Kindle Oasis 2 im Test: Die verbesserte E-Book-Reader-Designstudie

Michael Schäfer 41 Kommentare
Kindle Oasis 2 im Test: Die verbesserte E-Book-Reader-Designstudie

tl;dr: Trotz größeren Displays, Wasserschutz, Aluminium und Bluetooth-Modul ist der E-Book-Reader Amazon Oasis 2 mehr Evolution statt Revolution. Zwar überzeugt die Software, doch das System ist weiterhin verschlossen und selbst ein Blaulichtfilter fehlt.

Edles, aber teils unpraktisches Äußeres

Gegenüber dem Vorgänger hat Amazon beim neuen Oasis das Display von bisher sechs auf sieben Zoll anwachsen lassen, womit sich auch die Ausmaße und das Gewicht des E-Book-Readers leicht geändert haben. An der gewählten asymmetrischen Designsprache des Vorgängers hält der Online-Händler weiter fest: Nach wie vor besteht die rechte Seite aus einem an eine umgeschlagene Zeitung erinnernden Wulst, der die komplette Technik samt Energiespeicher und vorderseitigen Blättertasten beinhaltet und gegenüber der ersten Generation sogar um 0,2 Millimeter dünner geworden ist.

Kindle Oasis 2 im Test
Kindle Oasis 2 im Test

Auf der gegenüberliegenden Seite ist der neue Oasis hingegen nach wie vor 3,4 Millimeter dick. Der Knopf zum Ein- beziehungsweise Ausschalten befindet sich immer noch oben, der USB-Anschluss ist jedoch an die Unterseite gewandert. Über einen Kartenslot verfügt auch der neue Kindle erwartungsgemäß nicht.

Aluminium statt Kunststoff

Es offenbaren sich jedoch noch deutlichere Unterschiede. So lässt Amazon den neuen Reader nicht wie bisher aus schwarzem Kunststoff, sondern aus gebürstetem Aluminium fertigen. Dies verleiht dem High-End-Reader ein deutlich edleres Erscheinungsbild. Die Spaltmaße sind gewohnt gleichmäßig und gering, der Reader selbst ist gut verarbeitet. Die Kanten dagegen sind aufgrund des Aluminiums relativ kantig, was bei längerem Halten unangenehm werden kann.

Aus gebürsteten Aluminium gefertigter Oasis 2
Aus gebürsteten Aluminium gefertigter Oasis 2
Die Hülle umgibt nicht den gesamten E-Book-Reader
Die Hülle umgibt nicht den gesamten E-Book-Reader

Das verwendete Material besitzt noch weitere Nachteile: So fühlt sich die Rückseite gegenüber dem Vorgängermodell aus Kunststoff deutlich kühler an. Das mag in warmen Sommermonaten noch als angenehm empfunden werden, in der jetzigen kälteren Jahreszeit kann sich dieser Umstand aber schnell ins Gegenteil umkehren.

Eine Hülle schafft dabei nur bedingt Abhilfe, denn diese umgibt auch das neue Modell nicht komplett. Die Wulst, an der das Lesegerät meist gehalten wird, bleibt offen – beim Ablegen auf härteren Oberflächen ist somit die Gefahr von Kratzern gegeben. Des Weiteren sollte der magnetischen Halterung nicht zu viel Vertrauen geschenkt werden; ein zu starker Ruck und die Hülle löst sich vom Reader.

Kein geteilter Akku mehr

Durch die größeren Ausmaße des Readers bietet dieser nun Platz für einen größeren Akku, womit die Aufteilung des Stromspeichers in Reader und Hülle obsolet wird – gleiches gilt für die kurzen Lesezeiten des Vorgängers ohne Akkuhülle.

Ein- bzw. Ausschalter und USB-Anschluss gehen getrennte Wege
Ein- bzw. Ausschalter und USB-Anschluss gehen getrennte Wege
Ein- bzw. Ausschalter und USB-Anschluss gehen getrennte Wege
Ein- bzw. Ausschalter und USB-Anschluss gehen getrennte Wege

Erster wasserdichter Kindle

Als erster Kindle verfügt der Oasis über einen Wasserschutz mit IP68-Zertifizierung. Mit dieser soll der Reader ein Untertauchen von bis zu 60 Minuten in einer Wassertiefe von bis zu zwei Metern ohne Schaden überstehen. Zugleich ist dieser vor Staub geschützt. Aber auch hier zeigte sich die Aluminium-Rückseite als Stolperstein, da der Reader in Verbindung mit Wasser schnell aus der Hand gleiten kann. Darüber hinaus weist der Touchscreen unter Nässe die üblichen Fehleingaben auf.

