Lian Li B4-mATX im Test: Erstklassiges Kompaktgehäuse mit Aufwand und Holz
Das Lian Li B4-mATX ist eine Symbiose aus Know-how und erstklassiger Verarbeitung. Das Gehäuse entstand abermals in Kooperation mit dem SFF-Spezialisten DAN Cases. Das minimalistische Design sowie der Fakt, dass es sowohl liegend als auch als Tower aufgestellt werden kann, stechen hervor. Einen kleinen Dämpfer gibt es jedoch.
Das zweite Kooperationsgehäuse
Die Kooperation Lian Li & DAN Cases
Bereits ohne auf irgendwelche Features einzugehen, ist das Lian Li B4-mATX im Grunde eine Besonderheit für sich. Das kleine Micro-ATX-Gehäuse entstammt der Feder des Community-Mitglieds bigdaniel, der mittlerweile seit 2013 an Gehäusen tüftelt.
Was seinerzeit als hobbymäßige Vision eines möglichst kleinen SFX-Gehäuses begann, wurde wenig später zur Berufung und anknüpfend daran zur eigenen Firma, die jüngst ihr 10-jähriges Jubiläum feierte. Wie schon beim ersten Kooperationsgehäuse, dem Lian Li A4-H2O (Test), übernimmt Lian Li die Fertigung und den Vertrieb des neuen Gehäuses.
Preise, Varianten und Verfügbarkeit
Das Lian Li B4-mATX kann als Mesh-Edition mit einer Lochgitter-Front oder als Wood-Edition mit einer Holzpaneel-Front gewählt werden. Hinsichtlich der Farbauswahl kann zwischen Schwarz und Weiß gewählt werden.
| Modell | Farbe | UVP | Preisvergleich |
|---|---|---|---|
| Lian Li B4-mATX, Mesh-Edition | schwarz | 69,99 Euro | ab 70 Euro |
| weiß | 74,99 Euro | ab 75 Euro | |
| Lian Li B4-mATX, Wood-Edition | schwarz | 84,99 Euro | ab 85 Euro |
| weiß | 89,99 Euro | Preisvergleich | |
| Vertical AeroDeck | schwarz | 29,99 Euro | ab 40 Euro |
| weiß | k. A. |
Die Mesh-Versionen starten bei einer Preisempfehlung von 70 Euro. Mit Holzfront werden 85 Euro aufgerufen. Die beiden weißen Varianten kosten jeweils 5 Euro Aufpreis. Wer das Gehäuse vertikal aufstellen möchte (Erklärungen folgen im unteren Abschnitt), benötigt das optionale „Vertical AeroDeck“, das mit 30 Euro bepreist ist. Die Verfügbarkeit zeigt sich aktuell teils kritisch. Trotz bereits erfolgtem Marktstart Ende Juni 2026 wird das Gehäuse nur vereinzelt gelistet. Die beiden weißen Varianten sind derzeit nur zum überhöhten Preis bei einem Händler gelistet. Eine Nachfrage von ComputerBase bei Lian Li zur Verfügbarkeit blieb unbeantwortet.
- Erstklassige Verarbeitungsqualität
- Kompaktes Raumwunder
- Viele Belüftungsoptionen
- Zum Tower umbaubar
- Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Spärliches Kabelmanagement
- Teils aufwändiger Ein- und Umbau
Das Gehäuse im Detail
Außen erster Güte
Äußerlich erinnert das neue Lian Li B4-mATX an eine Mischung aus dem Lian Li A3-mATX (Test) beziehungsweise dessen Holzableger A3-Wood Edition und dem Fractal Design North. Das rundum minimalistische Design wird durch die Front in Holzstrebenoptik aufgelockert. Während die Paneele bei der weißen Gehäusevariante aus Buchenholz gefertigt sind, kommt bei der schwarzen Variante Walnussholz zum Einsatz.
Deckel- und Seitenpartien bestehen beinahe vollständig aus Lochgitterelementen. Optische Ablenkungen gibt es keine. Das I/O-Panel sitzt an der vorderen Stirnseite und bietet neben den gängigen Anschlüssen auch einen USB-Typ-C-Anschluss mit Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 20 Gbit/s.
