3/5 iPhone 7 & iPhone 7 Plus im Test : Verblüffender Home-Button, farblose Fotos

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Mit A10 Fusion an die Spitze

Apples Chip-Designer stellen seit dem A7-SoC des iPhone 5s mit jedem Jahr neue Leistungsrekorde auf. Andere Hersteller mögen mehr Kerne haben und in den passenden synthetischen Benchmarks die höheren Werte erreichen, Apples Single-Core-Leistung des A9 aus dem iPhone 6s kann aber selbst nach einem Jahr auf dem Markt kein Qualcomm Kryo, ARM Cortex-A72 oder Samsung Exynos M1 erreichen.

2 × 2 CPU-Kerne

Mit dem neuen A10 Fusion schlägt Apple einen etwas anderen Weg ein als bisher üblich für das Unternehmen, allein der neue Name des SoCs zeigt das schon. Statt das System-on-a-Chip einfach nur A10 zu nennen, steht dahinter das nicht unwichtige Wort „Fusion“. Der A10 Fusion ist Apples erster ARMv8-A-Prozessor mit vier Kernen, jedoch nicht der erste mit mehr als zwei. Der A8X aus dem iPad Air 2 war mit seinen drei Typhoon-Kernen ein Exot in einem von Dual-Core-Chips geprägten Sortiment.

Neuer Apple A10 Fusion
Neuer Apple A10 Fusion (Bild: Apple)

Im A10 Fusion stecken aber nicht einfach nur vier gleiche Kerne, sondern zwei High-Performance-Kerne mit bis zu 2,34 GHz (+ 490 MHz gegenüber A9) und zwei High-Efficiency-Kerne mit wahrscheinlich bis zu 1,05 GHz – iOS 10 zeigt diesen Wert im Energiesparmodus an. Der Chip kommt auf 3,3 Milliarden Transistoren, während es beim A9 noch über 2 Milliarden Transistoren waren. Man könnte beim A10 Fusion von Apples erstem Chip mit big.LITTLE-Design sprechen, wenngleich dieser von ARM geprägte Begriff kein einziges Mal während der Keynote zum iPhone 7 gefallen war.

Entweder sehr schnell oder sparsam

Dabei sollen alle vier Kerne im Form von Heterogeneous Multi-processing (Global task scheduling) gleichzeitig vom System verwendet werden können, auch wenn sich Apple hierzu weitgehend bedeckt hält. Wenn beispielsweise die beiden schnellen Kerne in einem Spiel gefordert werden, können die beiden langsameren Kerne noch für Hintergrundaufgaben wie das Abrufen von E-Mails eingesetzt werden. Ein von Apple in Eigenregie entwickelter Controller übernimmt die Zuweisung an die einzelnen Kerne.

Die zwei High-Performance-Kerne des A10 Fusion sollen eine 40 Prozent höhere Leistung abliefern als die zwei Twister-CPU-Kerne im A9. Wie die High-Performance-Kerne des A10 Fusion heißen, ist noch nicht bekannt, wahrscheinlich ist wieder die Benennung nach einem Sturm. Bei niedrigen Anforderungen komm die beiden High-Efficiency-Kerne zum Einsatz, die laut Apple ein Fünftel der Energie der schnellen Kerne benötigen.

Im A10 Fusion steckt darüber hinaus wieder eine Grafikeinheit mit Hexa-Cluster-Aufbau, so wie die PowerVR GT7600 im A9 des iPhone 6s. Laut Apple ist die Leistung gegenüber dem A9 um 50 Prozent gestiegen, während nur noch zwei Drittel des Energieverbrauchs zu verzeichnen sind. Auch die Grafikeinheit ist noch eine Unbekannte, da Apple allerdings offen von einem Hexa-Cluster-Aufbau spricht, kommen nur wenige Varianten infrage – Spielraum für Spekulation ist dennoch.

Imagination Technologies GT7600 Plus?

Eine PowerVR GT7600 mit einfach nur deutlich höherem Takt ist eine mögliche Variante, aber kaum mit 50 Prozent mehr Leistung bei 30 Prozent weniger Energieverbrauch umzusetzen. Verbaut sein könnte auch der Anfang des Jahres vorgestellte Nachfolger GT7600 Plus. Auch ein noch völlig unbekanntes Modell auf Basis der Series8 von Imagination Technologies könnte zum Einsatz kommen, wobei hier offiziell erst die kleinen Einsteiger-GPUs Series8XE vorgestellt wurden. Apple ist jedoch bekannt dafür, Custom-Lösungen von Imagination Technologies entwickeln zu lassen.

Die Benchmarks sind eindeutig

Wie die Benchmark-Ergebnisse verdeutlichen, hat die Leistung teils deutlich zugelegt. Mitunter liegen iPhone 7 und iPhone 7 Plus mehr als 60 Prozent vor iPhone 6s und iPhone 6s Plus. In allen Benchmarks liegt das iPhone 7 unangefochten an der Spitze des Testfeldes. Auch bei der Multi-Core-Leistung muss sich das iPhone nicht mehr verstecken und liegt nun vor dem Qualcomm Snapdragon 820. Im Alltag hat man zu keiner Zeit den Eindruck, dass dem iPhone 7 Leistung fehlt. Das System reagiert durchweg sehr schnell und zeigt keine wahrnehmbaren Verzögerungen.