Gewachsenes Display

Wie bereits erwähnt, ist der Bildschirm des neuen Oasis auf sieben Zoll angewachsen. Die Auflösung erhöht sich auf 1.264 × 1.680 Bildpunkte, womit die Pixeldichte gegenüber dem Vorgänger mit 300 ppi unverändert bleibt.

Hohe Leuchtkraft ohne Blaufilter

Die Leuchtstärke ist im Maximum mit durchschnittlich 173 cd/m² für einen E-Book-Reader relativ hoch, dieser Wert dürfte im Alltag nur selten Verwendung finden. Über einen Filter zur Reduzierung der blauen Anteile im Licht verfügt der Oasis 2 jedoch nicht. Dementsprechend hätte Amazon dafür sorgen können, dass die Farbtemperatur bei 5.300 Kelvin etwas wärmer ausfällt.

Kindle Oasis 2 mit erstklassiker Darstellung
Kindle Oasis 2 mit erstklassiker Darstellung

Der kompakten Bauweise geschuldet, werden beim neuen Reader wie bereits beim Vorgänger die zur Beleuchtung benötigten LEDs nicht am unteren Rand, sondern wie die restliche Technik im rechten Rand verbaut. So ergeben sich bei maximaler Helligkeit erkennbare horizontale Verläufe, welche bei normaler Lichtstärke jedoch kaum auffallen.

Helligkeitsverteilung des Kindle Oasis 2 in cd/m²
155 175 182
172 180 182
168 172 178
Durchschnittshelligkeit: 173 cd/m²
Farbtemperatur: 5.361 Kelvin

Eine Neuerung besteht in der automatischen Helligkeitsanpassung, für welche zwei verbaute Sensoren sorgen. Mit dieser passt sich die Lichtstärke der jeweiligen Umgebung an, was die Augen entlasten soll. In Kombination mit einer speziellen Nachtlicht-Funktion wird zudem die Helligkeit in dunklen Räumen schrittweise verringert, damit sich die Augen langsam der Dunkelheit anpassen können.

Das vorliegende Testgerät weist einen Pixelfehlers auf, welcher besonders bei der invertierten Darstellung auffällt. Wenn auch bei Displays nie gänzlich ausgeschlossen, für Endkunden durchaus ein Grund, den Reader zurückzuschicken.

Guter Kontrast erst nach Nachbesserung

In den Grundeinstellungen verfügt der Oasis 2 über einen weniger überzeugenden Kontrast und muss sich hier anderen Reader wie dem Kindle Paperwhite, dem Aura One von Kobo oder dem Tolino Epos geschlagen geben. Durch Änderungen in den Schrifteinstellungen kann das Problem jedoch schnell behoben werden, dazu später mehr.

