Snapdragon Wear 3100: Smartwatch-SoC hat einen sparsamen Co-Prozessor

Nicolas La Rocco 54 Kommentare
Snapdragon Wear 3100: Smartwatch-SoC hat einen sparsamen Co-Prozessor

Qualcomms nächste SoC-Plattform für Smartwatches heißt wie im Vorfeld erwartet Snapdragon Wear 3100. Vom grundsätzlichen Aufbau des Vorgängers Snapdragon Wear 2100 rückt Qualcomm nicht ab, stattdessen soll ein sparsamer Co-Prozessor für lange Laufzeiten sorgen und die Smartwatch mehr zur echten Uhr werden lassen.

Gleich vorweg: Auch den Snapdragon Wear 3100 lässt Qualcomm nach wie vor in 28 nm fertigen, und auch das Mobile Station Modem (MSM) ist mit dem 8909w und vier bis zu 1,2 GHz schnellen Cortex-A7-Kernen das Gleiche. Unter der Haube gibt es beim SoC selbst dann doch interessante Veränderungen, außerdem nimmt die wichtigste Rolle der heutigen Ankündigung ein neuer Co-Prozessor ein, der die neue Smartwatch-Plattform besonders sparsam machen und so für lange Akkulaufzeiten sorgen soll.

Big-Tiny-Little-Aufbau mit Co-Prozessor

Qualcomm spricht beim Snapdragon Wear 3100 von einer erstmals speziell für Smartwatches entwickelten Plattform, frühere SoCs seien eigentlich für Smartphones konzipiert und lediglich für Smartwatches verkleinert worden. Die neue Plattform teilt Qualcomm in Segmente für einfache (Tiny), mittlere (Little) und komplexe Berechnungen (Big) auf und weist diese den Bausteinen Co-Prozessor, DSP und Cortex-A7 zu.

Star der neuen Plattform ist der Co-Prozessor QCC1110, der trotz der hier ebenfalls verwendeten 28-nm-Fertigung nur eine Fläche von 4 × 5,2 mm einnimmt. Beim minimalen Energieverbrauch unterbietet der Co-Prozessor den Application Processor (AP) des SoCs um den Faktor 20. Wichtig hierbei: Nur der AP beinhaltet nicht die Mobilfunkanbindung des Modems. Der Co-Prozessor kommt mit eigenem SRAM und läuft mit einem Echtzeitbetriebssystem (RTOS). Das erlaubt es Qualcomm, die Smartwatch über den Zusatzchip in neue Modi zu versetzen.

Der QCC1110 ermöglicht zum Beispiel einen neuen Ambient-Modus, der eine Smartwatch mehr wie eine echte Uhr aussehen lässt. Üblicherweise sind Smartwatches am Handgelenk sofort als solche erkennbar, wenn sich das Display nach dem letzten Blick auf das Zifferblatt verdunkelt oder vollständig ausschaltet. Über den Co-Prozessor soll es nun möglich sein, energiesparend ein aktives Zifferblatt mit sich bewegenden Zeigern und Statusinformationen zu Akku, Schritten oder Kalender permanent anzuzeigen. Die Smartwatch lässt sich mit Hilfe des QCC1110 auch in einem reinen Sportmodus betreiben, der in Verbindung mit einem 340-mAh-Akku selbst bei dauerhaft aktiviertem GPS und Herzfrequenzmesser 15 Stunden Laufzeit erreichen soll.

Noch einen Schritt weiter geht der traditionelle Uhren-Modus, bei dem Wear OS vollständig deaktiviert wird und die Smartwatch nur noch mit dem Co-Prozessor und RTOS läuft. Dann ist die Uhr allerdings auch nicht mehr smart und verliert jegliche Konnektivität mit einem Smartphone oder Mobilfunknetz. Basierend auf Berechnungen von Qualcomm ist so bei einem 300-mAh-Akku eine Laufzeit von bis zu 30 Tagen möglich, mit 15 Prozent Akku soll es immerhin noch bis zu eine Woche Laufzeit sein.

Qualcomm QCC1110 im Größenvergleich
Qualcomm QCC1110 im Größenvergleich

Die Funktion des besonders sparsamen Uhren-Modus wurde bereits mit der jüngst zur IFA vorgestellten Casio Pro Trek Smart WSD-F30 beschrieben. Auch wenn hier zur Präsentation die Hardware noch verschwiegen wurde, könnte es sich angesichts des vergleichbaren Funktionsumfangs um den neuen Snapdragon Wear 3100 handeln.

Update für Wear OS verbessert Laufzeiten

In Rechenbeispielen von Qualcomm sollen mit dem Snapdragon Wear 3100 je nach verbautem Akku und Display zwischen 4,6 und 12,3 Stunden längere Laufzeiten als mit dem Snapdragon Wear 2100 möglich sein. Dabei berücksichtigt der Hersteller allerdings auch schon einen zukünftigen Release von Wear OS, der Optimierungen für den Wechsel zwischen Haupt- und Co-Prozessor mitbringen wird. Erst mit dem diesem Update wird zudem das Abschalten des primären Betriebssystems und der Wechsel nur auf den Co-Prozessor mit RTOS möglich sein.

Neben der wichtigsten Veränderung in Form des Co-Prozessors bringt der Snapdragon Wear 3100 noch weitere kleinere Veränderungen mit, die Komponenten rund um den gleich gebliebenen MSM8909w betreffen. Qualcomm stattet die Plattform mit einem neuen Power Management, neuen Leistungsverstärkern aus Galliumarsenid (GaAs PA) und einer neuen Generation NFC-Chip von NXP aus. Unterm Strich versammelt Qualcomm somit um ein über zweieinhalb Jahre altes Mobile Station Modem zahlreiche neue Komponenten, die die Plattform wieder auf Höhe der Zeit bringen sollen. Neue Smartwatches mit Snapdragon Wear 3100 sind für das vierte Quartal geplant.

ComputerBase hat Informationen zu diesem Artikel von Qualcomm unter NDA erhalten. Die einzige Vorgabe war der Veröffentlichungszeitpunkt. Der Bereitstellung dieser Materialien war die Teilnahme an einer Presseveranstaltung Mitte August in London, Vereinigtes Königreich vorausgegangen. Die Kosten für An- und Abreise sowie Unterkunft wurden von Qualcomm getragen.