Toshiba TR200 SSD im Test: Kein DRAM ist auch keine Lösung 2/4

Michael Günsch 56 Kommentare

Es hakt und ziept im Testbetrieb

Dass ComputerBase den Test nicht wie geplant pünktlich zum Fall des NDAs am 11. Oktober veröffentlichte, hat einen guten Grund. Im Testbetrieb traten mit der TR200 ungewohnte Systemaussetzer auf. Der Wechsel auf eine andere SSD schaffte Abhilfe. Somit war schnell klar, dass das Testsystem nicht die Ursache dafür war, sondern die TR200. Toshibas Presseagentur als Mittelsmann konnte die Probleme nicht reproduzieren und schickte im Glauben an einen Defekt Ersatz.

Doch auch mit der neuen TR200 zeigten sich die Aussetzer in gleicher Weise. Um letztlich auszuschließen, dass es ein Kompatibilitätsproblem mit der Hard- oder Software gibt, wurde zunächst das Testsystem „frisch“ aufgesetzt. Doch sowohl unter Windows 8.1 als auch Windows 10 wiederholten sich die Probleme, die Gegenprobe mit einer anderen SSD (Crucial BX300) blieb jedoch stets unauffällig.

Zum ultimativen Test wurde schließlich auf ein anderes System gewechselt: Statt Intel Haswell, Z87-Mainboard, 4 GB RAM und Windows 8.1 lautete die Konfiguration nun Intel Skylake, Z270-Mainboard, 16 GB RAM und Windows 10. Doch die Problematik blieb mit der TR200 bestehen, und der Wechsel auf die BX300 mit 1:1 geklontem System schaffte erneut Abhilfe.

Wie äußern sich die Aussetzer?

In Benchmarks zunächst unauffällig, hakte es in den Praxistests. Nach der Installation von OpenOffice dauerte die Deinstallation ungewohnt lange. Zudem ließ sich für mehrere Sekunden das Startmenü für den anschließenden Neustart nicht öffnen – das System reagierte nicht auf die Mausklicks. In weiteren Tests mit OpenOffice und Libre Office traten die Aussetzer wiederholt, teils in leicht anderer Form und teils bereits während der Installation auf.

Hinweis: Das Video zeigt beispielhaft zwei Problemfälle im kompletten Ablauf. Wer Zeit sparen möchte, kann zu Minute 1:15 für Fall a) und zu Minute 3:20 für Fall b) springen, wo die Systemaussetzer mit der TR200 deutlich werden.

Für die Aufzeichnung hat die Redaktion Open Broadcaster Software Studio (OBS) sowie PointerFocus genutzt.

Dass nicht nur diese Software betroffen ist, zeigte sich bei den Kopiertests: Im Rahmen des üblichen Testparcours wird zunächst der 10-GB-Ordner kopiert, die Zeit für den Vorgang gemessen, anschließend der Ordner gelöscht und ein Neustart durchgeführt, um den Vorgang zu wiederholen und ausschließen zu können, dass noch Daten im RAM das nächste Ergebnis beeinflussen. Doch auch hier hakte es, denn nach dem Löschen des zuvor kopierten Ordners, das zudem relativ lange dauerte, ließ sich abermals das Startmenü für den Neustart sekundenlang nicht öffnen. Teils dauerte es mehr als 10 Sekunden, bis das Kontextmenü „Herunterfahren“ nach diversen Mausklicks aufklappte.

Ein drittes Beispiel für den unrunden Testbetrieb war das Ergebnisfenster im Anschluss an den Storage-Test des PCMark 8. Im Normalfall öffnet sich dieses mit kurzer Verzögerung nach Abschluss des letzten Testabschnitts. Doch bei der TR200 war stattdessen für rund 30 Sekunden nur ein schwarzer Fensterinhalt zu sehen. „Keine Rückmeldung“ im Fenstertitel machte klar, dass das Programm nicht mehr reagierte. Erst deutlich später gab es dann doch das Fenster mit der Punktzahl aus dem Benchmark zu sehen.

Blackscreen nach PC Mark Storage Test
Blackscreen nach PC Mark Storage Test

Letztlich lief es auch mit dem Benchmark Iometer nicht rund. Die Protokollierung der Datentransferraten wies Lücken auf, sodass Einträge mit „0 MB/s“ enthalten waren, wie sich erst bei der anschließenden Diagrammerstellung offenbarte. Schließlich gelang zwar ein Durchlauf ohne diese Aussetzer, doch fehlten am Ende wiederholt 10 Sekunden des eigentlich 120 Sekunden langen Dauerschreibtests.

Im AS SSD Benchmark lief dagegen alles rund – sogar viel zu rund, denn über 600 MB/s im 4K-Schreibtest mit 64 Threads sind mehr, als die SATA-Schnittstelle erlaubt. Hier leistet offenbar der System-RAM Schützenhilfe – in abgeschwächter Form erinnert dies an Caching-Tools von SSD-Herstellern wie Samsungs Rapid Mode. Auch dieses Phänomen hat die Redaktion bisher bei keiner anderen SSD unter gleichen Bedingungen erlebt.

TR200 im „Normalzustand“ – über 1.000 MB/s sind über SATA gar nicht möglich, hier leistet der System-RAM Schützenhilfe
TR200 im „Normalzustand“ – über 1.000 MB/s sind über SATA gar nicht möglich, hier leistet der System-RAM Schützenhilfe

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