Corsair Force MP500 im Test: Kupferaufkleber und Firmware machen den Unterschied 2/5

Michael Günsch 46 Kommentare

Benchmarks

Erläuterungen und Einzelheiten zu dem Testsystem, der Testmethodik und den genutzten Benchmarks enthält der Artikel „So testet ComputerBase SSDs“.

Hinweis: Getestet wurde mit dem Standard-NVMe-Treiber von Microsoft samt nötiger Anpassung für Benchmarks. Einen eigenen NVMe-Treiber bietet Corsair nicht an.

Iometer

Aufgrund der gleichen Hardware überrascht es nicht, dass die Corsair Force MP500 eine ähnliche Leistung wie die Patriot Hellfire erzielt. Beim Lesen noch sieben Prozent langsamer, liegt die MP500 beim Schreiben 15 Prozent vor der Hellfire. Das hat einen nachvollziehbaren Grund: Die Corsair-SSD drosselt die Leistung später, wobei dazu zum einen der Kupferaufkleber und zum anderen die niedrigere Peak-Performance beitragen. Mehr Details liefert der Abschnitt Temperaturen.

Die gegenüber den Herstellerangaben deutlich niedrigere Leserate beruht auf der Testmethodik: ComputerBase führt diesen Test mit einer niedrigen Befehlswarteschlange (QD) von 3 aus. Das zweite Diagramm in diesem Abschnitt zeigt, dass erst bei einer höheren QD mehr Leistung möglich ist. Dieser Umstand gilt auch für andere SSDs mit PS5007-Controller wie zum Beispiel die Patriot Hellfire oder die Zotac Sonix. Auch Intels SSD 750 kommt erst bei vielen Befehlen auf Touren und ist bei niedriger QD eher langsam.

AS SSD

In diesem Benchmark liefert sich Corsairs Neuling einen engen Schlagabtausch mit der Patriot Hellfire. Schon bei der Hellfire fiel die beste 4K-Leserate im Testfeld auf. Ein Leser hatte die Redaktion auf die Ursache hingewiesen: Während AS SSD bei den sequenziellen Tests nicht komprimierbare Daten nutzt, ist die Testdatei beim 4K-Test durchaus komprimierbar. Dadurch kann der Phison-Controller sein Komprimierungs-Ass ausspielen und die Konkurrenz schlagen. Bei nicht komprimierbaren Daten, wie sie in der Praxis dominieren, verpufft der Vorteil jedoch. Der nachfolgende Abschnitt liefert mehr Details.

Datenkompression

Der Phison-Controller nutzt – wenn möglich – eine Komprimierung der zu übertragenden Daten, um dadurch die Leistung zu steigern. Auch frühere SandForce-Controller arbeiteten nach diesem Prinzip. Die Maximalleistung wird aber nur dann erreicht, wenn die Daten auch entsprechend komprimierbar sind. Dies ist in der Praxis mit vielen bereits komprimierten Dateiformaten nur selten der Fall.

Kompression bei 4K-Test von AS SSD

Dass die Testdaten für den 4K-Test von AS SSD komprimierbar sind, lässt sich wie folgt belegen: Zunächst wird der Benchmark ganz normal gestartet. Nachdem der 4K-Schreibtest durchlaufen ist und noch während der 4K-Lesetest stattfindet, wird der Prozess des Benchmarks über den Task-Manager abrupt abgebrochen. Diese „brachiale“ Maßnahme ist notwendig, da der Benchmark andernfalls mit normaler Beendung die Testdateien automatisch wieder entfernt. Durch diesen Schritt findet sich der Testordner „AS-SSD-TEST42“ mit den 4K-Testdaten auf dem getesteten Laufwerk. Über das Eigenschaften-Menü werden logische (Größe auf Datenträger) und reale Größe angegeben.

