Philips Hue Sync im Test: Ambilight für Spiele, Videos und Musik am PC und Mac

Frank Hüber 178 Kommentare
Philips Hue Sync im Test: Ambilight für Spiele, Videos und Musik am PC und Mac

tl;dr: Philips Hue Sync demonstriert, dass Spiele, Videos oder auch Musik nicht mehr am Bildschirm oder den Boxen enden müssen. Die synchronisierte Beleuchtung ist je nach Inhalt nicht nur beeindruckend und effektvoll, sondern bietet atmosphärisch tatsächlich einen Mehrwert, den Entwickler in Zukunft nutzen sollten.

Beta-Test von Hue Sync

Bereits zur CES 2018 Anfang des Jahres hat Philips die Software Hue Sync vorgestellt, mit der sich das Lichtsystem des Herstellers in Abhängigkeit vom Bildschirminhalt des eigenen Computers und der Musikwiedergabe steuern lassen kann. Die Veröffentlichung hatte Philips für das zweite Quartal ausgerufen und steht nun unmittelbar bevor. ComputerBase konnte die Hue-Sync-Software vorab für Windows und Mac testen und einen ersten Eindruck der Ambilight-Adaption für den PC gewinnen.

Wie bei der bekannten Ambilight-Technik für Fernseher analysiert auch die kostenlose Hue-Sync-Software den dargestellten Bildinhalt und passt die Beleuchtung der Hue-Lampen so an die Farben auf dem Bildschirm an. Dabei wird nicht nur die Farbe angepasst, sondern auch die Helligkeit. Die Software überträgt die gewonnenen Informationen in Echtzeit über das Netzwerk vom PC oder Mac an die Hue Bridge, die ihrerseits wiederum die Steuerung der Lampen vornimmt.

Philips Hue Sync funktioniert nur mit der rechteckigen Philips Hue Bridge 2.0. Wer noch eine ältere Version der Bridge nutzt, kann ein Angebot von Philips nutzen und für 39,99 Euro auf das neue Modell umsteigen.

Bildschirminhalt oder Musik steuert Licht

Um die Farbsteuerung der installierten Hue-Lampen, denn am sinnvollsten ist Hue Sync mit den Lampe der Hue-White-and-Color-Ambiance-Serie von Philips, nutzen zu können, muss zunächst ein Entertainment-Bereich in der Hue App (Ersteindruck) eingerichtet werden, wobei der Nutzer auch festlegt, wo sich die verwendeten Hue-Lampen im Raum und in Relation zum Computer-Display befinden. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Farbwiedergabe der jeweiligen Lampe auch zu ihrer Positionierung passt und stimmig den Bildinhalt im Raum optisch wiedergibt.

Hue Sync ist dabei nicht auf einen Entertainment-Bereich limitiert, sondern der Nutzer kann durchaus mehrere Bereiche über einen Computer ansprechen, etwa wenn das Notebook an verschiedenen Standorten genutzt wird.

Vier Synchronisationsmodi zur Steuerung des Lichts

Nach dem Erstellen eines Entertainment-Bereichs und der Installation der Hue-Sync-App auf einem Windows- oder macOS-System kann der Nutzer die Synchronisierung starten und dabei zwischen den vier Synchronisationsmodi „Szenen“, „Spiele“, „Musik“ und „Video“ wählen.

Bei Szenen handelt es sich um eine kleine Auswahl bereits aus der Smartphone-App bekannter Vorgaben, nach denen das Licht automatisch eingestellt wird. In der Hue-Sync-App sind dies „Lesen“, „Entspannen“, „Konzentrieren“ und „Energie tanken“.

Bei dem Modus „Spiele“ kann der Nutzer einstellen, wie intensiv die Synchronisierung zwischen Spielgeschehen und Lampen ausfallen soll. Hierfür stehen die vier Optionen „Subtil“, „Normal“, „Hoch“ und „Intensiv“ zur Auswahl. Gleiches gilt auch bei dem Synchronisationsmodus „Video“. Zudem kann eingestellt werden, ob zusätzlich auch Audio für die Effekte ausgewertet werden soll. Im Modus „Musik“ kann zusätzlich zu den vier Intensitätsmodi aus fünf Farbpaletten gewählt werden, die die Basis für die Effekte bilden soll.

