Luxusproblem für Apple: Das MacBook Neo ist zu beliebt für zu wenige Chips
Das MacBook Neo ist sehr beliebt bei Apple-Kunden, sodass nun mit einem deutlich höheren Absatz gerechnet wird als in Apples ohnehin schon optimistischer Prognose. Das führt zu einem Luxusproblem für den Konzern: Fertiger müssen die Produktion ankurbeln und von Apple mit mehr Chips versorgt werden, die eigentlich „Abfall“ waren.
Bei Interessenten eines günstigen Apple-Notebooks ist das MacBook Neo eingeschlagen wie eine Bombe. Im jüngsten Quartalsbericht vom 30. April kam die Mac-Sparte auf den höchsten Umsatz seit den Home-Office-getriebenen Absatzzahlen zur Covid-Pandemie.
Das MacBook Neo kostet 699 Euro mit 256 GB, 799 Euro sind es mit 512 GB und Touch-ID-Tastatur. Das macht das Einsteiger-Notebook von Apple zum ernsthaften Konkurrenten günstigerer Windows-Notebooks und Chromebooks – und entsprechend beliebt.
Das MacBook Neo ist „supply-constrained“
„We were very bullish on the product before announcing it“, sagte Apple-CEO Tim Cook im Conference Call im Nachgang der Bekanntgabe der Quartalszahlen. „But we undercalled the level of enthusiasm.“ Demnach gab es bei Apple eine bereits optimistische interne Prognose, diese fiel aber dennoch zu niedrig aus. Daraus resultiert: „Right now we’re supply-constrained on the MacBook Neo.“ Apple kann demnach nicht so viel produzieren, wie Kunden und Händler das Notebook aktuell nachfragen. Die Lieferzeit in Deutschland liegt bei derzeit rund vier Wochen.
Fertiger müssen mehr produzieren
Lieferanten soll Apple derzeit auf eine deutlich gesteigerte Produktionskapazität von 10 Millionen Einheiten vorbereiten, wie Tim Culpan auf seinem Blog berichtet. Culpan ist ehemaliger Bloomberg-Redakteur und beruft sich bei seiner Aussage auf eigene anonyme Quellen. Apple sei intern zuvor von etwa 5 bis 6 Millionen MacBook Neo ausgegangen. Für die Produktion des MacBook Neo sind die taiwanischen Firmen Quanta und Foxconn mit ihren Fabriken in Vietnam und China verantwortlich. Da im Zuge des KI-Booms praktisch alle Produktionskapazitäten ausgelastet sind, kann Apples Wunsch nach mehr Geräten zu einer Herausforderung für die Fertiger werden.
Kommt eine Neuauflage des A18 Pro?
Aber auch beim eigenen Silizium gibt es Hürden. Das MacBook Neo setzt mit dem A18 Pro auf den Chip aus dem iPhone 16 Pro – im MacBook Neo aber mit fünf statt sechs aktiven GPU-Kernen. Es handelt sich somit um ein „Abfallprodukt“ der eigentlichen Produktion des A18 Pro – für Apple sozusagen „kostenlose“ Chips.
Für mehr MacBook Neo braucht es aber auch mehr A18 Pro, die Apple bei TSMC fertigen ließ und jetzt ebenfalls nachbestellen müsste. Der mittlerweile ausgereifte N3E-Prozess, für den der A18 Pro entwickelt wurde, dürfte jetzt aber deutlich weniger „Abfall“ und somit mehr vollständig aktive Chips mit größerer GPU abwerfen, für die TSMC wiederum mehr Geld verlangen kann – sofern die Kapazität dies überhaupt zulässt.
Apple dürfte sich angesichts der hohen Nachfrage dennoch zu diesem Schritt entschließen, selbst wenn die Stückliste der nachproduzierten Geräte teurer ausfallen dürfte. Den zusätzlichen GPU-Kern könnte Apple schlichtweg per Software deaktivieren. Denkbar ist auch, dass Apple die 256-GB-Konfiguration irgendwann auslaufen lässt und nur noch das teurere 512-GB-Modell anbietet, das die internen Zusatzkosten besser auffangen kann. Vergleichbar geht Apple derzeit beim Mac mini und Mac Studio vor.