AS SSD: Testdatei für 4K-Lesetest
AS SSD: Testdatei für 4K-Lesetest
NTFS-Komprimierung von Windows aktiviert
NTFS-Komprimierung von Windows aktiviert
AS SSD: Testdatei für 4K-Lesetest mit NTFS komprimiert
AS SSD: Testdatei für 4K-Lesetest mit NTFS komprimiert

Der Ordner ist wie vorgesehen 1 GiByte groß. Über die erweiterten Attribute lässt sich die NTFS-Komprimierung von Windows aktivieren. Sollten die Testdaten nicht komprimierbar sein, dürfte sich die logische Größe nicht verändern. Doch zeigt sich, dass nun die „Größe auf Datenträger“ nur noch 710 MiByte beträgt. Die Testdaten lassen sich somit um rund 30 Prozent komprimieren, was dem Phison-Controller in die Hände spielt.

Gegenprobe mit CrystalDiskMark

Um die 4K-Leserate mit nicht komprimierbaren Daten zu bestimmen, bietet sich CrystalDiskMark an. Auf gleichem Weg wie bei AS SSD ergibt sich, dass die Testdaten in der Standardeinstellung zumindest nicht über Microsofts Komprimierungswerkzeug komprimierbar sind. Die aktivierte Komprimierung ist am blau gefärbten Ordnernamen erkennbar, die Größe auf dem Datenträger ändert sich jedoch nicht. Erst wenn bei CrystalDiskMark die Einstellung „Zerofill“ ausgewählt wird, sind die Testdaten komprimierbar und in diesem Fall durch Nulldaten sogar vollständig, sodass die logische Größe 0 Bytes beträgt.

CrystalDiskMark: Testdatei für 4K-Lesetest
CrystalDiskMark: Testdatei für 4K-Lesetest
CrystalDiskMark: Testdatei für 4K-Lesetest mit NTFS komprimiert
CrystalDiskMark: Testdatei für 4K-Lesetest mit NTFS komprimiert
Erst bei der Option „Zerofill“ ist die Testdatei vollständig komprimierbar
Erst bei der Option „Zerofill“ ist die Testdatei vollständig komprimierbar

Einfluss des Kompressionsgrades auf die Leistung

Wie sehr sich die Komprimierbarkeit auf die Resultate beim wahlfreien Lesen von 4K-Daten auswirkt, veranschaulicht folgende Tabelle. Der Vergleich zwischen AS SSD und CrystalDiskMark ist dabei nur symbolisch, handelt es sich doch um verschiedene Benchmarks, die die Leistung unterschiedlich ermitteln. Aber der Vergleich zwischen den nicht komprimierbaren Zufallsdaten in der Standardeinstellung von CrystalDiskMark und der 0Fill-Option macht den Einfluss der Komprimierbarkeit mehr als deutlich: Die Leistung vervierfacht sich fast von 50 MB/s auf 194 MB/s.

CrystalDiskMark (Standard) AS SSD CrystalDiskMark (0Fill)
Kompressionsgrad
bei NTFS-Komprimierung
0 % ~30 % 100 %
4K-Lesen (random) 50 MB/s 57 MB/s 194 MB/s
Leistungsgewinn
durch Kompression
Basis (nicht komprimiert) +14 % +288%

In der Einstellung 0Fill sind auch die Daten der sequenziellen Leistungstests komprimierbar. Somit gibt es auch hier erhebliche Unterschiede, wie die Screenshots belegen.

Corsair Force MP500: CrystalDiskMark (nicht komprimiert)
Corsair Force MP500: CrystalDiskMark (nicht komprimiert)
Corsair Force MP500: CrystalDiskMark (komprimiert)
Corsair Force MP500: CrystalDiskMark (komprimiert)

PCMark 8

Der praxisnahe Trace-Benchmark liegt der Corsair Force MP500 deutlich besser als der ähnlichen Patriot Hellfire: Der Vorsprung beim Durchsatz beträgt 12 Prozent, sodass die MP500 das Niveau der OCZ RD400 erreicht. Besser sind nur Plextors M8Pe und Samsungs Pro-Modelle.

Hier dürfte die jüngere Firmware eine Rolle spielen: Während die Patriot Hellfire noch mit der Firmware E7FM02.0 getestet wurde, lautet die Version bei Corsair E7FM02.1.

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