NAND-Flash: Foxconn will Toshibas Speicherchip-Sparte

Tobias Reuter 4 Kommentare
NAND-Flash: Foxconn will Toshibas Speicherchip-Sparte
Bild: Intel

Der taiwanische Zulieferer-Riese Foxconn beabsichtigt die Übernahme der zum Verkauf stehenden Speicherchip-Sparte von Toshiba. Foxconn-Chef Terry Gou sprach dem geplanten Deal hohe Priorität zu: „Wir können es uns nicht leisten, diese Technologie nicht zu besitzen.“ Toshiba verlangt umgerechnet 12,35 Milliarden Euro.

Toshiba sucht neue Geldquellen

Der Technologiekonzern sucht seit Bekanntwerden des Bilanzskandals im Jahr 2015 und der milliardenschweren Abschreibung der US-Tochter Westinghouse nach neuen Geldquellen. Für die lukrative NAND-Flash-Sparte besteht auf dem Markt ein immer größerer Bedarf, da die Speichernachfrage etwa durch die Ausweitung von Datenzentren kontinuierlich steigt. Die Pläne zur Abspaltung der Speichersparte waren bereits im Januar bekannt geworden. Zwischenzeitlich hatte Toshiba die Absichten bestätigt und den anfangs anvisierten kleinen Anteil auf einen möglichen Verkauf des Hauptanteils ausgeweitet.

Außer Foxconn sollen noch Apple, TSMC, Microsoft, SK Hynix, Micron Technology und Western Digital an Toshibas Speichersparte interessiert sein. Hynix und Micron seien im Bietergefecht wegen kartellrechtlicher Bedenken aber im Nachteil gegenüber der Konkurrenz. Von SK Hynix soll es ebenfalls ein konkretes Angebot gegeben haben, das aber angesichts der deutlich niedrigeren Summe für einen kleineren Anteil an Toshibas Speichergeschäft bestimmt war.

Foxconn will Geschäftsbereich ausweiten

Foxconn soll in der Speicherchip-Produktion einen weiteren Trumpf im Kampf um Premiumkunden wie Apple, Microsoft und Sony sehen. Schon die Übernahme von Sharp im letzten Jahr und das dadurch hinzugewonnene Displaygeschäft sahen Analysten als wichtigen Mosaikstein in Foxconns Strategie, eine immer größere Angebotspalette bieten und folgerichtig lukrativere Kundenverträge schließen zu können. Foxconn ziele mit dem Sharp-Deal unter anderem auf die Produktion des OLED-Displays für das iPhone 8 ab und plane bereits ein Display-Werk in den USA, wobei sich auch Samsung große Chancen für die kommende iPhone-Displayfertigung verspricht.

Sollte die Übernahme von Toshibas Speicherabteilung klappen, könnte Foxconn seinen Großkunden außer der Zusammensetzung und Zulieferung von Produkten auch Speichertechnologie bieten. Durch den Sharp-Kauf kommt zudem noch die immer wichtiger werdende OLED-Technologie hinzu.