Erste Anzeichen für das Highlight des B4-mATX finden sich am Heck – wenn auch versteckt. Neben einer klappbaren Kaltgerätebuchse befinden sich hier ab Werk vier kleine Standfüße, die für die vertikale Aufrichtung montiert sind. Zur Aufstellung als Tower bedarf es des optionalen Vertical AeroDecks, das sich hervorragend einfügt. Es ist seitlich mit kleinen Glaselementen bestückt. Auf die Handhabung und Montage wird indes im späteren Verlauf eingegangen.
Hinsichtlich der Verarbeitungsqualität knüpft der kleine Spross an die Tugenden seiner Brüder um Lian Li A4 sowie A3 an und weist eine Verarbeitung allererster Güte auf. Bündige Kanten, ein sauberes Spaltmaß und eine erstklassige Materialanmutung sprechen abermals für sich.
Innen: qualitatives Raumwunder
Das Gehäuseinnere wird gänzlich ohne Werkzeug erreicht. Im Boden und an der Front sind feinmaschige Staubfilter angebracht. Die Seitenteile sowie der Deckel verzichten indes darauf. Die Außenelemente sind überaus stabil verarbeitet und weisen eine sehr gute Verwindungssteifigkeit auf.
Im Innern springt dem Nutzer zunächst ein Lüfter-Bracket entgegen. Die dahinter liegende Hardware-Kammer ist offen gehalten. Das Netzteil ist in einer Halterung hinter der Front montiert. Als Stromgeber können wahlweise SFX- oder ATX-Netzteile verbaut werden. Als einziges Komfortextra bietet das B4-mATX einen kleinen Haltearm für überlange Grafikkarten, der sowohl im horizontalen Winkel als auch in der Höhe bewegt werden kann. Größenbedingt gibt es kaum Möglichkeiten für das Kabelmanagement – ein paar wenige Ösen sind jedoch vorhanden.
Für Datenträger stehen im B4-mATX zwei Positionen zur Wahl. Ein kleineres 2,5"-Laufwerk wird vor dem Netzteil direkt an dem Frontblech verbaut. Entweder eine 3,5"- oder eine 2,5"-Festplatte wird im vorderen Bodenbereich montiert und blockiert im Falle der Nutzung somit einen Lüfterplatz.
Auf Wunsch auch als Tower
Der Clou des Lian Li B4-mATX ist ohne Frage die Möglichkeit, das Gehäuse mittels separater Blende auch als Tower aufstellen zu können – im Handumdrehen geht das jedoch nicht. Eine gesonderte Anleitung (PDF) beschreibt auf 15 Seiten die Vorgehensweise, bei der nahezu alle Anbauteile innen wie außen demontiert werden müssen.
Im Zuge des Umbaus muss auch das I/O-Panel mitsamt aller Kabel umziehen, damit es auch bei der Tower-Form weiterhin an der oberen Stirnseite sitzt. Damit im stehenden Zustand das teils starre Stromkabel nicht stört, kann die Kaltgerätebuchse eingeklappt werden. Die übrigen Kabel können entweder nach hinten oder zur rechten Seite verlegt werden. Videokabel dürfen maximal 52 mm hoch sein.
In Summe macht die Tower-Form einiges her. Wie auch das übrige Gehäuse ist die Verarbeitung auf höchstem Niveau. Der Umbauaufwand ist jedoch relativ groß und könnte für ungeübte PC-Schrauber bereits eine Herausforderung darstellen. Wer mit dem Richtungswechsel liebäugelt, sollte dies zudem direkt beim gesamten Systemeinbau in Angriff nehmen, da ansonsten das gesamte System erneut aufgebaut werden müsste.
Einbau und Alltagserfahrungen
Die Erfahrungen rund um den Hardware-Einbau decken sich mit denen des Umbaus zum stehenden Tower. Zwar sind alle Schritte nachvollziehbar, jedoch gelingt der Einbau nicht ohne Weiteres, sodass das Handbuch zu Rate gezogen werden muss.
