Manipulierte Reviews: Publisher Insel Games fliegt aus Steam

Michael Günsch 44 Kommentare
Manipulierte Reviews: Publisher Insel Games fliegt aus Steam
Bild: Insel Games

Valve hat den Publisher Insel Games aus Steam verbannt. Als Grund wird die angebliche Manipulation des Review-Scores für ein eigenes Spiel genannt. Der Schritt folgte auf die Veröffentlichung einer E-Mail, die mutmaßlich vom CEO der Firma stammt. Darin wurden Mitarbeiter aufgefordert, ein eigenes Spiel über Steam zu bewerten.

CEO soll Steam-Reviews von Mitarbeitern verlangt haben

Ein Screenshot der besagten Mitteilung war erst gestern über reddit in Umlauf gebracht wurden. Im Text heißt es, dass der Titel Wild Buster unter den Verkaufserwartungen liege. Ein entsprechend wohlwollender Review-Score auf Steam sollte Abhilfe schaffen. Mitarbeiter wurden aufgefordert, den eigenen Titel über Steam zu kaufen und zu bewerten. Der Publisher wollte die Kosten zurückerstatten. Die Echtheit der Nachricht ist allerdings bisher nicht bestätigt.

Valve wirft Insel Games aus Steam

Valve reagierte dennoch prompt: Ein heute von einem Valve-Mitarbeiter veröffentlichtes Statement nimmt direkt auf den reddit-Bericht Bezug. Valve habe eigene Untersuchungen angestrebt und dabei ein „inakzeptables Verhalten“ festgestellt, bei dem angeblich „mehrere vom Publisher kontrollierte Steam-Accounts“ involviert waren. Es habe den Anschein, dass die Accounts genutzt wurden, um positive Bewertungen für die eigenen Spiele abzugeben, heißt es weiter.

Nach einem zweifelsfrei bewiesenen Vergehen klingt dies noch nicht. Dennoch hat Valve unverzüglich die Zusammenarbeit mit Insel Games eingestellt. Die Spiele des Publishers wurden aus dem Steam-Shop entfernt, die Adressen der Shop-Seiten leiten nun direkt auf die Startseite des Steam-Shops um. Kunden von Insel Games werden aber auf die betroffenen Titel in ihrer Steam-Bibliothek weiterhin zugreifen können, versichert Valve.

Co-Publisher zweifelt Echtheit der E-Mail an

Gamestar hat Insel Games sowie die in der Nachricht erwähnte Firma Interactive Media and Entertainment (IME), die bei manchen Titeln als Co-Publisher neben Insel Games tätig gewesen sei, kontaktiert. Von Insel Games habe es keine Antwort gegeben. IME habe dagegen Zweifel an der Echtheit der veröffentlichten Nachricht geäußert. „Der Publisher besitze auch nur wenige dutzend Mitarbeiter und verfüge demnach gar nicht über die Mittel, massenhaft gefälschte Reviews zu verfassen“, habe es in der Antwort geheißen. Zudem sei erklärt worden, dass Steam möglicherweise „vorschnell gehandelt“ hat.

Der Bericht von Gamestar verweist auf frühere Vorfälle ähnlicher Art. Der Entwickler von Platformica hatte vor gut einem Jahr die Manipulation der Steam-Reviews selbst eingestanden. Beim Spiel Art of Stealth war Valve ebenso wie aktuell bei Insel Games vorgegangen und verbannte es aus Steam.

Über Insel Games

Insel Games ist ein noch relativ junger Publisher von vorwiegend Free-to-Play-Titeln, der 2015 von Patrick Streppel und Christian Sauer gegründet wurde, die zuvor unter anderem für gamigo und ProSiebenGames tätig waren. Der Firmensitz liegt auf der Insel Malta.

Der Vorwurf der Manipulation betrifft das Action-MMORPG Wild Buster, das am 14. Dezember 2017 auf Steam erschienen war. Insel Games ist außerdem als Publisher für das inzwischen eingestellte Angel-MMO World of Fishing oder das Fantasy-MMORPG Guardians of Ember bekannt.

Update 14.02.2018 20:18 Uhr

Patrick Streppel, der Mitgründer und CEO von Insel Games, hat gegenüber Kotaku die Echtheit der Nachricht an die Mitarbeiter bestätigt und Stellung bezogen. Die E-Mail sei an etwa 20 Personen geschickt worden, um darauf hinzuweisen, dass ein Scheitern von Wild Buster das gesamte Unternehmen bedrohe. Tatsächlich sei das Ziel gewesen, auf diesem Weg mehr Bewertungen auch durch Freunde und Familie der Mitarbeiter zu erlangen.

Das Statement von CEO Streppel in der deutschen Übersetzung:

Am Tag des EA-Starts [Anm. d. Red.: Early Access] im Dezember wurde eine E-Mail an alle Mitarbeiter im Unternehmen geschickt (ca. 20 Personen einschließlich Freiberufler), um zu erklären, wie wichtig Bewertungen im Steam-Ökosystem sind und dass ein Scheitern von Wild Buster bedeuten würde, dass das Unternehmen in Gefahr ist. Es sollte die Unterstützung der Menschen mobilisieren, einschließlich der Werbung für das Spiel an ihre Familie und Freunde, in der Hoffnung, einfach mehr Rezensionen zu bekommen.

Es war nie beabsichtigt, irgendjemanden zu bedrohen, sondern nur die Wichtigkeit von Bewertungen für das gesamte Unternehmen hervorzuheben. Kein Mitarbeiter hat Strafen erhalten, weil er das Spiel nicht gekauft oder eine Rezension geschrieben hat. Es wurden auch nie Texte oder Anleitungen für Bewertungen bereitgestellt. Wir entschuldigen uns für die irreführende Formulierung in der E-Mail und der Praxis im Allgemeinen.

Wir, das komplette Team hinter Insel Games, werden weiter daran arbeiten, Guardians of Ember und Wild Buster zu verbessern, während wir weiterhin über andere Kanäle Zugang zu unseren Spielen bieten. Wir hoffen, dass wir das Vertrauen der Spieler durch unsere zukünftigen Aktionen wiedergewinnen können und sprechen mit Steam über diesen Vorfall.

Bis dahin können aktuelle Steam-Besitzer oder Besitzer eines Steam Key weiterhin normal spielen.

Patrick Streppel, CEO von Insel Games