Spezifikationen

Kindle Oasis 2 Kindle Oasis Tolino Epos Kobo Aura One PocketBook InkPad 2 Icarus Illumina XL Tolino Vision 4 HD
OS: Unbekannt Android Linux Android 4.2 Android
Display: 7 Zoll, 1.264 × 1.680 pixel
(300 ppi)
16 Graustufen, beleuchtet
6 Zoll, 1.080 × 1.440 pixel
(300 ppi)
16 Graustufen, beleuchtet
7,8 Zoll, 1.404 × 1.872 Pixel
(300 ppi)
16 Graustufen, beleuchtet
8 Zoll, 1.200 × 1.600 Pixel
(250 ppi)
16 Graustufen, beleuchtet
8 Zoll, 768 × 1.024 Pixel
(160 ppi)
16 Graustufen, beleuchtet
6 Zoll, 1.072 × 1.448 Pixel
(300 ppi), 16 Graustufen
Technologie: E-Ink Carta E-Ink Pearl E-Ink-Carta
Blaulichtfilter:
Bedienung: Touch
CPU: 1 GHz K. A. 1 GHz
Arbeitsspeicher: 512 MB K. A. 512 MB
Speicher: 8 GB oder 32GB
nicht erweiterbar
4 GB, nicht erweiterbar 8 GB, nicht erweiterbar 4 GB, nicht erweiterbar 8 GB, erweiterbar 8 GB, nicht erweiterbar
Übertragungsstandards: WLAN 802.11 b/g/n
Bluetooth
optional 3G
WLAN 802.11 b/g/n
optional 3G
WLAN 802.11 b/g/n
Akku: Unbekannt 1.200 mAh 2.500 mAh 2.800 mAh 1.500 mAh
Abmessung: 141 × 159 × 7,8 mm 122 × 143 × 8,5 mm 140 × 209 × 8,2 mm 138,5 × 195,1 × 6,9 mm 163 × 195 × 7 mm 145 × 200 × 9 mm 163 × 114 × 8,1 mm
Gewicht: 194 Gramm 131 Gramm (ohne Hülle)
240 Gramm (mit Hülle)
260 Gramm 252 Gramm 305 Gramm 275 Gramm 175 Gramm
Unterstützte Formate: Kindle Format 8 (AZW3), Kindle (AZW), PDF, Mobi (ungeschützt), PRC (nativ) EPUB, PDF, TXT EPUB, PDF, FB2, FB2.ZIP, TXT, DJVU, HTML, DOC, DOCX, RTF, CHM, TCR, Mobi EPUB, PDF, CBR, CHM, DJVU, DOC, DocX, FB2, HTML, PRC, RTF, TCR, TXT EPUB, PDF, FB2, RTF, Mobi, TXT, HTM EPUB, PDF, TXT
Unterstützte DRM-Formate: Kindle Format 8 (AZW3), Kindle (AZW) Adobe-DRM
Wasserschutz:
Lieferumfang: Lesegerät, USB-2.0-Lade-und-Verbindungskabel (USB Typ A auf Micro B), Kurzanleitung Lesegerät, easy2connect-USB-Kabel (USB-2.0-Lade-und-Verbindungskabel), Kurzanleitung Lesegerät, USB-2.0-Lade-und-Verbindungskabel (USB Typ A auf Micro B), Kurzanleitung Lesegerät, easy2connect-USB-Kabel (USB-2.0-Lade-und-Verbindungskabel), Kurzanleitung
Preis (UVP): WLAN (8 GB): 229,99 Euro
WLAN (32 GB): 259,99 Euro
3G (32 GB): 319,99 Euro
WLAN: 289,99 Euro
3G: 349,99 Euro
249 Euro 229 Euro 199 Euro 199,95 Euro 179 Euro

Enge Formatunterstützung

Inhalte lassen sich in unterschiedlicher Form auf den Reader bringen, auch wenn die Konkurrenz hier teilweise mehr Möglichkeiten bietet. Neben dem Übertragen per USB-Verbindung können Inhalte direkt aus dem integrierten Kindle-Shop geladen und zudem mit anderen Kindle-Lesegeräten synchronisiert werden – bei der 3G-Variante sogar über eine Mobilfunkverbindung. Ebenfalls möglich ist das Übertragen von Inhalten per E-Mail.

Verschlossenes System

Auch mit dem Oasis 2 bricht Amazon nicht mit der „Tradition“ einer geringen Formatunterstützung. Nach wie vor werden von diesem nur das eigene AZW-Format sowie Mobi und PDF unterstützt, EPUB muss wie immer draußen bleiben. Dank des bereits vor geraumer Zeit eingeläuteten Wechsels vieler Verlage vom bisher recht nutzerunfreundlichen harten DRM von Adobe hin zum weichen Rechtemanagement per Wasserzeichen lassen sich via Software (zum Beispiel der E-Book-Verwaltung „Calibre“) viele digitale Bücher für den Kindle umwandeln. Somit sind deren Nutzer nicht mehr ausschließlich auf den Kindle-Shop angewiesen. Bücher des Leihservices der öffentlichen Bibliothek „Onleihe“ können jedoch nicht genutzt werden.

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