Razer Huntsman Elite im Test: Infrarot-Taster und Unterboden-LEDs für 210 Euro

Max Doll 122 Kommentare
Razer Huntsman Elite im Test: Infrarot-Taster und Unterboden-LEDs für 210 Euro
Bild: Razer

tl;dr: Eine Tastatur für 210 Euro: Mehr Geld lässt sich nur noch für Kleinstserien-Eingabegeräte ausgeben. In diesem Höchstpreis-Segment überzeugt Razer mit Infrarot-Tastern, viel Ausstattung und Unterbodenbeleuchtung, das Gegenstück eines Bentleys ist die Huntsman Elite aber trotzdem nicht in jedem Aspekt.

Bis zu den Tastern neu

Für Razer markiert die Huntsman einen Paradigmenwechsel, der für die Technik, aber auch für Design und Layout gilt: Die aktuell nur in einer Abstimmung angebotenen Infrarot-Taster bedeuten eine deutliche Abkehr von den bisherigen Razer-Tastern, die technisch Cherrys MX-Modellen nachempfunden waren. Dem Design der BlackWidow Ultimate (Test) hat die Huntsman freistehende Taster und eine neue, schnörkellose Formsprache sowie Beschriftung voraus. Statt Makrotasten stehen erstmals ein Drehregler und drei dedizierte Medientasten auf der Ausstattungsliste.

Die magnetisch befestigte Handballenauflage übernimmt die Tastatur von älteren Modellen, sie besitzt nun aber wie das Gehäuse eine neue Unterbodenbeleuchtung, die wie die Zusatztasten der Elite-Version der Huntsman vorbehalten ist. Der Betrieb der Lightshow wird durch den zweiten USB-Stecker ermöglicht, der den derart gesteigerten Strombedarf deckt, weshalb der Pass-through-Port der BlackWidow entfällt. Neu ist darüber hinaus der Onboard-Speicher, der fünf Profile aufnimmt. Analog zu Corsair dominieren auch bei Razer in der Luxusklasse Beleuchtung und Konfigurierbarkeit.

Razer Huntsman Elite
Razer Huntsman
Größe (L × B × H): 44,5 × 13,9 (22,9) × 3,6 (4,8) cm
Handballenauflage
44,7 × 13,9 × 3,6 (4,8) cm
Layout: 105 ISO (erweitert) 105 ISO
Gewicht: 1.705 g 860 g
Kabel: 2,00 m, USB 2.0
Hub-Funktion:
Key-Rollover: 10-KRO
Schalter: Razer Opto-Mechanical Purple
Tasten: Form: zylindrisch
Material: ABS-Kunststoff
Beschriftung: laser cut & pad printed
Form: zylindrisch
Material: ABS-Kunststoff
Beschriftung: laser cut
Zusatztasten: 3 × Medien
Scrollrad (Helligkeit, Lautstärke)
Medienfunktionen: Stumm, Lautstärke, Abspielen/Pause, Vor/Zurück
Zusatzfunktionen: Helligkeit (regeln, ausschalten), Gaming-Modus, Makroaufnahme, System-Funktionen
Beleuchtung: Farbe: RGB
Modi: Atmungseffekt, Welleneffekt, Reaktiver Modus, umlaufende Aktivierung, Gaming-Beleuchtung, Farbschleife
Sonstige: individuelle LED-Profile
Makros & Programmierung: 5 Profile, Hardware-Wiedergabe
vollständig, softwarelos programmierbar
Preis: ab 210 € ab 119 €

Optomechanische Taster im Detail

Die Idee, mit Lichtschranken statt Metallkontakten Eingabesignale zu erzeugen, ist an sich nicht neu. Entsprechende Taster haben A4 Tech und mittlerweile auch Tesoros Gram SE Spectrum (Test) bereits als Unterbau im Einsatz. Interessant sind die „Optomechanischen Schalter“ der Huntsman aber dennoch, weil Razer anders als A4 Tech und Tesoro Cherrys MX-Taster nicht einfach mit Infrarot-Sensoren emuliert.

Von der sonst so gängigen Blaupause weichen Razers Taster durch Stabilisatoren ab. Sie sollen wie bei Scherentastern für homogenes Feedback sorgen, indem der zum Eindrücken nötige Kraftaufwand unabhängig von der Position des Fingers auf der Taste gleich bleibt. Dass die Taster aufgrund von Kreuzaufnahmen die Möglichkeit zum Einsatz alternativer Tastenkappen bieten, bleibt dabei eine Randnotiz: Das Layout der ersten Tastenreihe entspricht nicht der Norm und erschwert dadurch das Finden eines geeigneten Sets im Zubehörhandel erheblich.

Eigene Wege für die Abstimmung

Alternative Wege beschreitet Razer darüber hinaus bei der Abstimmung der violetten Signalgeber. Die Verringerung des Hubweges und der Federstärke sowie die Verbindung des zugleich vorverlegten Signal- und Druckpunktes geben den Tastern ein eigenes Gesicht, das sich schon mit den Razer Green derart angedeutet hat. Purple-Taster sind nun leichtgängiger und fühlen sich, wie alle früh auslösenden Abstimmungen, agiler als die Standard-Varianten an.

Razer Opto-Mechanical
Razer Green
Razer Orange
Charakteristik: taktil („clicky“) taktil
Hubweg: 3,5 mm 4,0 mm
Position des Signalpunktes: 1,5 mm 1,9 mm
Widerstand am Signalpunkt: 45 g 50 g 45 g
Lebensdauer (Anschläge): 100 Mio. 80 Mio.

Weitere Geschwindigkeitsvorteile soll der durch die Nutzung eines Sensors mögliche Entfall der Entprellzeit bringen: Taster mit Metallkontakten müssen nach der erstmaligen Überbrückung wenige Millisekunden warten, bis ein konstantes Signal anliegt und sicher gesagt werden kann, dass der Zustand des Tasters tatsächlich gewechselt hat. Empfohlen werden für MX-Tastenmodule fünf Millisekunden, die bereits unter den von Razer ohne Angabe eines Produktes genannten acht Millisekunden liegen. Der Zeitgewinn schrumpft damit auf drei Millisekunden für einen typischen Anwendungsfall – denn der Sensor benötigt noch immer zwei Millisekunden.

Persönlicher Geschmack geht anders

Die tatsächlichen Vorteile im Sinne schnellerer Reaktionszeiten bestehen hier wie bei der Abstimmung der Taster aber nur auf dem Papier. Spüren ließen sie sich nicht, Vorteile liegen im Bereich des Subjektiven. Hier gefallen die Razer-Taster. Ihr geringer Widerstand und der gegenüber MX-Tastern deutlicher spürbare Klick erlauben es, Tasten rein gefühlt nur anzutippen. In grober Analogie ließe sich das als eine Art roter Taster mit deutlichem Druckpunkt beschreiben.

So wird eine entspannte und kraftarme Nutzung möglich, ohne an Präzision einzubüßen oder Signale wie bei leichtgängigen linearen Tastern versehentlich auszulösen. Im direkten Vergleich mit Razer Green liegen die neuen Taster auf der Skala persönlicher Präferenz vor allem beim Spielen klar vorne. Die langhubigen Modelle fühlen sich allerdings zunächst geschmeidiger an. Beim Schreiben will zudem verinnerlicht werden, jede Taste strikt nacheinander zu drücken – denn Eindrücken heißt Auslösen.

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