer Entfernung zeigt das Spiel einfach keine Bewegungsanimationen mehr. Und große Entfernungen sind in Battlefield bekanntlich keine Seltenheit. Immerhin hat man häufiger etwas zu Lachen.

Auch nicht viel besser ist die Detaildichte einiger Objekte, sie tendiert von Zeiten gegen Null. Da stehen zig moderne Hochhäuser vor einem, die nur aus einer grauen, detailarmen Oberfläche bestehen. Und genau so etwas gibt es in Battlefield 2042 bei diversen Objekten auf eigentlich allen Karten. Viele Objekte zeigen fast gar keine Details, so als wären sie einfach nicht fertig geworden.

Es gibt auch schöne Momente

Dabei gibt es auch schöne Momente in Battlefield 2042. Wenn der Wirbelsturm vor einem sein Unwesen treibt oder im dichten Schlachtgetümmel zig Fahrzeuge wie wild um sich schießen, erzeugt das schon eine dichte Atmosphäre. Bis man dann eben wieder vor dem nächsten „einfarbigen“ Objekt steht.

Muss Battlefield 2042 als reines Multiplayer-Spiel denn überhaupt gut aussehen, hohe FPS reichen doch? Davon abgesehen, dass ein Spiel auch beides tun kann (insbesondere Spiele von DICE), läuft der First-Person-Shooter nur leider auch nicht gut, wie die Benchmarks später zeigen werden. Und die Kombination aus nicht gut aussehen und trotzdem hohe Anforderungen an die Hardware stellen ist eines Battlefields und der hauseigenen Frostbite-Engine einfach nicht würdig.

Raytracing und DLSS sind mit von der Partie

An der unterdurchschnittlichen Grafik ändert auch Raytracing nichts, das bei dem DirectX-12-exklusiven Spiel erneut mit von der Partie ist. Anders als beim Vorgänger wird die Technologie aber nicht bei den Reflexionen angewendet, sondern bei der Umgebungsverdeckung. Darüber hinaus wird auch Nvidias KI-Upsampling DLSS unterstützt. Wie gut beide Technologien funktionieren, wird in den folgenden Abschnitten aufgeklärt. Zu guter Letzt wird auch Nvidia Reflex (Test) zur Reduzierung des Input-Lags unterstützt.

Einfaches Grafikmenü ohne viel Komfort

Battlefield 2042 besitzt auf dem PC ein überschaubares Grafikmenü, viel Komfort bietet es nicht. Es gibt umfangreiche Einzeloptionen, aber zum Beispiel selbst einen simpler FPS-Limiter sucht man vergebens. Neben Grafik-Presets bietet das Spiel eine Funktion für eine dynamische Auflösung, deren Funktionsweise aber kryptisch ist und bleibt. Das war es. Beispiel-Screenshots, sinnvolle Beschreibungen, eine VRAM-Auslastungsanzeige oder einen integrierten Benchmark gibt es nicht.

4 Grafik-Presets mit gut sichtbaren Unterschieden

Battlefield 2042 bietet mit „Niedrig“, „Mittel“, „Hoch“ und „Ultra“ 4 verschiedene Grafik-Presets, wobei auch bei Ultra die Umgebungsverdeckung noch um eine weitere Stufe erhöht werden kann. Raytracing wird von den Presets gänzlich ignoriert.

Wer von den maximalen Details (abseits von Raytracing) auf das Ultra-Preset zurückschalten muss, verzichtet nicht auf viel Grafik. Die hübschere Umgebungsverdeckung macht sich zwar in der Vegetation und bei einigen Objekten positiv bemerkbar, insgesamt ist der Unterschied jedoch klein. Die Grafik-Presets an sich haben dagegen einen deutlich größeren Eindruck auf die Qualität.

Auch das Hoch-Preset sieht auf Screenshots erst einmal gar nicht so viel schlechter als Ultra aus: Es gibt weniger Vegetation, die Schatten zeigen weniger Details und die Sichtweite wird reduziert. Doch das eigentliche Problem ist nur in Bewegung zu sehen. Das ohnehin schon sehr aggressiv arbeitende LOD ist dann nochmals deutlich aggressiver und die Spielwelt ploppt dem Spieler in Bewegung wortwörtlich nur so ins Bild. Das Mittel-Preset dreht noch etwas mehr an denselben Stellschrauben und mit der Einstellung Niedrig ist Battlefield 2042 dann schon regelhaft hässlich. Niedriger als Hoch sollte die Grafik wirklich nur bei akuten Leistungsproblemen gedreht werden, oder wenn mehr FPS über allem steht.

Große FPS-Steigerungen sind nicht möglich

Das Tuning-Potenzial in Battlefield 2042 ist trotz der optischen Unterschiede über Presets recht gering. Wer auf die maximale Grafik verzichtet und das Ultra-Preset nutzt, erhält mit einer GeForce RTX 3080 4 Prozent mehr FPS, auf einer Radeon RX 6800 XT sind es 9 Prozent. Das Hoch-Preset bringt dann einen weiteren Schub von 17 beziehungsweise 13 Prozent, was aber nur in den seltensten Fällen den Unterschied zwischen spielbar und nicht spielbar ausmachen wird. Mit dem Mittel-Preset gibt es dann nochmal einen Leistungsschub von 14 Prozent auf der Nvidia- und von 20 Prozent auf der AMD-Grafikkarte. Gegenüber dem Ultra-Preset liegt der Geschwindigkeitsschub damit nur bei recht geringen 35 Prozent.

Grafik-Presets im Vergleich – 3.840 × 2.160
  • AMD Radeon RX 6800 XT:
    • Niedrig-Preset
      128,5
    • Mittel-Preset
      99,2
    • Hoch-Preset
      82,4
    • Ultra-Preset
      72,7
    • Maximale Details
      66,9
  • Nvidia GeForce RTX 3080:
    • Niedrig-Preset
      106,6
    • Mittel-Preset
      89,2
    • Hoch-Preset
      78,2
    • Ultra-Preset
      66,6
    • Maximale Details
      63,8
Einheit: Bilder pro Sekunde (FPS)