In der Beta-Version der Hue-Sync-App ist der Audio-Modus nach der Installation auf macOS deaktiviert und kann erst durch eine Deaktivierung der System Integrity Protection, also dem Schreibzugriff auf Systemordner, freigegeben werden, was jedoch nur über Terminal-Befehle im Recovery OS möglich ist. Dies soll jedoch nur in der Beta-Version der Fall und bei Veröffentlichung der finalen Version nicht mehr notwendig sein.

Bereiche und Tastenkombinationen zur Feinjustierung

Sofern der Nutzer mehrere Displays am Computer nutzt, kann in der Sync-App eine primäre Anzeige ausgewählt werden, deren Bildschirminhalt für die Synchronisation mit Philips Hue genutzt werden soll. Der Nutzer kann zudem wählen, ob der gesamte Bildschirm zur Synchronisation genutzt werden soll oder nur ein manuell festgelegter Bereich, etwa wenn ein Video nur im Fenstermodus betrachtet wird, dessen Inhalt jedoch die Farben der Lampen im Raum steuern soll.

Über Tastenkombinationen, die vom Nutzer individuell angelegt werden können und müssen, kann zwischen den vier Synchronisierungsmodi gewechselt oder die Helligkeit angepasst werden.

Spiele können Licht gezielt steuern

Da Philips Entwicklern Zugang zur Philips-Hue-Entertainment-API und ihren Tools gibt, können diese in Zukunft ihre Software theoretisch speziell auf Hue Sync anpassen. Bei Spielen könnte somit nicht nur der Bildschirminhalt selbst zur Steuerung des Lichts genutzt werden, sondern Entwickler könnten ganz gezielt zusätzliche Effekte in das Spiel integrieren, die sich die Lichtsteuerung zu Nutze machen, um die Atmosphäre des Spiels weiter zu verstärken. Flackerndes Licht im Rücken des Spielers könnte so etwa auf eine Hue-Lampe, die im Raum ebenfalls hinter dem Spieler positioniert ist, übertragen werden. Denkbar sind aber auch Effekte, wie sie von Razer Chroma RGB bisher bekannt sind: Hier können Entwickler zum Beispiel Reaktionen auf das Ausschalten eines Gegners oder das Aufnehmen von Items festlegen.

Ersteindruck

Sobald der Nutzer in der Hue-Sync-Software in einem der vier Modi auf „Synchronisierung starten“ klickt, wird das Licht mit dem Bildschirminhalt oder der Musikwiedergabe synchronisiert. Wie bei Ambilight auf Fernsehgeräten zeigt sich auch bei der Videowiedergabe unmittelbar, dass insbesondere die Farbe am Bildschirmrand für die Farbwiedergabe der Hue-Lampen entscheidend ist. Die sinnvolle Anordnung der Lampen im Bereich rund um den Bildschirm des Nutzers und die richtige Konfiguration des Entertainment-Bereichs in der Hue-App ist deshalb besonders wichtig, um den Effekt und die Atmosphäre möglichst gut zu übertragen.

Hue Go ist am flexibelsten

Je nach Lampenkonstellation hat sich im Test dabei die eigenständige Leuchte Philips Hue Go als besonders flexibel und empfehlenswert herausgestellt, da sie am einfachsten positioniert werden kann und mit ihr insbesondere umliegende Wände sehr gut angestrahlt werden können. Im Test kamen drei Philips Hue White and Color Ambience und eine Hue Go zum Einsatz. Sie waren rechts und links nach hinten versetzt neben dem Display, zentral dahinter und rechts daneben positioniert.

Effekt vom Spiel abhängig

Wie effektvoll und atmosphärisch unterstützend Hue Sync in Spielen wirkt, hängt sehr vom Spiel und dessen Grafikstil ab. Ein dauergrünes Zimmer in Fifa unterstützt zwar auch die Rasen-Atmosphäre, wirkt aber weitaus weniger beeindruckend als bunte Farbwechsel in Overwatch oder Far Cry 5 oder sich dimmendes, dem Spielgeschehen anpassendes Licht in Resident Evil.

