Snapdragon 450: Qualcomm bringt 14 nm und mehr Takt in die Mittelklasse

Nicolas La Rocco 22 Kommentare
Snapdragon 450: Qualcomm bringt 14 nm und mehr Takt in die Mittelklasse
Bild: Qualcomm

Qualcomm hat die Snapdragon 450 Mobile Platform als neues Topmodell der für Mittelklasse-Smartphones ausgelegten 400-Serie angekündigt. Es ist das erste Mal, dass Qualcomm die effiziente 14-nm-Fertigung von Samsung außerhalb der 600- und 800-Serie anbietet. Qualcomm verspricht längere Laufzeiten, aber auch mehr Leistung.

Bis zu 4 Stunden längere Laufzeiten

Das Fertigungsverfahren 14LPP (Low Power Plus) sorgt zunächst einmal dafür, dass das Package des Chips physisch kleiner ausfällt. Im Alltag für den Endverbraucher wichtiger ist jedoch der durch das effizientere Fertigungsverfahren erreichte niedrigere Energieverbrauch des System-on-a-Chips. Qualcomm hat eigene Messungen auf Basis zweier Smartphones mit 2.750-mAh-Akku durchgeführt – eines mit Snapdragon 435, dem bisherigen Topmodell der Serie, das andere mit neuem Snapdragon 450.

Im Durchschnitt erziele ein Smartphone mit Snapdragon 450 Mobile Platform eine bis zu vier Stunden längere Laufzeit als mit Snapdragon 435, heißt es in der Ankündigung. Im Detail werden bis zu anderthalb Tage Gesprächszeit, acht Tage Musikwiedergabe, 18 Stunden Videowiedergabe, sieben Stunden Videoaufnahme, 15 Stunden Gaming und 14 Stunden Videostreaming über das Mobilfunknetz genannt. Das integrierte LTE-Modem ist wieder das Snapdragon X9 für bis zu 300 Mbit/s im Downstream sowie 150 Mbit/s im Upstream. WLAN wird mit 802.11ac und MU-MIMO unterstützt.

Qualcomm Snapdragon 400 Serie
Modell Snapdragon 450 Snapdragon 435
Fertigung 14 nm LPP 28 nm LP
CPU 8 × 1,80 GHz ARM Cortex-A53 8 × 1,4 GHz ARM Cortex-A53
Befehlssatz ARMv8-A 64-Bit
GPU Adreno 506 Adreno 505
Modem Snapdragon X9 LTE
(Cat. 7; 300/150 Mbit/s)
RAM LPDDR3 Singe-Channel 933 MHz LPDDR3 Single-Channel 800 MHz
Speicher eMMC 5.1
Display FHD+ FHD
Kamera bis zu 21 MP; Dual-Kamera mit bis zu 2 × 13 MP bis zu 21 MP; Dual-Kamera mit bis zu 2 × 8 MP
Videoaufnahmen 1080p @ 60 FPS 1080p @ 30 FPS
WLAN 802.11ac MU-MIMO
Ortung A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
USB 3.0 2.0

CPU und GPU liefern jeweils 25 Prozent mehr Leistung

Spiele sind ein gutes Stichwort für die propagierte Mehrleistung des Chips. Nach wie vor bilden wie im Snapdragon 435 acht ARM Cortex-A53 die CPU. Durch eine Anhebung des Maximaltakts von 1,4 auf jetzt 1,8 GHz soll die Leistung um 25 Prozent steigen. Der Chip unterstützt LPDDR3-Arbeitsspeicher im Single-Channel mit jetzt 933 statt 800 MHz. Ebenfalls 25 Prozent höher soll die Leistung der neuen Adreno-506-GPU gegenüber der Adreno 505 des Snapdragon 435 ausfallen. Hier verrät Qualcomm allerdings auch auf Nachfrage nicht, wie das Leistungsplus erzielt wird, also mit mehr Rechenkernen oder einfach nur höherem Takt. Beim Spielen sollen die FPS aber nicht nur einerseits um 25 Prozent steigen, der Verbrauch soll gleichzeitig um 30 Prozent sinken.

Um aber nicht nur mit Zahlen der höheren Rohleistung um sich zu schmeißen, macht Qualcomm auch Angaben zum Verhalten im Alltag. Apps sollen zum Beispiel spürbar schneller starten: Für Social-Media-Apps nennt Qualcomm 20 Prozent, bei E-Mail sind es ebenfalls 20 Prozent, Google Maps soll 15 Prozent schneller starten und Spiele immerhin noch 10 Prozent schneller.

Echtzeit-Bokeh und HEVC-Support

Den Trend hin zu Smartphones mit Dual-Kamera unterstützt Qualcomm im unteren Segment mit einem Ausbau der bisherigen Fähigkeiten. Statt zwei Sensoren mit je 8 Megapixel sind nun auch zweimal 13 Megapixel möglich – oder alternativ wie bisher 21 Megapixel auf nur einem Sensor. Der Chip ist jetzt außerdem dazu in der Lage, in Echtzeit ein Bokeh für den Hintergrund zu berechnen und auf dem Bildschirm darzustellen, noch bevor das Bild geschossen wird. Bei der bisherigen Unterstützung von Dual-Kameras in der Snapdragon-400-Serie konnte die Tiefenunschärfe immer erst im Nachgang erstellt werden. Im Bereich der Videoaufnahmen ist die vollständige En- und Decodierung von HEVC in bis zu Full HD mit 60 statt 30 FPS neu.

18:9-Display, USB 3.0 und Retina-Scanner-Support

Neu für den Snapdragon 450 sind zudem Anpassungen wie der Support von 18:9-Bildschirmen mit der Auflösung FHD+. Statt 1.920 Bildpunkten sind damit in der Höhe jetzt 2.160 Pixel möglich. Bei der Datenübertragung zum PC wird nun USB 3.0 (USB 3.1 Gen1) mit bis zu 5 Gbit/s unterstützt. Erstmals innerhalb der 400-Serie kann der Chip für die biometrische Authentifizierung über einen Retina-Scanner genutzt werden.

Erste Smartphones mit Snapdragon 450 gegen Ende des Jahres

Smartphone-Hersteller werden die Snapdragon 450 Mobile Platform laut Qualcomm im Verlauf des dritten Quartals erhalten. Der Chip ist pinkompatibel zum Snapdragon 625 und 626. Consumer-Produkte für Endkunden sollen gegen Ende des Jahres verfügbar sein. Den Snapdragon 435 wird Qualcomm zunächst einmal weiter anbieten, im Laufe der Zeit soll es aber zu einer langsamen Ablösung des bisherigen Topmodells kommen.