Parkland-Shooting: Trump trifft Gaming-Vertreter wegen Gewalt in Spielen

Frank Hüber 268 Kommentare
Parkland-Shooting: Trump trifft Gaming-Vertreter wegen Gewalt in Spielen
Bild: Activision

US-Präsident Trump hat sich als Reaktion auf den jüngsten Amoklauf, wie Anfang März angekündigt, mit Vertretern der Spielebranche getroffen, um das Thema Gewalt in Videospielen zu diskutieren. Der Grund: Trump macht gewalttätige Spiele mitverantwortlich dafür, dass ein 19-Jähriger an seiner ehemaligen Schule zur Waffe griff.

Zu Beginn des Treffens ließ Trump den Teilnehmern einen eigens vom Weißen Haus erstellten Videozusammenschnitt brutaler Szenen diverser Spiele vorführen. Das Video wurde später auch auf den eigenen offiziellen YouTube-Kanal gestellt, wenn auch nicht öffentlich gelistet. Das Video enthält Szenen verschiedener Spiele, unter anderem von Wolfenstein, Fallout 4, Call of Duty und Fallout 3. Interessante Anekdote am Rande: Trumps Bruder ist im Vorstand von Zenimax, der Muttergesellschaft von Bethesda.

Das ist gewalttätig, oder?“, kommentiert Trump, nachdem der Clip geendet hat. „Ich höre mehr und mehr Menschen sagen, dass der Gewaltgrad in Videospielen die Gedanken junger Menschen wirklich prägt“, wird Trump auf Kotaku zitiert. Ein Zusammenhang zwischen Videospielen und den Ereignissen in Parkland ließ sich bisher jedoch nicht erkennen.

Spielebranche trifft auf Präsident und Elternvertreter

An dem Treffen nahmen als Industrievertreter unter anderem der Chef des Entertainment Software Rating Boards (ESRB) sowie die CEOs von Take Two und Bethesda teil. Auf der Gegenseite standen der Autor eines Buches, welches gewalthaltige Spiele als Mittel bezeichnet „Killer heranzuziehen“, sowie Vertreter der Organisation Parents Television Council (PTC). Diese hat es sich laut Website zur Aufgabe gemacht, „Kinder und Familien vor abgebildeten Sex, Gewalt und Obszönitäten in den Medien“ zu bewahren.

Maßnahmen und Inhalte nicht bekannt

Über den konkreten Inhalt der Gespräche ist indes nur wenig bekannt. In einem Statement zum Treffen schreibt PTC-Direktorin Melissa Hensen unter anderem, dass sich die Videospiel-Industrie noch immer bemühen würde „den Status quo beibehalten zu wollen“ und Hensen gibt an, dass es ihr in dem Meeting mit Trump möglich war, zu intervenieren und aufzudecken „wie unwahr diese Ausreden sind“.

Ars Technica verweist auf eine aktuelle Studie der Universität New York, bei welcher man keine Beweise gefunden hat, dass Videospiele Gewalt fördern. Einige Anwälte, die an der Besprechung teilgenommen haben, teilen die Meinung dieser Studie. Senator Marco Rubio bestätigte gegenüber der Washington Post: „Eltern kennen die Mittel, die ihnen zur Verfügung stehen, um die Medien, welchen ihre Kinder ausgesetzt sind, zu überwachen und zu kontrollieren.

Wie The Verge berichtet, wurde in dem Treffen nur wenig über konkrete Beschränkungen von Seiten der Regierung gesprochen. Es ging mehr um Möglichkeiten, welche die Industrie selbst einführen könnte. Strengere Altersbeschränkungen etwa. Hier soll Trump auch die Entwickler bestärkt haben, die eigene Branche in Richtung einer „gesünderen Gemeinschaft“ zu lenken.

Weitere Schritte erfordern Gesetzesänderung

Auf Seiten der Demokraten häufen sich mittlerweile die Stimmen, Trump würde mit solchen Treffen nur Zeit verschwenden und von der Notwendigkeit stärkerer Kontrollen bei Waffen ablenken.

Ob die Regierung nach dem Treffen konkrete Schritte plant, ist unklar. Klar ist nur, dass rechtliche Einschränkungen zum Vertrieb bestimmter Spiele auch in den USA umfangreiche Anpassungen am geltenden Gesetz verlangen würden. Zudem kam es bereits nach einem Amoklauf 2013 zum Treffen von Vertretern der Gaming-Branche und dem damaligen Vizepräsident Joe Biden. Den Gesprächen über die Auswirkungen von Gewalt in Spielen folgten damals keine konkreten Taten.

Update 13.03.2018 21:37 Uhr

Die gemeinnützige Organisation „Games for Change“ hat in Reaktion auf das gewalthaltige Video des Weißen Hauses ein eigenes Video erstellt. Dieses enthält einen Querschnitt denkwürdiger Momente aus verschiedenen Videospielen.

Wir haben es über das Wochenende erstellt. Es ist mehr ein Liebesbrief an die Industrie und das Medium. Wir hoffen, es trägt zur Konversation bei und demonstriert die Schönheit und die Freude von Spielen in einer Art und Weise, welche sich sehr von dem Video des Weißen Hauses unterscheidet.

Games for Change

Das Video enthält unter anderem Szenen aus Life is Strange, The Last of Us, Never Alone und Zelda: Breath of the Wild. Am Ende des Videos wird nochmals allen Entwicklern und Spielern gedankt, mit dem Hinweis all dies fortzuführen.