MacBook Pro 13 Zoll im Test: Ohne Touch Bar, aber mit schneller 15-Watt-CPU 4/4

Jan-Frederik Timm 121 Kommentare

Die radikale Abkehr vom Altbekannten

Leistung, Verarbeitung und Display – die in der Regel so wichtigen Eigenschaften eines MacBook Pro treten in dieser Generation hinter andere Aspekte zurück. Sie alle sind darauf zurück zu führen, dass Apple Altbekanntes radikal hinter sich lässt. Das fängt bei den Anschlüssen an.

Thunderbolt 3 über USB Typ C ersetzt alles außer Klinke

MacBook Pro 2016 (Ohne Touch) MacBook Pro 2015
4 × Thunderbolt 3 (2 ×) über USB Typ C 2 × Thunderbolt 2 über Mini-DisplayPort
3,5 mm Klinke 3,5 mm Klinke
2 × USB 3.0 Typ A
HDMI
SD-Kartenleser
MagSafe 2

USB Typ C mit Thunderbolt 3 und Klinke sind die einzigen physischen Schnittstellen an den neuen MacBook Pro. Das ist grundsätzlich richtig: USB Typ C gehört die Zukunft und durch die Verwendung von Thunderbolt 3 vereint Apple hinter dem Stecker den größten gemeinsamen Protokoll-Nenner: USB 3.1, DisplayPort, Ethernet und PCI Express (sowie über Adapter HDMI) sind möglich. Darüber hinaus kann das MacBook Pro über jeden Stecker (wenn auch nicht simultan) mit 100 Watt geladen werden und gleichzeitig andere Geräte mit bis zu 15 Watt versorgen. Das Problem: Nicht einmal das aktuelle iPhone 7 lässt sich ohne Adapter an das neue MacBook Pro anschließen.

Thunderbolt 3 ersetzt USB, HDMI und auch den SD-Karten-Slot
Thunderbolt 3 ersetzt USB, HDMI und auch den SD-Karten-Slot

Apple hat schon oft die Weichen radikal auf Zukunft gestellt, doch im Gegensatz zum Verzicht auf ein optisches Laufwerk, der erfolgte, als die Realität vieler Anwender nur noch den Download oder USB-Sticks kannte, ist USB Typ C heute noch deutlich weniger verbreitet. USB ist heute zumeist noch gleichbedeutend mit USB Typ A und Monitore verfügen über DisplayPort oder HDMI – Adapter müssen her. Fotografen trifft das auch in Bezug auf den SD-Kartenslot sehr.

Ohne Adapter geht heute fast nichts

Im Test verlangt so schon das Einspielen eines Backups von der Time Machine nach einem Adapter Thunderbolt 3 auf Thunderbolt 2, um den alten Thunderbolt-2-auf-Ethernet-Adapter zu nutzen. Externe Monitore ließen sich im Testzeitraum mit Apples zur Verfügung gestelltem Equipment gar nicht anschließen: Apples Thunderbolt-3-auf-Thunderbolt-2-Adapter ist nämlich keine Hilfe: Denn der in Thunderbolt 2 enthaltene DisplayPort wird hier nicht weiter gereicht, obwohl Thunderbolt 3 ebenfalls DisplayPort bietet. Es braucht einen anderen Adapter.

Apple hat kurz nach Vorstellung der neuen MacBook Pro auf die Kritik an den hohen Preisen für die Adapter reagiert, bis zum 31. Dezember 2016 gibt es ausgewählte Produkte zu leicht gesenkten Preisen. Ein Überblick:

Adapter Preis
Thunderbolt 3 auf Lightning (Kabel, 1 m) 25 Euro
Thunderbolt 3 auf USB Typ A 9 Euro
Thunderbolt 3 auf Thunderbolt 2* 35 Euro
Thunderbolt 3 auf HDMI, USB Typ A, Laden 59 Euro
* Ohne DisplayPort

Auch Geschichte: MagSafe, das Kaltgerätekabel und der leuchtende Apfel

Auch an anderer Stelle war Apple radikal: Den zehn Jahre alten magnetischen aber proprietären Stromanschluss MagSafe hat Apple dem Standard USB Typ C geopfert, dem Netzteil das Kaltgerätekabel und dem leuchtenden Apfel das Licht genommen.

Auch geladen wird über den neuen Anschluss
Auch geladen wird über den neuen Anschluss

Der Verzicht auf MagSafe wiegt bei vielen Anwendern schwer, letztendlich sollte hier aber der Wechsel auf einen offenen Standard als positiv angesehen werden. Dass es keine Rückmeldung zum Status mehr gibt, weil die kleine LED wegfällt, hat Apple in Teilen in Software gelöst: Wird das Stromkabel angeschlossen, erscheint kurz der Akkuladestand auf der Mitte des Bildschirms – das geht aber nur, wenn das Notebook an ist.

