Das leisten alte Netzteile: 16 Netzteile unserer Leser im Test 3/6

Philip Pfab 201 Kommentare

Altern in der Praxis

Die Kandidaten

Mit der Serie Straight Power schuf be quiet! im August 2006 eine eigenständige Mittelklasseserie. Dank guter Ausstattung, integrierter Lüftersteuerung für Gehäuselüfter, für damalige Verhältnisse hoher Effizienz und leiser Kühlung war die Auftaktserie „E5“ in Deutschland weit verbreitet, weswegen wir es als 500-Watt-Modell für unseren Test ausgewählt haben.

Mit dem be quiet! Dark Power P7 550 Watt testen wir darüber hinaus einen Vertreter der auf geringes Betriebsgeräusch optimierten High-End-Netzteile. Anfang 2008 konnte das Dark Power P7 vor allem die verwöhnten Ohren deutscher Kunden überzeugen.

Das Enermax Liberty ist mit einer Veröffentlichung im Oktober 2005 der Senior dieses Praxistests. Mit seiner für damalige Verhältnisse hohen Effizienz und guten Messwerten konnte es viele Enthusiasten überzeugen. Der Käufer erhielt ein High-End-Netzteil samt damals neuem (teil-)modularen Kabelmanagement. Mit 384 Watt Leistung auf der +12-Volt-Schiene entspricht die heute nutzbare Leistung eher einem 420-Watt-Netzteil.

Corsairs Serien VH und HX markierten den Einstieg des Unternehmens in die Netzteilbranche. Das VX 450 wurde mit 80Plus-Standard-Zertifizierung und fünf Jahren Garantie Ende 2007 vorgestellt und bis Ende 2008 gefertigt. Mit einem damaligen Kaufpreis von etwa 55 Euro war es der Mittelklasse zuzuordnen und erfreute sich auch in Deutschland großer Beliebtheit. Aufgrund der weiten Verbreitung haben wir es als Vertreter der etwas neueren Klassiker ausgewählt.

Kandidat Erschienen Leistung dv. 12 Volt Zertifikat Design Lüfter Preis bei Einführung
Enermax Liberty 2005 500 384 - Multi-Rail 120 85 Euro
Be quiet! Straight Power E5 2006 500 408 80Plus Multi-Rail 120 85 Euro
Be quiet! Dark Power Pro P7 2007 550 525 - Multi-Rail 120 100 Euro
Corsair VX 2007 450 396 80Plus Single-Rail 120 55 Euro
Leistung in Watt, Lüfter in Millimeter
Die sechzehn Testmuster in Reih' und Glied
Die sechzehn Testmuster in Reih' und Glied

Auf die Auswahl noch älterer Geräte wie Enermax Noisetaker oder Topower P4/P5 (oder auch be quiet! Blackline P4/P5, be quiet! Colorline, Tagan-01-Serie, TSP Top-P4-Serie) haben wir verzichtet, da die Geräte in Sachen Aufbau und Anschlüssen aktuellen Rechnern definitiv nicht mehr gewachsen sind.

Ein defekter Ausreißer

Bevor es an die Analyse der Messwerte aller Testkandidaten geht, gilt es ein besonderes auffälliges Exemplar zu begutachten: ein be quiet! Straight Power E5 versagt bei der Glättung der erzeugten Spannungen, wir messen extrem hohe Restwelligkeit. Je nach gewähltem Lastszenario überschreiten die Messwerte sogar den von uns ausgewählten Messbereich von 2.000 mV. Zudem können wir nicht ausschließen, dass es sich hier nicht um Ripple & Noise im engeren Sinne handelt, sondern die Spannung allgemein instabil ist. Wie hoch die Restwelligkeit damit schlimmstenfalls ausfällt, können wir daher nicht sagen – für das Ergebnis tut dies jedoch nichts zur Sache. Eine derart hohe Restwelligkeit sorgt für Systemabstürze und kann Hardware dauerhaft beschädigen.

Nach dem Aufschrauben zeigt sich eine Ursache für diese Problematik: Mehrere Elektrolytkondensatoren der Sekundärseite sind nicht mehr funktionstüchtig. Wir erkennen auf den ersten Blick drei ausgelaufene sowie einen aufgeblähten Elko – klare Anzeichen für eine unzureichende Funktion. Die Kapazität der betroffenen Kondensatoren ist zu niedrig, um den Wechselstromanteil effektiv zu filtern. Dass daneben auch die Leistungsfaktorkorrektur Probleme macht und temporär ausfällt, sei der Vollständigkeit halber erwähnt.

Ausgelaufener Kondensator
Ausgelaufener Kondensator

Wir stellen daher fest: Sind aufgeblähte oder ausgelaufene Elkos zu erkennen, ist die Wahrscheinlichkeit für problematische Spannungen stark erhöht. Andererseits ist diese Erkenntnis nur begrenzt hilfreich: Da das Aufschrauben von Netzteilen potentiell lebensgefährlich ist, können wir eine Sichtprüfung nicht empfehlen. Übrigens: Staub scheint in diesem Fall nicht Teil der Ursache zu sein, zumindest bemerken wir keine nennenswerte Staubablagerung.

Für die detaillierte Auswertung der Messwerte lassen wir dieses Exemplar daher unberücksichtigt und stellen lediglich fest, dass es nicht mehr geeignet ist, einen Rechner zu versorgen. Obwohl es genau das bis zu unserem Test im Rechner des Besitzers noch getan hat.

Auf der nächsten Seite: Messungen