Baggen und Stammen im Test: Urbanears paart starken Klang mit schwacher Software

Michael Schäfer 52 Kommentare
Baggen und Stammen im Test: Urbanears paart starken Klang mit schwacher Software

tl;dr: Mit Baggen und Stammen bietet der für hochwertige Kopfhörer bekannte Hersteller Urbanears jetzt auch drahtlose Lautsprecher zum gehobenen Preis an. Klanglich, optisch und haptisch können die Connected Speaker im Test überzeugen, Software und Details halten – auch im Vergleich zu Sonos – da nicht mit.

Spezifikationen, Verarbeitung und Anschlüsse

Auf den ersten Blick gibt es an der Verarbeitung des großen Bagger und des kleineren Bruders Stammen nichts auszusetzen. Der bis auf die Unterseite die kompletten quaderförmigen Lautsprecher umfassende Stoff wirkt stabil und hochwertig, unschöne Nähte fallen nicht auf. Durch das schlicht anmutende Design können beide Klanggeber auf manche Nutzer fast schon bieder wirken, andere werden in der Gestaltung eher klassische Akzente sehen.

Egal welche eigenen Schlussfolgerungen am Ende gezogen werden, beide Lautsprecher lassen sich in jedem Fall ohne großes Aufsehen in fast jede denkbare Umgebung integrieren. Dies trifft zumindest auf die erhältlichen Farben Concrete Grey, Indigo Blue oder Vinyl Black zu. Bei Dirty Pink oder Planet Green bedarf es dann doch etwas mehr Abstimmung.

Urbanears Baggen
Urbanears Baggen
Urbanears Stammen
Urbanears Stammen

Mit den Maßen 210 × 210 × 140 Millimetern wirkt der kleinere Stammen noch recht kompakt, der Baggen mit seinen 301 × 301 × 213 Millimetern deutlich wuchtiger. Ebenfalls deutlich ist der Gewichtsunterschied von 3.600 Gramm zu 6.600 Gramm. Mobil ist das größere Modell kaum noch.

Urbanears Baggen Urbanears Stammen
Treiber: 2× 2,5‛‛ Full Range
1× 5,25‛‛ Tieftöner
2× 3/4‛‛ Neodym-Kalottenhochtöner
1× 4‛‛ Tieftöner
Verstärker: 3 Class-D
Frequenzbereich: 35 Hz – 19.000 Hz +/- 3dB 50 Hz – 20.000 Hz +/- 3dB
Ausgangsleistung max.: 60 Watt 36 Watt
Audio-Schnittstellen: Bluetooth 4.2 Classic + LE (AVRCP + A2DP)
WLAN 80211 b/g/n/ac (2,4 GHz, 5 GHz),
Chromecast, AirPlay, Spotify Connect
Stromverbrauch max.: 100 Watt 60 Watt
Stromverbrauch Standby: 1,6 Watt
Maße: 301 × 301 × 213 Millimeter 210 × 210 × 140 Millimeter
Gewicht: 6.600 Gramm 3.600 Gramm
Preis: ab 349 Euro ab 249 Euro

Umständlich zu erreichende Anschlüsse

Beide Lautsprecher stehen auf kleinen Füßen, die den Korpus rund einen halben Zentimeter vom Boden ruhen lassen. Alle Kabel finden ihre Anschlüsse in einer Aushöhlung auf der Unterseite. Das sorgt zwar dafür, dass keine Anschlüsse das schöne Äußere verunstalten, um sie zu erreichen, muss der Lautsprecher dafür jedes Mal gekippt werden – bei 6,6 Kilogramm keine Leichtigkeit. Doch erst dann wird der Zugriff auf den Stromanschluss, den AUX-Eingang und den USB-Anschluss frei, über den kleinere Geräte geladen werden können (5 Volt bei einem Ampere). Über einen digitalen Eingang verfügt keiner der beiden Lautsprecher.

Die Drehregler passen nicht ins Bild

So schön und robust das äußere Erscheinungsbild auch wirkt, auf die Regler trifft das nicht zu. Lautstärke- sowie Quellenregler bzw. deren Kunststoffhülle zeigen vor allem beim getesteten Stammen der helleren Farbgebung eine sichtbar ausgeblichen Verfärbungen, zu den Rändern fehlt die Farbe ganz. Dies darf in solch einer Preisklasse in diesem Zeitraum nicht passieren.

Bereits nach kurzer Zeit ausgeblichene Bedienfelder und abgenutzte Regler
Bereits nach kurzer Zeit ausgeblichene Bedienfelder und abgenutzte Regler

Viele Quellen führen zum Ton

Beide Systeme bieten zahlreiche Möglichkeiten, den jeweiligen Raum mit wohlklingenden Tönen zu füllen. So unterstützen beide Lautsprecher bereits nativ den Streaming-Dienst Spotify und Apples AirPlay findet genauso Verwendung wie Googles Chromecast. Daneben können Quellen via Bluetooth oder Kabelverbindung eingespeist werden. Gleiches gilt für über 30.000 Online-Radiosender. Als Bluetooth-Standard setzt Urbanears bei beiden Klanggebern auf die Version 4.2 LE samt A2DP. Aptx wird dagegen nicht unterstützt, was, gemessen am Preis der beiden Lautsprecher, negativ aufstößt. So muss das oftmals bereits verlustbehaftete Material dekodiert und anschließend noch einmal mit einhergehenden Klangverlust gewandelt werden.

