Quartalszahlen: Amazon wird zum Cloud-Anbieter mit Online-Shop

Frank Hüber 13 Kommentare
Quartalszahlen: Amazon wird zum Cloud-Anbieter mit Online-Shop
Bild: Amazon

Amazon überrascht bei den jüngsten Quartalszahlen für das erste Quartal 2018 mit einem mehr als verdoppelten Gewinn und einem deutlich gewachsenen Umsatz. Wie bei Microsoft wird das Cloud-Geschäft für das Unternehmen dabei immer wichtiger.

Der Umsatz lag im ersten Quartal 2018 bei 51 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 43 Prozent im Jahresvergleich zum ersten Quartal 2017. Der Gewinn stieg dabei zum zweiten Mal in der Unternehmensgeschichte nach dem vierten Quartal 2017 über die Milliarden-Marke – und zwar deutlich – auf 1,6 Milliarden US-Dollar, nachdem er vor einem Jahr noch bei 724 Millionen US-Dollar lag.

Cloud-Sparte AWS ist Wachstumstreiber

Wie bei Microsoft ist auch bei Amazon vor allem die Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) ein Umsatz- und Gewinngarant. Im letzten Quartal stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 49 Prozent auf nunmehr 5,4 Milliarden US-Dollar. Amazon-CEO Jeff Bezos führt das starke Wachstum unter anderem auf den enormen zeitlichen Vorsprung zurück, den Amazon mit seiner Cloud-Sparte vor der Konkurrenz habe, da man viel früher in diesen Bereich investiert habe als andere. Ein Umstand, den auch Microsoft und Google inzwischen erkannt haben und stark investieren, was sich mit einem Wachstum von 93 Prozent für Microsoft Azure in den Bilanzen niederschlägt.

73 Prozent des operativen Ergebnisses durch AWS

Bedeutend ist dabei vor allem, dass 73 Prozent von Amazons operativem Ergebnis im letzten Quartal von AWS erwirtschaftet wurden – 1,4 Milliarden von 1,9 Milliarden US-Dollar nach 1,0 Milliarden US-Dollar im ersten Quartal 2017. Amazons ursprüngliches Kerngeschäft als Online-Versandhändler tritt beim operativen Ergebnis somit deutlich hinter das Cloud-Geschäft zurück – seit jeher ein Problem von Amazon.

Prime wird – zunächst nur in den USA – teuer

Gleichzeitig hat Amazon eine Erhöhung des Preises für Amazon Prime in den USA von 99 auf 119 US-Dollar angekündigt. Begründet wird dies von Finanzchef Brian Olsavsky unter anderem damit, dass seit der letzten Preiserhöhung in den USA vor vier Jahren fünf Mal so viele Produkte über Prime erworben werden können. Ob und wann andere Märkte ebenfalls von einer Preiserhöhung betroffen sein werden, wurde nicht kommuniziert.

Amazon hatte erst vor etwas über einer Woche erstmals Kundenzahlen zu Amazon Prime veröffentlicht, das vor 13 Jahren in den USA startete. Demnach nutzen mehr als 100 Millionen Menschen weltweit Amazon Prime.

Amazon schweigt weiter zur Kritik von US-Präsident Trump

Auf die Kritik von US-Präsident Trump von zu geringen Steuerzahlungen seitens Amazon und einer angedrohten Regulierung und Begrenzung der Marktmacht geht Amazon im jüngsten Quartalsbericht nicht weiter ein. Da Jeff Bezos auch Inhaber der Zeitung Washington Post ist, vermuten einige Medien hinter der Kritik von US-Präsident Trump insbesondere persönliche Gründe.