Verzögerung vorhanden, fällt jedoch nicht auf

Aufgrund der Verarbeitung des Bildes und Übertragung des Signals über Funk ist bei der Synchronisation über Hue Sync eine Verzögerung vorhanden. Diese ist aber vor allem dann sichtbar, wenn man explizit darauf achtet. Beim Spielen und Betrachten von Videos fällt die Verzögerung nicht störend ins Gewicht, auch wenn sie höher ist als bei Ambilight in Fernsehgeräten.

Auch schnelle Farbwechsel werden umgesetzt

Wird in der Hue-Sync-Software die Intensität sehr hoch gewählt und ein Video mit sehr schnellen Farbwechseln wiedergegeben, werden selbst diese effektvoll auf die Lampen übertragen. Die Warnung im Zusammenhang mit Epilepsie erhält in diesem Fall unverhoffte Berechtigung.

Keine strikte Beschränkung auf Spiele oder Video

Auch wenn in der App zwischen Spielen und Video unterschieden wird, kann Hue Sync auch bei jeder anderen Darstellung des Bildschirms genutzt werden. Wird die Synchronisierung gestartet, wird das Licht so auch beim Betrachten von Fotos, dem Arbeiten in Word oder dem Scrollen auf einer Website passend eingestellt. Bei einem weißen Blatt in Word werden beispielsweise auch die Lampen hell und weiß erleuchtet.

Xbox One, PS4 und Switch sind außen vor

Hue Sync kann derzeit nur in Verbindung mit einem Windows-PC oder Mac genutzt werden. Konsolen wie die Xbox One (X), PlayStation 4 (Pro) oder Nintendo Switch können somit nicht mit den Philips-Hue-Lampen synchronisiert werden. Ihnen bleibt vorerst nur das Ambilight über einen entsprechenden Philips-Fernseher. Eine Kooperation zwischen Philips und Sony, Microsoft oder Nintendo könnte Hue Sync jedoch auch auf Konsolen bringen, steht bislang aber noch aus.

Fazit

Bei Spielen und Videos überzeugt Hue Sync

Insbesondere bei Spielen und Videos spielt Hue Sync seine Stärken aus. Wer Gefallen an Ambilight bei Fernsehern gefunden hat, dem wird auch Hue Sync für den PC beim Spielen oder der Videowiedergabe gefallen. Aufgrund der geringen, wenn auch vorhandenen Verzögerung und der tatsächlich passend zum Inhalt möglichen schnellen Farbwechsel überzeugt die automatische Lichtsteuerung. Zudem ist die Einrichtung innerhalb weniger Minuten erledigt, selbst wenn bislang keine Hue-Lampen eingesetzt werden und beispielsweise auf die eigenständigen Hue-Go-Leuchten gesetzt wird.

Ob eine Licht-Synchronisierung passend zur Musik den eigenen Nerv trifft, lässt sich weniger pauschal sagen als bei Spielen, bei denen die Farben des Spiels zu den dargestellten Farben passen. Denn auch wenn die genutzte Farbpalette zumindest eingeschränkt gewählt werden kann, wird die Umsetzung in farbiges Licht nicht immer jedem Geschmack entsprechen.

Spieleentwickler sind gefragt, Umsetzung fraglich

Einen über das bisher Gebotene zusätzlichen Mehrwert könnten Spieleentwickler in Kooperation mit Philips schaffen, wenn eben nicht mehr nur der sichtbare Bildschirminhalt selbst auf die Lampen projiziert wird, sondern gerade das, was sich außerhalb des Sichtfeldes etwa im Rücken des Spielers befindet – flackernde Lichter in düsteren Gängen, knapp verfehlende Explosionen oder auch einfach nur Sonnenuntergänge im Rücken des Spielers ließen sich so effektvoll umsetzen und eine ganz neue Atmosphäre schaffen. Weil auch Razer mit Chroma und Logitech mit Lightsync inzwischen entsprechende Alternativen anbieten und kein einheitlicher Standard in Sicht schein, ist so eine Umsetzung aber noch fraglich.

Der kostenlose Download der Hue-Sync-Software für Windows und Mac ist mittlerweile direkt auf der Hue-Website möglich.

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