Anschlüsse auf der Unterseite von Baggen und Stammen
Anschlüsse auf der Unterseite von Baggen und Stammen

Presets für eine einfachere Bedienung

Damit der Nutzer zur Steuerung nicht ständig das Smartphone oder Tablet zur Hand nehmen muss, ermöglichen beide Lautsprecher das Abspeichern von Voreinstellungen, die sich direkt und schnell über den Wählregler aufrufen lassen. Die Presets können aus diversen Spotify-Playlisten oder Internet-Sendern bestehen. Per Spotify Connect lassen sich die Klanggeber – Premium-Account vorausgesetzt – zudem direkt aus der App heraus und ohne Bluetooth-Verbindung ansteuern. Dafür müssen sich das Quellgerät mit der Applikation und der Lautsprecher lediglich im gleichen WLAN-Netzwerk befinden. Gleiches gilt für Dienste, welche Chromecast unterstützen. Über diesen kann das System auf Wunsch auch unter der Verwendung des Google Assistenten per Sprachbefehl gesteuert werden.

Ohne Standortfreigabe keine Einrichtung

So gut wie sich die Lautsprecher äußerlich überwiegend präsentieren, so zwiespältig ist der Eindruck, den die Software hinterlässt. Sie fällt gleich zu Anfang damit auf, dass sie zur Einrichtung den Standort des Nutzers auf dem Quellgerät wissen möchte. Ohne die Freigabe bleibt der Zugang zu den Einstellungen verwehrt, dies gilt auch für später. Wofür? Auch findet sich auf der Verpackung kein Hinweis, dass die Lautsprecher nur mit einer entsprechenden Freigabe des Standortes im Grunde genutzt werden können.

Generell lässt sich das System leicht einrichten, es müssen nur die Anweisungen auf dem Bildschirm befolgt werden. Zur Einrichtung muss lediglich das eigene WLAN-Netzwerk und für den gefundenen Lautsprecher ein Name gewählt werden. Im Test kam es hierbei aber des Öfteren zu Verbindungsabbrüchen.

Urbanears Baggen und Stammen im Test (Screenshots)

Software mit wenigen Funktionen

Die Software dient letzten Endes lediglich der Einrichtung sowie Steuerung des Systems und der Belegung der Favoriten. Diese steht für Android ab Version 4.0.4 und iOS ab Version 9 bereit.

Im Vergleich zur Software anderer Multiroom-Systeme hat Urbanears aber deutlich das Nachsehen, besonders vom Klassenprimus Sonos trennen den Hersteller Welten – und das, obwohl sich Sonos mit der letzten Versionsstufe seiner Software deutlich Kritik gefallen lassen musste. Wenn nicht gerade die Favoriten gewählt werden, oder der Nutzer sich außerhalb von Spotify Connect oder Chromecast bewegt, ist in den meisten Fällen ein per Bluetooth oder Kabel angeschlossenes Quellgerät notwendig. Somit wird die Bewegungsfreiheit deutlich eingeschränkt.

Andere Systeme mit deutlichem Vorsprung

Hier besitzen Systeme wie von Raumfeld oder Sonos einen großen Vorteil: Mit diesen kann der Nutzer unter anderem auf eine stationär gespeicherte Musiksammlung zurückgreifen. Bei Sonos laufen die zahlreichen unterstützten Dienste zudem über das System und nicht über das Quellgerät ab. Ein Smartphone oder Tablet dient in solch einem Fall also lediglich als Fernbedienung.

Je nach System können aber auch auf dem Gerät gespeicherte Titel eingebunden werden. Im Gegensatz zu den beiden getesteten Lautsprechern geschieht dies aber über das heimische WLAN-Netzwerk, mit welchem man sich in den eigenen vier Wänden deutlich freier bewegen kann als mit einer Quelle, bei welcher auf die direkte Reichweite zum Lautsprecher geachtet werden muss. Dies wirkt sich darüber hinaus natürlich auch auf den Energieverbrauch aus. Sollte jedoch einmal ein Streaming-Dienst genutzt werden, welcher keine offizielle Unterstützung des Systems findet, birgt die Bluetooth-Lösung natürlich gewisse Vorteile.

Auf der anderen Seite besitzen fast alle Multiroom-Systeme mittlerweile einen Eingang, an dem sich schnell ein Bluetooth-Empfänger anschließen lässt, mit welchem die Musik ebenfalls in mehrere Räume übertragen werden kann.

Ein weiterer Vorteil der Lösung anderer Hersteller liegt in der Kombination verschiedener Quellen: So können unter Sonos zum Beispiel Titel diverser Streaming-Anbieter und der heimischen Bibliothek in einer Abspielliste gemischt werden, da alle Quellen übersichtlich und leicht zu bedienen in dem System integriert sind. Dies ist bei den beiden Urbanears nicht möglich.

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