Flash-Streit: Toshiba und Western Digital haben sich geeinigt

Michael Günsch 3 Kommentare
Flash-Streit: Toshiba und Western Digital haben sich geeinigt
Bild: Toshiba

Monatelang befanden sich Toshiba und Western Digital im Streit. Die langjährige Partnerschaft bei der Produktion von NAND-Flash drohte am Disput um den Verkauf von Toshibas Speichersparte zu zerbrechen. Doch jetzt haben sich die Streithähne darauf geeinigt, die laufenden Verfahren einzustellen. Die Partnerschaft wird ausgebaut.

Bereits in den vergangenen Tagen mehrten sich unbestätigte Berichte, dass beide Unternehmen kurz vor einer Einigung stünden. Die Gerüchte sollten Recht behalten, denn die „globale Vereinbarung“ wurde nun offiziell verkündet. Sowohl bei Toshiba als auch bei Western Digital ist die Meldung zu lesen.

Rechtsstreits werden beigelegt, grünes Licht für Verkauf von TMC

Die nun getroffene Vereinbarung umfasst, dass beide Unternehmen „alle offenen Streitigkeiten beilegen“. Damit werde sichergestellt, dass nun alle Parteien mit dem Verkauf der Toshiba Memory Corporation (TMC) an K.K. Pangea einverstanden sind. Toshiba hält an dem Zeitplan fest, dass die Transaktion bis Ende März 2018 abgeschlossen wird. Zudem haben sich die Parteien auf „gegenseitigen Schutz ihrer Vermögenswerte und vertraulichen Informationen“ geeinigt – gerade in diesem Punkt hatte Western Digital Bedenken geäußert, zählen zu den Investoren doch auch die direkten Konkurrenten Seagate und SK Hynix.

Toshiba und Western Digital investieren gemeinsam in neue Fabriken

Auch der Streit um künftige Investitionen in neue Produktionsanlagen wurde beigelegt. Toshiba wollte eine neue Fabrik für NAND-Flash im Alleingang errichten, Western Digital hatte dagegen geklagt. Jetzt steht fest, dass beide Parteien gemeinsam sowohl in die Fab 6 in Yokkaichi als auch in die Wafer-Fabrik in Iwate investieren. Die Fab 6 ist einzig für die Herstellung von BiCS Flash, den 3D-NAND von Toshiba und Western Digital, bestimmt und soll im kommenden Jahr in die Serienfertigung starten.

Joint Ventures für NAND-Flash verlängert

Ein weiterer, vor allem für Western Digital entscheidender Punkt betrifft die Zukunft der mit Toshiba betriebenen Joint Ventures. Ohne diese würde Western Digital den direkten Zugriff auf NAND-Flash-Chips verlieren. Western Digital hatte die Joint Ventures durch den Kauf von SanDisk übernommen. Nun wurde vereinbart, dass die Laufzeiten aller drei „Flash Ventures“ verlängert werden: Flash Alliance läuft nun bis zum 31. Dezember 2029, Flash Forward bis zum 31. Dezember 2027 und Flash Partners wurde bereits zuvor bis zum 31. Dezember 2029 verlängert.

Hintergrundgeschichte

Da Toshiba insbesondere durch hohe Verluste im Geschäft mit Atomkraftwerken in den USA in finanzielle Not geriet, hatte sich der Konzern dazu entschlossen, die lukrative Speichersparte zu verkaufen. Angesichts der anhaltend hohen Nachfrage und Profite im Geschäft mit NAND-Flash war die Zahl der Interessenten groß.

Western Digital war allerdings nicht damit einverstanden, dass Toshiba das Speichergeschäft ohne Einwilligung des Partners verkauft. Im Mai zog Western Digital vor Gericht und strebte ein Schlichtungsverfahren vor der Internationalen Handelskammer (ICC) an. Später sollte eine gerichtliche Verfügung von einem US-Gericht den Verkauf stoppen. Toshiba konterte mit einem Antrag auf eine einstweilige Verfügung vor einem Bezirksgericht in Japan und forderte Schadenersatz.

Ende September fanden die verzögerten Verkaufsverhandlungen vorerst ein Ende und Toshiba verkündete, dass ein von Bain Capital angeführtes Konsortium den Zuschlag zum Kauf der Speichersparte erhält. Western Digital zog empört erneut vor Gericht.

Stimmen der Unternehmen zur Einigung

We are very pleased to have reached this outcome, which clearly benefits all involved. With the concerns about litigation and arbitration removed, we look forward to renewing our collaboration with Western Digital, and accelerating TMC’s growth to meet growing global demand for flash memory. Toshiba also remains on track to complete our transaction with the consortium led by Bain Capital by the end of March 2018. This will ensure that TMC has the resources it needs to continue to innovate and deliver for a fast-growing flash memory market, particularly in areas driven forward by advances in AI and IoT.

Dr. Yasuo Naruke, Senior Executive Vice President von Toshiba und CEO von TMC

Western Digital’s core priorities have always been to protect the JVs and ensure their success and longevity, guarantee long-term access to NAND supply, protect our interests in the JVs, and create long-term value for our stakeholders. We are very pleased that these agreements accomplish these critical goals, allow Toshiba to achieve its objectives, and also enable us to continue delivering on the power of our platform. I want to thank the hardworking teams at Western Digital and TMC for the dedication they have exhibited over the past several months, operating the JVs without interruption, and we look forward to building upon the success of our 17 year partnership.

Steve Milligan, CEO von Western Digital

Bain Capital is pleased that Toshiba and Western Digital have resolved all outstanding legal disputes. The settlement represents the best possible outcome for all parties, clearing the way for the Bain Capital-led consortium to complete its acquisition of TMC as planned. We look forward to supporting TMC to achieve its strategic objectives while enhancing these important JVs with Western Digital.

Yuji Sugimoto, Managing Director, Head of Japan bei Bain Capital