Plextor M8Pe im Test: High-Speed-M.2-SSD mit Kühler zum Kampfpreis 6/7

Michael Günsch 91 Kommentare

Temperaturen

Der obligatorische Screenshot mit dem Ergebnis des HD Tach Full Bench könnte auf den ersten Blick vermuten lassen, dass die Plextor M8PeG über einen SLC-Cache verfügt. Nach rund 60 GByte geschriebenen Daten sinkt die Schreibrate unmittelbar ab, ganz ähnlich wie es bei SSDs mit einem solchen Zwischenspeicher zu beobachten ist. Doch die M8PeG besitzt einen solchen Cache nicht, die Ursache für den plötzlichen Leistungseinbruch ist vielmehr temperaturbedingt.

Plextor M8PeG 512GB im HD Tach (Full Bench)
Plextor M8PeG 512GB im HD Tach (Full Bench)

2-Stufen-Drosselung gegen Hitze

Ein ganz ähnlicher Verlauf ließ sich nämlich bei der genaueren Untersuchung der Temperaturen erzeugen. Nach etwa 90 Sekunden in dem fünfminütigen Dauerschreibtest erreichte die M8PeG eine Temperaturschwelle: Bei 73 °C greift die erste Stufe der Leistungsdrosselung gegen Überhitzung. Die Schreibrate reduziert sich und schwankt zwischen etwa 700 bis 950 MB/s. Dieses Niveau ist für die nächsten 90 Sekunden zu beobachten, in denen sich die SSD gemächlicher, aber weiterhin aufheizt. Wird eine Temperatur von 78°C erreicht, greift die zweite Stufe der Drosselung, die weitaus radikaler agiert: Die Schreibrate wird kurzzeitig rapide auf unter 100 MB/s reduziert. Dies genügt, um die Temperatur leicht absinken zu lassen, sodass wieder das Niveau der ersten Stufe erzielt wird. Im weiteren Verlauf wiederholt sich das Spiel.

M8PeG: Mit Kühler, ohne Lüfter
M8PeG: Mit Kühler, ohne Lüfter
M8PeG: Ohne Kühler, ohne Lüfter
M8PeG: Ohne Kühler, ohne Lüfter
Bedingungen max. Temperatur Leistung (Schreiben) Zeit/Daten
bis Drosselung
M8PeG mit Plextor-Kühler
offenes System, ohne Lüfter
78 °C gedrosselt ~ 90 sek./~ 95 GB
M8PeG ohne Plextor-Kühler
offenes System, ohne Lüfter
78 °C gedrosselt ~ 70 sek./~ 74 GB

Die Plextor M8PeG besitzt als einzige SSD ihrer Art einen Kühler. Das dünne Aluminiumblech mit Wärmeleitpad ist allerdings nicht ausreichend, um eine Drosselung im Testbetrieb ohne aktive Belüftung zu verhindern. Zumindest kann der Kühler aber den Zeitpunkt der Drosselung hinauszögern, wie Messungen mit und ohne Kühler demonstrieren. Ohne den Kühler erreicht die SSD das Temperaturlimit bereits nach 70 statt nach 90 Sekunden. Die anhand der starken Einbrüche im Diagramm gut erkennbare zweite Stufe der Drosselung tritt im Testzeitraum zudem fünf statt nur viermal auf. Folglich bietet der Kühler durchaus einen Vorteil.

M8PeG: Mit Kühler, mit Lüfter
M8PeG: Mit Kühler, mit Lüfter
M8PeG: Ohne Kühler, mit Lüfter
M8PeG: Ohne Kühler, mit Lüfter

In einem weiteren Szenario hat ComputerBase mit Hilfe eines vorgeschalteten Lüfters einen leichten Luftstrom erzeugt, wie er in einem gut belüfteten Gehäuse über die Frontlüfter erreicht wird. Der Luftstrom genügt, um eine Drosselung im 5-Minuten-Test zu verhindern, indem die Abwärme abtransportiert wird. Der Kühler erweist sich aber auch als Isolator, denn der gleiche Test ohne den Kühler liefert insgesamt niedrigere Temperaturen.

Auch die M.2-Konkurrenz kämpft mit der Temperatur

Die Plextor M8PeG ist nicht die einzige M.2-SSD mit Leistungsdrosselung durch hohe Temperaturen. Auch Samsungs SM951 und 950 Pro sowie Toshibas OCZ RD400 (ohne Adapter) können die volle Leistung nicht auf Dauer liefern, wenn keine aktive Belüftung vorliegt.

Für den Alltagseinsatz spielt dies oft keine Rolle, denn bis zum Eintreten der Drosselung müssen große Datenmengen am Stück übertragen werden. Die Normalnutzung ist durch kurze und kleine Transfers mit vielen Erholungsphasen geprägt. Power-User mit Dauerlast-Szenarien sollten der Kühlung aber besonderes Augenmerk schenken oder gleich zu PCIe-Steckkarten mit großem Kühlkörper greifen.

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