Quartalszahlen: Qualcomm verliert Apple und gibt NXP-Übernahme auf

Nicolas La Rocco 30 Kommentare
Quartalszahlen: Qualcomm verliert Apple und gibt NXP-Übernahme auf

Im Rahmen der Bekanntgabe der Quartalszahlen für das dritte Quartal 2018 hat Qualcomm an gleich zwei Stellen die Bombe platzen lassen: Die Übernahme von NXP wird das Unternehmen nicht weiter verfolgen, außerdem wird Qualcomm nicht länger Apples Modem-Lieferant der zum Herbst anstehenden iPhone-Generation sein.

Schlappe für Qualcomm, Riesengewinn für Intel: In der nächsten iPhone-Generation werden ausschließlich LTE-Modems von Intel verbaut sein, wie Qualcomms Chief Finanical Officer (CFO) George Davis im sogenannten Earnings Call zur Bekanntgabe der aktuellen Quartalszahlen verlauten ließ. Qualcomm gehe davon aus, dass Apple beabsichtigt, in der nächsten iPhone-Generation ausschließlich Modems des Konkurrenten zur nutzen, sagte Davis. Qualcomm werde jedoch weiterhin Modems für ältere Generationen wie das iPhone 7 (Plus) liefern, solange diese noch produziert werden. Qualcomms Präsident Cristiano Amon bestätigte die Aussagen von Davis.

Intels bisher größter Modem-Erfolg

Für Intel ist Apples Entscheidung, alle drei neuen iPhones exklusiv mit den eigenen LTE-Modems zu bestücken, ein außerordentlicher Zugewinn und der bisher größte Erfolg der Sparte. Bisher waren Intel-Modems unter anderem in den für den deutschen Markt bestimmten iPhones verbaut, jedoch nicht in den Produkten für den US-Markt. Die Erweiterung auf das komplette neue iPhone-Sortiment bedeutet für Intel mehrere zehn Millionen mehr verkaufte Modems. Das wiederum dürfte sich alsbald im Quartalsbericht von Intel widerspiegeln.

In der nächsten iPhone-Generation wird aller Wahrscheinlichkeit nach Intels Gigabit-LTE-Modem XMM 7560 zum Einsatz kommen. In den US-Varianten des iPhone 8 (Plus) und iPhone X ist Qualcomms Gigabit-Modem Snapdragon X16 verbaut, das aufgrund Intels langsamerem XMM 7480 jedoch auf 600 Mbit/s kastriert werden muss, damit Apple auf allen Märkten gleichwertige Produkte anbieten kann. Ab 2019 will Intel mit dem XMM 7660 dann bis zu 1,6 Gbit/s erreichen, wobei Qualcomm mit dem Snapdragon X24 Anfang des nächsten Jahres schon bei 2 Gbit/s angekommen sein wird.

Übernahme von NXP scheitert am Handelsstreit

Nach rund zwei Jahren des Versuchs der Übernahme des niederländischen Halbleiterherstellers NXP gibt Qualcomm dieses Vorhaben nun doch auf. Der Übernahme hätten weltweit mehrere Regulierungsbehörden zustimmen müssen, was im Falle der EU zwar gelungen war, nun aber wohl an der Chinese State Administration for Market Regulation (SAMR) scheitern wird. Es wird davon ausgegangen, dass dies unter anderem eine Folge des Handelsstreits zwischen den USA und China ist.

Laut Quartalsbericht von Qualcomm ist das 44 Milliarden US-Dollar starke Angebot der Übernahme noch bis 23:59 Uhr US-amerikanischer Ostküstenzeit gültig, sodass diese theoretisch mit Zustimmung der SAMR noch grünes Licht bekommen könnte, davon wird allerdings nicht ausgegangen. Im Zuge der Einstellung des Übernahmeversuchs muss Qualcomm eine Abbruch-Gebühr in Höhe von 2 Milliarden US-Dollar an NXP zahlen.

Im abgelaufenen dritten Quartal 2018 liegt Qualcomms Umsatz bei 5,6 Milliarden US-Dollar, was einem Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und plus 6 Prozent gegenüber den drei Monaten zuvor entspricht. Der Nettogewinn beträgt 1,2 Milliarden US-Dollar und fällt damit 41 Prozent höher aus als noch vor einem Jahr.