Selbst am Ladekabel übt sich Apple in Verzicht

Im Alltag – ohne ersichtlichen Grund – nervig ist der Verzicht auf das ansonsten beigelegte Kaltgerätekabel: Der Abstand zur Steckdose schrumpft damit nicht nur auf zwei Meter Kabellänge, das Netzteil lässt sich auch nicht mehr überall dort einstecken, wo nur ein Stecker Platz gefunden hat. Beispiel: Im Boden versenkte Kabeldosen, deren Abdeckungen nicht mehr geschlossen werden können. Die Verlängerung kostet jetzt 25 Euro. Auch die praktischen Wickelhilfen am Netzteil gibt es nicht mehr.

Fazit

Was macht das MacBook Pro zum MacBook Pro? In der Vergangenheit waren es vielfältige Anschlüsse inklusive SD-Kartenleser und Prozessoren sowie Speichersysteme mit außergewöhnlich hoher Leistung: 28-Watt-CPUs in 13-Zoll-Notebooks gibt es quasi nur von Apple. Das um Touch Bar und Touch ID beraubte MacBook Pro bietet davon nur die extrem schnelle SSD.

Das neue MacBook Pro in 13 Zoll ohne Touch Bar
Das neue MacBook Pro in 13 Zoll ohne Touch Bar

Sehr schnell, aber nicht mehr exklusiv

Langsam ist das Notebook trotz Verzicht auf die exklusive TDP-Klasse deshalb noch lange nicht, die vorletzte Generation mit 28-Watt-CPU wird auch vom 15-Watt-Modell spielend geschlagen. Und während viele U-Prozessoren in anderen Notebooks unter Dauerlast immer weiter herunter takten, gelingt es dem Kühlsystem im kompakten Gehäuse dauerhaft dieselbe Leistung bereitzustellen: Im plattformübergreifend vergleichbaren Cinebench ist das Modell von Apple deshalb schneller als die meisten Windows-Systeme mit vergleichbarer CPU. Leise bleibt das MacBook Pro 13 Zoll trotzdem.

Im Alltag zu gefallen weiß auch das sehr helle kontrastreiche Display mit den extrem guten Blickwinkeln, nur bei sehr hellem Bildschirminhalt auf maximaler Helligkeit fällt die zu den Rändern abfallende Helligkeit auf.

Mit weniger Anschlüssen genau so radikal

Bei den Anschlüssen bietet das kleinste MacBook Pro den radikalen Ansatz der Serie, nur um zusätzlich 50 Prozent der Thunderbolt-3-Schnittstellen ärmer. Beim Laden ist damit nur noch ein Anschluss frei; vorausgesetzt, es kommt kein Dock zum Einsatz. Das oder der Einsatz von Adaptern ist vorerst Pflicht bei der Verwendung der neuen Generation. Die HD-Kamera mit erheblichen Problemen bei Lichtquellen hinter dem Nutzer hat Apple wiederum unangetastet gelassen.

In Anbetracht des um 20 Wattstunden geschrumpften Akkus schlägt sich das Notebook im Laufzeittest sehr gut. Absolut reichen die knapp 54 Wattstunden Kapazität aber nur zu einem Platz im gehobenen Mittelfeld. Gegenüber dem Vorgänger mit 74,9 Wattstunden ist die Akkulaufzeit in einzelnen Szenarien sogar rückläufig.

Mehr MacBook als MacBook Pro

In Summe ist das neue MacBook Pro 13 Zoll ohne Touch Bar ein erstklassig verarbeitetes, in seiner Leistungsklasse auch unter Dauerlast sehr schnelles und trotzdem sehr leises Notebook. Mit den von Apple vorgenommenen Einschnitten steht es dem MacBook allerdings näher als dem MacBook Pro. Zum Preis von 1.699 Euro steht es damit zwischen zwei Welten und zusammen mit den vorgenommenen Einschnitten gibt es dem Käufer das Gefühl, das unattraktivste Modell im Angebot gewählt zu haben. Die Umsetzung als 13-Zoll-MacBook hätte dem Modell gut getan. Dann hätte es mehr geboten, nicht weniger.

Wie hoch die Leistung der ausgewachsenen MacBook Pro maximal ausfällt, wird ComputerBase in Kürze anhand der größten Konfiguration des 15-Zoll-Modells ermitteln. Dann wird es auch einen Test der neuen Touch Bar geben.

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