EKWB Fluid Gaming A240G im Test: Alu-Wasserkühlung für CPU und GPU auf dem Prüfstand

Thomas Böhm 62 Kommentare
EKWB Fluid Gaming A240G im Test: Alu-Wasserkühlung für CPU und GPU auf dem Prüfstand

tl;dr: Mit der Fluid-Gaming-Reihe will EK Water Blocks Custom-Wasserkühlungen günstig anbieten. Das CPU-&-GPU-Kühlungskit A240G zeigt im Test trotz des Wechsels von Kupfer auf Aluminium viel Potenzial, wird jedoch von der extrem knapp bemessenen Radiatorfläche limitiert. Und das Mischen mit Kupfer ist keine Option.

Aluminium und viele Testszenarien

EK Water Blocks hatte im Mai zur Computex eine neue Produktlinie vorgestellt: Mit der Fluid-Gaming-Reihe will der Hersteller Custom-Wasserkühlungen für Nutzer anbieten, die nicht auf der Suche nach Leistungsrekorden sind, sondern eine preisgünstige Variante der Eigenbau-Wasserkühlung suchen. Um dies zu ermöglichen, setzt der Hersteller auf Bauteile aus Aluminium anstelle von Kupfer.

Das erscheint zunächst verwirrend, denn eigentlich wurde Aluminium aus der Welt der PC-Wasserkühlung nahezu verbannt – lediglich in Form von Kompaktwasserkühlungen findet es noch Verwendung. Die bekannten Hersteller von Produkten für Custom-Wasserkühlungen setzen hingegen ausschließlich auf Kupfer.

Der Mix macht die Korrosion

Das hat seinen Grund: Aluminium ist unedler als Kupfer, weshalb es durch die Kombination beider Metalle in einem Wasserkreislauf zur Korrosion des Leichtmetalls kommt. Dem wird in Kompaktwasserkühlungen mit Zusätzen in der Flüssigkeit vorgebeugt – aber der Prozess kann nicht vollständig verhindert, sondern nur verzögert werden. Fehlt einem der beiden Metalle jedoch der Reaktionspartner, so hat sich die Korrosion erledigt. Aus diesem Grund verwendet EKWB für Fluid-Gaming-Produkte ausschließlich Aluminium.

EK Fluid Gaming: Der Warnhinweis vor Kupfer kann nicht übersehen werden
EK Fluid Gaming: Der Warnhinweis vor Kupfer kann nicht übersehen werden

Aluminium ist preiswerter als Kupfer, hat dafür jedoch eine geringere Wärmeleitfähigkeit. So kommt der Kompromiss zustande, den der Hersteller erreichen möchte: Eine günstigere Wasserkühlung, die im Gegenzug nicht mehr ganz so leistungsfähig wie ein Kupferpendant ist. Wer sich für die Custom-Wasserkühlung aus dem Leichtmetall entscheidet, macht sich allerdings von einem Hersteller abhängig. Denn während Kupferbauteile von allen namhaften Produzenten angeboten werden, steht EKWB im Moment alleine da.

Grundlage für viele interessante Messungen

Doch unabhängig davon, was die Zukunft an Aluminium-Bauteilen bringt, hat sich mit dem Fluid Gaming A240G ein sehr interessantes Testmuster in der ComputerBase-Redaktion eingefunden. Das Kit soll als Rundum-sorglos-Paket sämtliche Komponenten enthalten, um damit eine moderne CPU sowie eine Grafikkarte aus der aktuellen Pascal-Generation von Nvidia zu kühlen.

Dafür liefert EKWB alle notwendigen Komponenten aus Aluminium mit – sogar an Anschraubtüllen aus dem Leichtmetall wurde gedacht. Die je nach dem zu kühlenden System nicht unerhebliche Abwärme soll über einen kleinen 240er-Radiator abgeführt werden können. Doch wie schlägt sich ein Kühler aus Leichtmetall gegenüber der etablierten Konkurrenz aus Kupfer? Kann das Kit mit einer typischen AiO als Prozessorkühlung mithalten? Reicht eine Radiatorfläche von zwei 120-Millimeter-Lüftern tatsächlich, um eine Abwärme von 300 Watt und mehr abzuführen? Der ComputerBase-Test liefert Antworten auf diese Fragen.