Die eigentliche Hardware-Kammer ist zwar groß bemessen, jedoch erschweren zahlreiche Eventualitäten, die links und rechts beachtet werden müssen, den Einbau ungemein. Eine solche Handhabung ist ansonsten lediglich von Kleinstgehäusen (SFF) bekannt, bei denen es auf jeden Zentimeter und jede Kabelführung ankommt.
Zahlreiche Beschränkungen
Das Lian Li B4-mATX nimmt zwar beinahe jede aktuelle Hardware-Komponente auf, kommt dafür aber mit sehr vielen Beschränkungen daher, die es zwingend zu beachten gilt.
Große CPU-Kühler führen beispielsweise unweigerlich zum Verzicht auf die seitlichen Lüfter. Bei Verwendung eines ATX-Netzteils können seitlich mithin nur zwei Lüfter (AiO) verbaut werden. Bei den Bodenlüftern muss zugleich auf die zu verbauende Grafikkarte geachtet werden. Bei Grafikkarten, die mehr als 3,5 Slots belegen, entfallen die Bodenlüfter vollständig, bei 3-Slot-Lösungen ist zwingend auf Slim-Lüfter (Rahmenbreite 15 mm) auszuweichen und bei 2,5 Slots können herkömmliche Lüfter verwendet werden. Bei der Grafikkartenlänge muss indes der Frontlüfter beachtet werden.
Belüftungsoptionen
Trotz der kompakten Größe von 22,39 l (brutto) und 21,3 l (netto) können bis zu neun 120-mm-Lüfter gleichzeitig verbaut werden. Auch eine 360- oder 240-mm-AiO-Wasserkühlung kann verbaut werden. Die maximale Dicke des Radiatorgespanns darf je nach Anwendungsfall zwischen 52 und 55 mm liegen.
Als Besonderheit sind die Lüfterplätze im Deckel zu nennen, deren Rahmenbreite auf 15 mm beschränkt ist. Ab Werk sind zwei entsprechende Modelle ebendort bereits verbaut.
| Lian Li B4-mATX | Lian Li A3-mATX | |
|---|---|---|
| Mainboard-Format: | Micro-ATX, Mini-ITX | |
| Chassis (L × B × H): | 407 × 191 × 288 mm (22,39 Liter) | 443 × 194 × 322 mm (27,67 Liter) |
| Material: | Kunststoff, Stahl | Stahl |
| Nettogewicht: | 5,10 kg | 5,00 kg |
| I/O-Ports / Sonstiges: | 1 × USB 3.1 20 Gbit/s (USB 3.2 Gen 2x2) Type C, 2 × USB 3.0 (USB 3.2 Gen 1), HD-Audio | 1 × USB 3.1 (USB 3.2 Gen 2) Type C, 2 × USB 3.0 (USB 3.2 Gen 1), HD-Audio |
| Einschübe: | 1 × 3,5"/2,5" (intern) 1 × 2,5" (intern) |
1 × 3,5"/2,5" (intern) 2 × 2,5" (intern) |
| Erweiterungsslots: | 4 | |
| Lüfter: | Front: 1 × 120 mm (optional) Heck: 1 × 120 mm (optional) Deckel: 2 × 120 mm (2 × 120 mm inklusive) Seitenteil links: 2 × 140 mm oder 3 × 120 mm (optional) Boden: 2 × 140 mm oder 3 × 120 mm (optional) |
Heck: 1 × 120 mm (optional) Deckel: 2 × 140 mm oder 3 × 120 mm (optional) Seitenteil links: 3 × 140 mm oder 3 × 120 mm (optional) Boden: 3 × 120 mm (optional) |
| Staubfilter: | Front, Boden | Boden |
| Kompatibilität: | CPU-Kühler: 168 mm GPU: 343 mm – 358 mm Netzteil: 140 mm |
CPU-Kühler: 165 mm GPU: 258 mm – 415 mm Netzteil: 220 mm |
| Preis: | ab 70 € / ab 85 € | ab 70 € |
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