HomePod: Apple fährt Produktion des Siri-Lautsprechers zurück

Michael Schäfer 42 Kommentare
HomePod: Apple fährt Produktion des Siri-Lautsprechers zurück
Bild: Apple

Apples Lautsprecher mit integriertem Assistenten Siri HomePod soll sich bisher nicht wie von Apple erwartet verkaufen. Steigende Lagerbestände in den USA, Australien und Großbritannien hätten den Konzern deshalb dazu veranlasst, die Produktion bei den Zulieferern zurückfahren zu lassen.

Das berichtet der in der Regel sehr gut informierte Mark Gurman von Bloomberg. Bestätigungen will Gurman gleich von mehreren Personen erhalten haben, die mit dem stationären Geschäft sowie den Lieferketten vertraut sind.

Auf starken Start folgt drastischer Einbruch

Die bisherigen Absatzzahlen legen die Vermutung nah, dass sich zu Beginn zwar viele treue Apple-Kunden für einen HomePod entschieden hatten, das Interesse aber schnell abgeflacht ist. Die Vorbestellungen und auch der Verkauf mit 5.200 abgesetzten Einheiten am ersten Tag liefen demnach noch gut. In der letzten Januarwoche nach dem Marktstart hielt der HomePod so 30 Prozent am Markt für smarte Lautsprecher in den USA. In den ersten 10 Wochen nach dem Verkaufsstart soll Apple mit dem HomePod jedoch lediglich einen Marktanteil von 10 Prozent im Bereich der smarten Lautsprecher für sich verbucht haben, während Amazon mit seiner Echo-Modellserie seinen Vorsprung auf 73 Prozent kontinuierlich ausbauen konnte. Selbst Google blieb mit 14 Prozent für den Home vor Apple. Auch das berichtet Bloomberg auf Basis von Zahlen der Marktforscher von Slice Intelligence. Der Grund: Kurz nach dem Verkaufsstart begannen die Absatzzahlen drastisch zurückzugehen.

So soll Apple bereits am zweiten Tag nach der Markteinführung nur noch 500 Einheiten des HomePods in den USA verkauft haben, am dritten Tag soll die Zahl auf 200 weiter gefallen sein. Mittlerweile sollen in den USA in einigen Apple Stores nur noch 10 HomePods pro Tag verkauft werden, was den Marktanteil des HomePods mittlerweile auf 4 Prozent drückt.

Einschränkungen als einer der Gründe

Analysten sehen mehrere Gründe für die geringen Absatzzahlen: So nutzen Echo-Nutzer ihre Lautsprecher auch und gerade als digitalen Assistenten zum Beispiel für das Bestellen von Essen oder das Beantworten von Fragen. Apples Assistent Siri liegt hier gegenüber der Konkurrenz zurück, die diesen Dienst darüber hinaus schon in deutlich günstigeren Geräten anbietet. Darüber hinaus ist der Lautsprecher bisher nur für das Abspielen von Apples eigenem Streaming-Dienst Apple Music ausgelegt, Spotify unterstützt er nicht. Auch hier würden andere Hersteller mit ihren Produkten Kunden einen größeren Nutzungsbereich bieten.

Der Preis stellt HomePod eher in Konkurrenz zu Sonos und dieser Hersteller ist auf dem Markt für Multi-Room-Systeme seit Jahren eine etablierte Größe. Diese Systeme lassen sich seit Jahren auch als Stereo- oder Multiroom-Set koppeln, eine Funktion, die Apple vorerst verschoben hat und noch per Update nachliefern muss. Dass die Mitte Februar aufkommenden Meldungen über Beschädigungen an Möbeln durch den am HomePod angebrachten Silikonring dem System zum Marktstart nicht geholfen haben, liegt auf der Hand.

Apple soll deutlich hinter der Konkurrenz bleiben

Gene Munster, Mitbegründer von Loup Ventures und jahrelanger Apple-Beobachter, rechnet damit, dass die Absatzzahlen des HomePods zwar vor allem während des Weihnachtsgeschäftes Ende des Jahres deutlich anziehen werden und prognostiziert 7 Millionen verkaufte Lautsprecher in diesem und 11 Millionen im nächsten Jahr. Im gleichen Zeitraum soll Munster zufolge Amazon jedoch 29 und 39 Millionen Echo-Speaker verkaufen, dicht gefolgt von Google mit jeweils 18 beziehungsweise 32 Millionen abgesetzten Home-Geräten.

Erst in wenigen Ländern erhältlich

Apple hatte den HomePod im vergangenen Sommer vorgestellt und eine Markteinführung für Dezember angekündigt. Dieser Termin war aber nicht zu halten, der Lautsprecher wurde erst im Februar ausgeliefert – und das auch nur in den USA, Großbritannien und Australien. Deutschland soll laut Apple in diesem Frühjahr folgen.

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