Fluid Gaming A240G

Das Fluid Gaming A240G besteht aus einer Pumpe mit integriertem Reservoir, einem 240-Millimeter-Radiator mit zwei Lüftern, einem CPU-Kühler, einem GPU-Fullcover-Kühlblock, einem Schlauch, einem Konzentrat für Kühlflüssigkeit, Anschlüssen sowie etlichem Montagezubehör. Der Supremacy-AX-Prozessorkühler passt zu den aktuellen Intel-Prozessoren auf Sockel 115x ebenso wie auf HEDT-CPUs der Sockel 2011(-3) und 2066. Von AMD werden die aktuellen Ryzen-Prozessoren auf AM4-Mainboards unterstützt. Der GPU-Kühler EK-AC GeForce GTX ist ein Fullcover-Kühlblock, der sämtliche Referenzdesigns von der Nvidia GeForce GTX 1060 bis hin zur GTX 1080 Ti und Titan X (Pascal) abdeckt.

Viele Bauteile für eine Wasserkühlung

Der EK Alustream 240 ist ein klassischer 240-mm-Radiator, der stark an den Wärmetauscher einer Kompaktwasserkühlung erinnert, denn immerhin ist er auch aus Aluminium gefertigt. Das macht ihn ungewöhnlich leicht, wenn man ihn mit einem Kupfermodell gleichen Formats vergleicht. Der Wärmetauscher hat eine Lamellendichte von etwa 18 FPI (Lamellen je Zoll) und ist gut verarbeitet. Eine Kleinigkeit fällt aber auf: Der Radiator hat unter den Bohrlöchern für Lüfterschrauben kein Schutzblech, das ihn vor zu tief eingedrehten Schrauben schützt – hier muss der Anwender Vorsicht walten lassen.

Als Lüfter werden zwei EK Vardar mit einer Rahmenbreite von 120 mm mitgeliefert. Sie sind PWM-tauglich und sollen bis zu 1.850 U/min erreichen. Die beiden Testmuster enttäuschen jedoch: Nicht nur erreichen sie ihr vorgegebenes Maximum nicht (Lüfter 1: 1.750 U/min; Lüfter 2: 1.650 U/min), sie kämpfen zusätzlich auch mit einer hohen Minimaldrehzahl von etwa 700 U/min. Zusammen mit dem Doppelkugellager der Ventilatoren führt dies zu einem wahrnehmbaren Laufgeräusch, das für Freunde leiser Rechner inakzeptabel ist.

Kühlung für Grafikkarte und Prozessor

Der Grafikkartenkühler des A240G-Kits von EKWB besteht selbstverständlich aus Aluminium, zeigt dies mit seiner schwarzen Oberfläche aber auf den ersten Blick noch nicht: Der strukturierte Kühlerdeckel bietet einen interessanten Kontrast zum üblichen Design von Fullcover-Wasserkühlern. Am Terminal des universellen Pascal-Kühlers weist eine weitere Warnung darauf hin, dass der Kühler nicht mit Kupferbauteilen kombiniert werden darf.

Auf der Unterseite des Kühlers zeigen sich im Leichtmetall einige Verfärbungen. Diese Makel sind nicht schön anzusehen, sollten die Funktion aber nicht weiter einschränken. Dem Vergleich mit einem hochwertigen Kupfer-Kühlblock kann der Kühler so aber nicht standhalten. Das Innenleben zeigt im GPU-Bereich eine relativ grobe, aber sauber verarbeitete Kühlerstruktur, die von einer Düsenplatte in der Kühlerabdeckung unterstützt wird. In der Anleitung wird darauf hingewiesen, dass der Kühler eine bevorzugte Strömungsrichtung hat – diese sollte berücksichtigt werden, um die maximale Kühlleistung auszuschöpfen.

