The Division im Test : Technisch gut, emotional unterkühlt

, 162 Kommentare
The Division im Test: Technisch gut, emotional unterkühlt
Bild: Ubisoft

Terroristen bringen einen tödlichen Virus über Dollar-Scheine in Umlauf, New York als „Ground Zero“ wird erst entvölkert und unter Quarantäne gestellt, um dann in Anarchie zu verfallen. Die USA retten darf „The Division“, eine Undercover-Eliteeinheit – und damit einmal mehr der Spieler, der sich in Ubisofts MMO zu diesem Zweck in einer akribisch nachgebauten Version von Manhattan frei bewegen darf. Dieses einzigartige Szenario, ein frischer Mix aus Rollenspiel- und Actionelementen sowie ein neuer PvP-Modus, der sich im Survival-Genre bedient, haben The Division potentiellen Hitstatus eingebracht. Das fertige Spiel zeigt jedoch: Es will zu sehr nur funktionieren und kann auf emotionaler Ebene nicht für seine Welt begeistern.

Systemanforderungen

Die Snowdrop-Engine von The Division bringt mühelos Next-Gen-Optik auf den Bildschirm, entwickelt mit den dafür nötigen, höchsten Detaileinstellungen aber einen ordentlichen Appetit auf GPU-Leistung – hier kann es nicht schnell genug sein, wie der separate Benchmark-Artikel aufzeigt. Im Gegenzug reicht bereits ein Prozessor mit vier Threads wie Intels Core-i3, um 60 Bilder pro Sekunde auf den Bildschirm zu bringen und selbst eine High-End-Grafikkarte ausreichend schnell mit Daten zu versorgen.

Offizielle Systemanforderungen für The Division
Testsystem Empfohlen
Betriebssystem Windows 10 (64-Bit) Windows 7 oder neuer (64 Bit)
Prozessor Intel Core i7-4790k Intel Core i7-3770
AMD FX-8350
Arbeitsspeicher 16 GB RAM 8 GB RAM
Grafikkarte Nvidia GeForce GTX 980 Ti AMD Radeon R9 290
Nvidia GeForce GTX 970
HDD 40 GB
Internetanbindung permanent

Walking in Sunshine

Die ersten Minuten von The Division erinnern weniger an ein Spiel und stärker an einen schönen Spaziergang im Sonnenschein. Die Szenerie stimmt, die Atmosphäre ist hervorragend – und dann passiert für eine zu lange Zeit einfach nichts. Zumindest die erste halbe Stunde müssen sich Spieler nach einer viel zu oberflächlichen Charaktererstellung mit zu wenigen Optionen irgendwie bei der Stange halten.

In dieser Zeit versucht The Division, seine Mechaniken zu zeigen und gewährt einen ersten Eindruck in seine Strukturen, die kaum einer Schokoladenseite entsprechen. Drei quasi identische, generische Nebenmissionen, in denen der Anteil an Laufwegen den Anteil am „Shootern“ weiter übersteigt sind kein Aushängeschild für ein Spiel, sondern trockene Fleißarbeit, die ihre Funktion nicht verstecken kann – ein schöner Querschnitt sowohl des Missiondesigns als auch weiterer Teile des Spiels. Wie plakativ das MMO schon hier blank zieht, demonstrieren schließlich die Gegner: Gleich aussehender Hoodie-Gangster stellen die absolute Bevölkerungsmehrheit in einem postapokalyptischen New York.

Eine hübsche tote Stadt

Besser in Fahrt kommt The Division erst, nachdem endlich die Operationsbasis freigeschaltet wurde. Mit dem Freischalten des Hauptquartiers wird die Karte erstmals richtig gefüllt: Haupt- und Nebenaufgaben sowie zahlreiche zufällige „Events“ vermeiden Leerlauf, weil auf dem Marsch zum Startpunkt einer Aufgabe zumeist ein kleiner Inhalts-Happen am Wegesrand wartet. Blöd ist allerdings, dass diese Happen immer nach dem selben Schema funktionieren: Gangster umlegen, möglicherweise zwei Minuten lang eine Kiste verteidigen, Geiseln befreien oder einen kugelfressenden Obermotz ins Jenseits befördern, Loot einsacken. Das spielt sich oft so monoton, wie es sich schreibt.

Ein Grund lässt sich in der Diskrepanz zwischen der außergewöhnlich hübschen Spielwelt und ihrer inhaltlichen Ausgestaltung ausmachen. Manhattan nach einer Virusattacke – das ist bedrückend, atmosphärisch und bringt mit der Snowdrop-Engine eine Gänsehaut hervor. Die aber legt sich zu schnell, weil The Division keine Geschichten erzählen kann, die die Welt mit Leben füllen würden. So herrscht tatsächlich Totenstille in der Stadt, worüber ein paar Echo-Aufzeichnungen und Telefonmitschnitte nicht hinwegtrösten.

Story? Murks!

Das große Ganze, ein Antagonist, starke Charaktere, deren Namen man sich merken möchte, oder eine emotional fesselnde Story mit einer Prise Dramatik sind also nichts was The Division kennen würde. New York zu durchlaufen, durch menschenleere Zentren der Zivilisation zu navigieren entfaltet nur kurzzeitig einen ungeheuren Reiz, danach ist Stadt einfach nur Kulisse – eine hübsche Kulisse, aber doch zu sichtbar nur aus Pappmaché. In der offenen Welt fehlt es zudem an wirklich interessanten Dingen, die der Entdeckung harren. So kollidiert der Realismus der Darstellung brutal mit der Künstlichkeit eines Spiels, das einfach nicht organisch sein will und an keiner Stelle wirklich in seine Welt ziehen kann.

So sehr die Atmosphäre einer in Anarchie versunkenen Stadt eingefangen wird, so wenig Substanz steckt dahinter. Hintergründe über Gangs und ihre Anführer? Gibt es nicht, die Hitman-Nebenmission funktionieren immer nach dem gleichen Muster, bei dem nur der Hinterhof wechselt: Ersten Unterchef töten, zweiten Unterchef töten, Oberchef töten, Beute kassieren, klar separiert in drei Arealen. Schon nach knapp zwei Stunden stellen sich Ermüdungserscheinungen ein, die auf eine Event-Benachrichtigung am Straßenrand ein entsetztes „nicht schon wieder“ in den Kopf schießen lässt – selbst für ein MMO schmeckt The Division zu früh nach Arbeit.

Auf der nächsten Seite: Gesunde Gameplay-Mechanik