Video-Streaming: Netflix wächst weiter, aber die Profite bleiben klein

Michael Schäfer 93 Kommentare
Video-Streaming: Netflix wächst weiter, aber die Profite bleiben klein
Bild: Netflix

Der Streaming-Anbieter Netflix hat seine Bilanz für das erste Quartal 2017 vorgelegt: Das Unternehmen konnte neben dem Umsatz vor allem den Gewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum steigern. Aber viele Anleger bleiben trotzdem skeptisch, ob das Geschäft dauerhaft trägt.

Das US-Unternehmen konnte den eigenen Umsatz zum 31. März 2017 nach eigenen Angaben von 1,96 Milliarden US-Dollar im 1. Quartal 2016 auf 2,64 Milliarden US-Dollar steigern, im 4. Quartal 2016 wurden 2,48 Milliarden US-Dollar erzielt. Noch deutlicher stieg allerdings der Gewinn gegenüber dem ersten Quartal 2016 von 28 Millionen auf 178 Millionen US-Dollar an, im vierten Quartal 2016 waren es 62 Millionen US-Dollar.

Nutzerzahlen wachsen wieder gering

Zum 31. März nutzen 98,75 Millionen Kunden Netflix. 94 Millionen zahlen für den Dienst, knapp über 4 Millionen nutzen ihn hingegen kostenlos – beispielsweise im Probemonat. Das entspricht einem Wachstum von knapp 5 Millionen neuen Abonnenten. Vor einem Quartal hatte der Zuwachs 5,1 Millionen Abonnenten betragen, vor einem Jahr knapp 7,0 Millionen. Analysten hatten mit einem zehn Prozent höheren Wachstum gerechnet.

Der größte Anteil der Zuschauer findet sich nach wie vor in den USA, hier kann der Dienst auf über 49 Millionen Nutzer verweisen, was einen Zuwachs von 1,47 Millionen gegenüber dem letzten Quartal bedeutet. Das Ausland holt mit 3,8 Millionen neuen Zuschauern im gleichen Zeitraum erneut deutlich auf, mit knapp 45 Millionen Bestandskunden verringert sich der Abstand zum Mutterland abermals.

Zurückgegangen ist auch die Anzahl der Nutzer des DVD-Verleihs, die von 4,65 Millionen im Vorjahreszeitraum auf aktuell 3,87 Millionen zurück ging. Dennoch sorgt der Zweig für Einnahmen von rund 120 Millionen US-Dollar bei einem Gewinn von rund 60 Millionen US-Dollar, ist also hoch profitabel.

Gebremste Aussichten für das laufende Quartal

Die Prognose für das laufende Quartal fällt deutlich niedriger aus, Netflix erwartet bis Ende Juni nur einen Zuwachs von insgesamt 3,2 Millionen neuen Abonnenten, mit 2,6 Millionen wird den Aussichten zufolge das Ausland weiter gegenüber dem Heimatland mit lediglich 600.000 Neukunden aufholen. Der Umsatz soll auf 2,76 Milliarden US-Dollar weiterhin wachsen, der Nettogewinn aber auf 66 Millionen US-Dollar zurück gehen. Als Grund nennt das Unternehmen vor allem die Verschiebung von Ausgaben auf das aktuelle Quartal.

Anleger zweifeln an der rosigen Zukunft

Der Kurs der Netflix-Aktie gab nach Bekanntgabe der Zahlen zuerst um gut drei Prozent nach, aktuell notiert die Aktie noch knapp ein Prozent unter dem Vortageskurs. Hintergrund sind Zweifel daran, dass die von Netflix wiederholt versprochene profitable Zukunft ein unerfülltes Ziel bleiben wird. James Brumley merkt beispielsweise über Seeking Alpha an, dass es nicht realistisch erscheint, dass Netflix entweder endlos neue Mitglieder gewinnen, die Kosten für Inhalte signifikant senken, oder die Preise deutlich erhöhen können wird; die Konkurrenz in diesem Markt ist groß. Kurzfristige Gewinne seien zwar immer wieder möglich, nachhaltig werde der Konzern die Profite aber nicht garantieren können.