Als weiteres Bauteil befindet sich eine Backplate im Lieferumfang des Grafikkartenkühlers, die die ursprüngliche Platte von Nvidia ersetzt. Die Backplate ist sehr dünn und erfüllt mangels Kontakt zur Platine keinerlei Kühlfunktion. Sie dient neben der Optik aber der Stabilisierung des Kühlers, denn dieser wird über die Backplate mit der Grafikkarte verschraubt.

Aluminium-Klon des Supremacy MX

Zur CPU-Kühlung dient im Fluid-Gaming-Kit ein EK Supremacy AX. Dieser ist auf den ersten Blick nicht vom Supremacy MX zu unterscheiden. Der sehr leichte Kühler offenbart den Unterschied zu seinem ungleichen Bruder auf der Unterseite: Hier ist wieder Aluminium zu erkennen. Die CPU-Auflagefläche spiegelt nicht perfekt, denn es sind noch Schleifspuren der Herstellung sichtbar. Damit setzt der Prozessorkühler fort, was der Grafikkartenkühler begonnen hat: Die dem Nutzer zugewandten Seiten sind einwandfrei verarbeitet, während die Chip-Auflageflächen kleinere optische Makel haben.

Dafür ist die Finnenstruktur im Inneren des Supremacy AX anstandslos verarbeitet worden. Die Deckelkonstruktion besteht aus einer Jetplate, zwei Plastikeinsätzen sowie dem eigentlichen Kühlerdeckel – und scheint direkt von der Kupferversion des Prozessorkühlers übernommen worden zu sein. Einen Kritikpunkt gibt es für die fehlende Beschriftung des Prozessorkühlers: Einlass und Auslass sind nicht angegeben, obwohl der Kühlkörper eine präferierte Strömungsrichtung besitzt. Auch die Anleitung erwähnt nicht explizit, dass das linke (zentraler gelegene) Anschlussgewinde als Einlass dienen sollte.

Pumpe und Zubehör

Die im A240G eingesetzte Pumpe ist eine SPC-60, welche die Bezeichnung EK-ACR SPC-60 trägt. Die Pumpe ist eine an die Lowara/Laing DDC angelehnte Eigenentwicklung von EK Water Blocks, welche gemäß Datenblatt der bereits seit Längerem erhältlichen EK-XRES 100 SPC-60 MX PWM entspricht. Die kleine Pumpe besitzt ein integriertes Reservoir und will über vier mit Gummis entkoppelte Standfüße verschraubt werden.

Als weiteres Zubehör befinden sich eine Halterung für die Pumpe, Montage-Equipment für den CPU-Kühler, Anschraubtüllen, ein Überbrückungsstecker für ein ATX-Netzteil, ein PVC-Schlauch, ein Konzentrat zur Herstellung der Kühlflüssigkeit sowie diverse Kabel und Innensechskantschlüssel im Lieferumfang. Damit ist fast alles vorhanden, was für den Aufbau einer Wasserkühlung benötigt wird – lediglich destilliertes Wasser muss vom Käufer bereitgestellt werden.

Montage von CPU- und GPU-Kühler

Die Montage eines CPU-Wasserkühlers auf Sockel 2011 gestaltet sich in der Regel sehr leicht – und daran ändert EK Water Blocks nichts: Nachdem vier Gewindebolzen in die Sockelaufnahmen gedreht wurden, kann der Kühler auf die CPU gesetzt und anschließend über vier Muttern mit untergelegten Federn festgeschraubt werden. Werkzeug ist nicht notwendig, denn die gerändelten Muttern sollen nur handfest gedreht werden.

