USB-SSD-Gehäuse im Test: Silverstone und Sharkoon mit USB 3.1 für M.2 und 2,5"

Michael Günsch et al. 70 Kommentare
USB-SSD-Gehäuse im Test: Silverstone und Sharkoon mit USB 3.1 für M.2 und 2,5"

tl;dr: Zwei völlig unterschiedliche Formate bedienen die USB-SSD-Gehäuse von Silverstone und Sharkoon. Viel Aluminium und schnelles USB 3.1 haben sie aber gemein. Mit wenigen Handgriffen lässt sich eine SSD in ein externes Laufwerk verwandeln, das unter Umständen günstiger und schneller als fertige Lösungen im Handel ist.

Zwei komplett verschiedene USB-SSD-Gehäuse

Mittlerweile gibt es zwar zahlreiche gebrauchsfertige externe SSDs zu kaufen, doch stellen Selbstbau-Lösungen in mehrerer Hinsicht eine erwägenswerte Alternative dar. Zum einen können Gehäuse und SSD nach eigenen Vorlieben kombiniert werden. Zudem lässt sich ein ausgedientes internes Laufwerk auf diesem Weg als externer Datenträger wiederverwenden. Auch preislich kann der Eigenbau Vorteile bieten, denn fertige Produkte sind in der Regel etwas teurer.

ComputerBase hat zwei USB-SSD-Gehäuse mit völlig unterschiedlichem Format unter die Lupe genommen. Das Silverstone MS09 verwandelt eine schlanke M.2-SSD in einen USB-Stick. Das größere Sharkoon Rapid Case dient dagegen dem verbreiteten 2,5-Zoll-Formfaktor als Behausung. Technisch sind beide auf dem aktuellen Stand, denn als externe Schnittstelle wird USB 3.1 genutzt. Intern werden die SSDs über SATA angebunden, PCIe-SSDs funktionieren nicht.

USB 3.1 setzt mehr Leistung von SATA frei

Der Vorteil durch den Wechsel von USB 3.0 auf USB 3.1 liegt in der höheren Bandbreite der Schnittstelle. Statt theoretischen 5 Gbit/s Maximum sind 10 Gbit/s möglich. In der Praxis sind Transferraten von 1.100 MB/s statt 450 MB/s in der Spitze realistisch. Für die externen SSDs, die intern mit SATA arbeiten, bedeutet dies, dass höhere Transferraten als 450 MB/s möglich werden. Theoretisch kann die volle Geschwindigkeit von SATA 6 Gb/s über USB 3.1 genutzt werden, was etwa 560 MB/s bedeutet. Bei der Überführung vom SATA- auf das USB-Protokoll wird allerdings ein zusätzlicher Overhead generiert.

Testmethodik

Im Test werden zunächst beide Kandidaten auf Ausstattung und Handhabung untersucht. Für die anschließenden Leistungstests wurden folgende SSDs verwendet:

Um aussagekräftige Vergleichswerte zu haben, wurde dasselbe Testsystem wie bei den jüngsten Tests von fertigen externen SSDs aus dem Handel genutzt. Folgende Hard- und Software kam zum Einsatz, eine nähere Beschreibung ist hier zu lesen.

Silverstone MS09: USB-Stick-Gehäuse für M.2-SSDs

USB-Gehäuse für M.2-SSDs gibt es viele am Markt, fällt die Auswahl auf Modelle im USB-Stick-Format mit Schnittstelle nach Typ USB 3.1 Gen2 (10 Gbit/s) wird das Angebot allerdings kleiner.

Mit dem Silverstone MS09 hat ComputerBase ein besonders kompaktes Modell mit ein- und ausfahrbarem USB-Typ-A-Stecker erreicht, das M.2-SSDs im Format 2260 (60 mm lang) und 2280 (80 mm lang) fasst – vorausgesetzt, sie verfügen über einen M.2-Anschluss mit „B-Key“. Das ist bei M.2-Laufwerken mit SATA-Interface der Fall, reine PCIe-Express-Riegel (NVMe) bieten hingegen nur den M-Key und passen nicht.

Das Silverstone MS09 erinnert an einen langen USB-Stick und bietet die gleiche Funktionalität. Das vollständig aus Aluminium gefertigte Gehäuse misst 110 mm in der Länge (ohne USB-Stecker), 26 mm in der Breite und ist 9 mm hoch. Das Leergewicht liegt bei 38 Gramm, mit der M.2-SSD kommen nur sieben Gramm hinzu. Materialstärke und Verarbeitung vermitteln einen sehr hochwertigen Eindruck.