2 oder 3 Gigabyte Arbeitsspeicher

Beim Arbeitsspeicher unterscheidet Apple zwischen iPhone 7 und iPhone 7 Plus. Im kleinen Smartphone stecken wie im letzten Jahr 2 GByte RAM, während das Plus dieses Mal 3 GByte RAM zu bieten hat. Diese Unterscheidung ist aller Wahrscheinlichkeit nach auf die Dual-Kamera zurückzuführen, die einen größeren Zwischenspeicher benötigt.

Dem iPhone 7 wird schnell zu warm

Wie üblich hat ComputerBase auch getestet, wie sich die wiederholte Durchführung eines Benchmarks und somit eine erhöhte Hitzeentwicklung auf die Ergebnisse auswirken. Zu diesem Zweck wurde der GFXBench Manhattan OpenGL ES 3.0 20 Mal hintereinander durchlaufen.

Auch hier ist das Ergebnis eindeutig: Kein anderes iPhone verlor bisher schon beim zweiten Durchlauf an Leistung und war so von der Umgebungstemperatur abhängig wie das iPhone 7. Allerdings stellt sich nicht ganz so schnell wie beim iPhone 6s Plus ein festes Ergebnis ein, sondern diese schwanken etwas stärker.

Schlussendlich verliert das iPhone 7 Plus jedoch bei einer Raumtemperatur von 22° C bis zu 34,9 % an Leistung, beim iPhone 7 sind es unter identischen Bedingungen nahezu identisch bis zu 32,3 %. Das Gehäuse wird dabei zwar warm, aber nicht unangenehm heiß.

FPS-Entwicklung GFXBench Manhattan OpenGL ES 3.0 bei Dauerbelastung
iPhone 7 iPhone 7 Plus iPhone SE iPhone 6s Plus Galaxy S7
Durchgang FPS Delta
1. Durchgang
FPS Delta
1. Durchgang
FPS Delta
1. Durchgang
FPS Delta
1. Durchgang
FPS Delta
1. Durchgang
1 62 – 0,0 % 63 – 0,0 % 40 – 0,0 % 39 – 0,0 % 40 – 0,0 %
2 60 – 3,2 % 60 – 4,8 % 40 – 0,0 % 39 – 0,0 % 40 – 0,0 %
3 52 – 16,1 % 56 – 11,1 % 40 – 0,0 % 39 – 0,0 % 40 – 0,0 %
4 48 – 22,6 % 41 – 34,9 % 40 – 0,0 % 39 – 0,0 % 40 – 0,0 %
5 47 – 24,2 % 47 – 25,4 % 38 – 5,0 % 38 – 2,6 % 39 – 2,5 %
6 42 – 32,3 % 41 – 34,9 % 34 – 15,0 % 36 – 7,7 % 39 – 2,5 %
7 45 – 27,4 % 48 – 23,8 % 34 – 15,0 % 33 – 15,4 % 38 – 5,0 %
8 42 – 32,3 % 44 – 30,2 % 31 – 22,5 % 32 – 17,9 % 38 – 5,0 %
9 46 – 25,8 % 44 – 30,2 % 25 – 37,5 % 32 – 17,9 % 38 – 5,0 %
10 44 – 29,0 % 49 – 22,2 % 26 – 35,0 % 32 – 17,9 % 37 – 7,5 %
11 46 – 25,8 % 42 – 33,3 % 23 – 42,5 % 32 – 17,9 % 37 – 7,5 %
12 46 – 25,8 % 42 – 33,3 % 23 – 42,5 % 32 – 17,9 % 32 – 20,0 %
13 47 – 24,2 % 42 – 33,3 % 22 – 45,0 % 32 – 17,9 % 37 – 7,5 %
14 47 – 24,2 % 48 – 23,8 % 22 – 45,0 % 32 – 17,9 % 36 – 10,0 %
15 46 – 25,8 % 41 – 34,9 % 22 – 45,0 % 32 – 17,9 % 34 – 15,0 %
16 47 – 24,2 % 41 – 34,9 % 21 – 47,5 % 32 – 17,9 % 36 – 10,0 %
17 46 – 25,8 % 41 – 34,9 % 22 – 45,0 % 32 – 17,9 % 19 – 52,5 %
18 46 – 25,8 % 42 – 33,3 % 22 – 45,0 % 32 – 17,9 % 26 – 35,0 %
19 44 – 29,0 % 41 – 34,9 % 22 – 45,0 % 32 – 17,9 % 24 – 40,0 %
20 46 – 25,8 % 41 – 34,9 % 22 – 45,0 % 32 – 17,9 % 27 – 32,5 %

Dass die Raumtemperatur einen großen Einfluss hat, zeigt ein zweiter Test bei einer Raumtemperatur von 29° C. In diesem Fall fällt das iPhone 7 schon beim zweiten Testdurchlauf auf 41 FPS, im weiteren Verlauf reduziert sich dieses Ergebnis aber nur noch geringfügig auf 39 FPS. Ein Minus von 39 Prozent und von immerhin 34 Prozent direkt beim zweiten Durchlauf.

Die vom A10 Fusion erzielte Maximalleistung ist somit nur auf kurze Rechenoperationen ausgelegt, unter Dauerlast verliert das iPhone 7 schnell einige Leistung – ist aber selbst dann noch deutlich schneller als der Vorgänger.

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