Im Gegensatz dazu ist die Montage eines Grafikkartenkühlers wesentlich aufwendiger. Bevor der Luftkühler entfernt wird, sollte sich der Kunde zunächst darüber informieren, wie die Garantieleistungen des Grafikkarten-Herstellers aussehen. Denn nicht jeder gewährt nach einem Kühlerwechsel noch Garantie, und sofern die Karte beim Umbau beschädigt wurde, greift sowieso keine Garantieleistung. Der Umbau einer mehrere hundert Euro teuren Grafikkarte sollte daher sorgfältig und umsichtig durchgeführt werden.

Für den Test des Fluid Gaming A240G steht eine Nvidia GeForce GTX 1070 (Test) bereit, welche zunächst vom Referenzkühler befreit werden will. Als Erstes wird die Backplate abgeschraubt, wofür ein sehr kleiner Kreuzschlitz-Schraubendreher benötigt wird. Im Anschluss kann der eigentliche Kühler entfernt werden. Nvidia hat sich bei dessen Montagesystem für Schrauben mit Außensechskantkopf entschieden. Wenn sämtliche Schrauben gelöst wurden, kann der Kühler vorsichtig von der Platine gehoben und die Stromversorgung des Lüfters sowie des LED-Logos gelöst werden.

EK Fluid Gaming: Dieses kleine Werkzeug fehlt im Lieferumfang
EK Fluid Gaming: Dieses kleine Werkzeug fehlt im Lieferumfang

Der Abbau nimmt Geduld und das passende Werkzeug in Anspruch. Üblicherweise sind zu Hause einige Schraubendreher anzufinden, und auch Innensechskantschlüssel sollten Hobbyschraubern nicht fremd sein. Ein Außensechskantschlüssel ist hingegen seltener vertreten – es ist daher unverständlich, dass EKWB zwar Innensechskantschlüssel in mehreren Größen im Fluid-Gaming-Kit zur Verfügung stellt, aber auf den passenden Schlüssel zum Lösen des Grafikkartenkühlers verzichtet. Für diesen Test darf das Kombi-Werkzeug, das Aqua Computer beim Kryographics Pascal mitliefert, als notwendiges Hilfsmittel fungieren.

Reinigung, Paste, Pads und Kühlermontage

Nachdem der Kühler entfernt wurde, muss die Grafikkarte gereinigt werden. Vorwiegend müssen die Reste der alten Wärmeleitpaste von der GPU runter. Um den empfindlichen Chip nicht zu beschädigen, sollte hier vorsichtig und lediglich mit einem weichen, mit Reinigungsalkohol (2-Propanol) benetzten Tuch gearbeitet werden. Es ist nicht notwendig, den Bereich um den Die zu säubern – die Wärmeleitpaste ist nicht leitend, weshalb von Rückständen keine Gefahr ausgeht. Nun können die Wärmeleitpads gemäß der Anleitung auf den Speichermodulen und der Spannungsversorgung der Grafikkarte verteilt werden und neue Wärmeleitpaste auf die GPU aufgebracht werden. Die GPU muss vollständig von Wärmeleitmittel bedeckt sein – überschüssige Paste wird durch den Anpressdruck des Kühlers seitlich herausgedrückt, daher schadet etwas zu viel (nicht leitfähige!) Wärmeleitpaste nicht.

In den letzten Schritten des Aufbaus der Wasserkühlung wird der PVC-Schlauch in passende Stücke zerschnitten und auf die Anschraubtüllen geschoben. Dafür ist sehr viel Kraft notwendig, denn der Innendurchmesser des 13/10-Schlauches ist fast etwas zu klein für die Aluminium-Anschraubtüllen. Um keine Komponenten zu beschädigen, kann der Schlauch vor dem Einsatz in warmes Wasser gelegt werden, was ihn flexibler macht.

Grundregeln für den Start einer Wasserkühlung

Abgesehen vom Aluminium als Substitut für Kupfer entspricht das Fluid-Gaming-Kit einer „normalen“ Custom-Wasserkühlung. Für das Befüllen und den ersten Pumpenstart gelten dieselben Richtlinien, weshalb hier auf den Grundlagenartikel für Wasserkühlungen verwiesen wird.

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