Zum Lieferumfang gehören eine Installationsanleitung und ein Schraubendreher. Mit letzterem müssen lediglich vier Schrauben gelöst werden, schon lässt sich der Deckel entfernen. Der Blick fällt auf eine schwarze Trägerplatine samt Bridge-Chip (VL715), die lose wie ein Schlitten durch das Gehäuse gleitet. Denn das MS09 bietet einen ein- und ausfahrbaren USB-Stecker (Typ A). Dies wird durch einen Schiebeknauf umgesetzt. Der Knauf ist ebenfalls nicht fest arretiert und wird erst beim vollständigen Zusammenbau an Ort und Stelle gehalten.

Durch leichtes Spiel beim Knauf entsteht beim Schütteln ein Klappern, was den insgesamt sehr robusten Eindruck etwas trügt. Das Ein- und Ausschieben des USB-Steckers klappt aber reibungslos und beim Herausfahren wird der Stecker arretiert, damit er beim Einstecken in die Buchse nicht wieder im Gehäuse verschwindet.

Die Installation der M.2-SSD erfolgt sehr ähnlich wie bei einem Desktop-Mainboard mit nur einer Schraube. Bohrungen für 60-mm- oder 80-mm-M.2-SSDs sind vorhanden. Anschließend wird der Schlitten samt SSD über Kopf in das Gehäuse gelegt, der Knauf auf die richtige Position gesetzt und der Deckel wieder verschraubt. Die externe SSD ist einsatzbereit! Eine bei Inaktivität fast unsichtbare LED-Anzeige gibt Auskunft über aktive Dateitransfers.

Sharkoon Rapid Case: USB 3.1 für 2,5-Zoll-SSDs

Das Sharkoon Rapid Case 2,5" USB 3.1 Type C ist für SSDs im 2,5-Zoll-Format bestimmt und ist entsprechend deutlich größer. Das ebenfalls aus Aluminium bestehende Gehäuse misst 132 mm in der Länge, 80 mm in der Breite und ist 14 mm hoch. Ohne SSD beträgt das Gewicht 77 Gramm. Mit der BX300 bestückt, zeigt die Waage 123 Gramm. Wird das Gewicht des Anschlusskabels berücksichtigt, müssen insgesamt 162 Gramm transportiert werden. Bei der Portabilität liegt das Silverstone-Modell klar in Führung.

Dem Gehäuse legt Sharkoon ebenfalls einen Schraubendreher und eine Installationsanleitung sowie besagtes Anschlusskabel bei. Das kleine Stück Schaumstoff findet in der Anleitung keine Erwähnung, was schade ist. Doch wird der Nutzen schnell klar: Das Gehäuse bietet Platz für bis zu 9,5 mm hohe SSDs. Doch meist sind die Datenträger nur 7 mm hoch. Als Lückenfüller zur Stabilisierung der SSD im Innenraum dient der Schaumstoff. Dies ist auch nötig, denn die SSD wird im Grunde nur vom SATA-Anschluss gehalten. Materialgüte und Verarbeitung sind nicht ganz so hochwertig wie bei Silverstone, dennoch entsteht ein edler Gesamteindruck.

Auf einer Stirnseite befindet sich der USB-Typ-C-Anschluss sowie eine Status-LED. Mit zwei Schrauben lässt sich die Blende herausnehmen und die anhängende Platine kommt zum Vorschein. Diese trägt den Bridge-Chip (ASM1351) für die Überführung der SATA-Signale auf das USB-3.1-Protokoll sowie den herkömmlichen Anschluss für 2,5-Zoll-SATA-Laufwerke. Die Blende auf der anderen Stirnseite lässt sich auf gleiche Weise entfernen und besitzt ein Schaumstoffpolster für das Ende der SSD. Zur Installation ist es aber nicht zwingend nötig, diese Seite zu öffnen.

Das Laufwerk wird schlicht auf den SATA-Anschluss gesteckt und anschließend im Gehäuse verstaut. Dabei bietet sich an, das Schaumstoff-Quadrat zwischen SSD und Gehäuse zu platzieren. Sollte der Transport einmal unsanft erfolgen, verhindert der Anpressdruck mögliche Schäden am SATA-Port. Platine und SSD werden bis zum Anschlag eingeschoben und die Blende wird wieder verschraubt. Das Laufwerk ist bereit für den Anschluss über das rund einen Meter lange Kabel. Dieses besitzt an beiden Enden den noch wenig verbreiteten Steckertyp C, was beim Kauf berücksichtigt werden muss. Ein Adapter auf den verbreiteten Steckertyp A liegt nicht bei.

Konfiguration Gewicht
SilverStone MS09 ohne SSD 38 g
SilverStone MS09 mit SSD (WD Blue 500GB) 45 g
Sharkoon Rapid Case USB 3.1 ohne SSD 77 g
Sharkoon Rapid Case USB 3.1 mit SSD (Crucial BX300 480GB) 123 g

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