Adata SU630: Erste Drittanbieter-SSD mit QLC und weniger Garantie

Michael Günsch 64 Kommentare
Adata SU630: Erste Drittanbieter-SSD mit QLC und weniger Garantie
Bild: Adata

Unter den Drittanbietern von SSDs ist Adata bei der Einführung neuer Techniken meist schnell zur Stelle. So auch beim neuen QLC-3D-NAND: Die Adata SU630 ist die erste SSD mit QLC-Flash, die nicht von einem der NAND-Flash-Hersteller stammt. Bei Garantie und TBW wird weniger als bei den TLC-Pendants geboten.

Die SU630 ist eine SATA-SSD im herkömmlichen 2,5-Zoll-Formfaktor mit sieben Millimeter Bauhöhe. Angeboten mit Speicherkapazitäten von 240 GB, 480 GB und 960 GB werden sequenzielle Transferraten von bis zu 520 MB/s beim Lesen und 450 MB/s beim Schreiben versprochen. Die Schreibleistung wird allerdings nur im SLC-Cache erreicht, dessen Größe dynamisch je nach freiem Speicherplatz auf der SSD variiert.

QLC-Speicher mit 4 Bit pro Zelle

Soweit unterscheidet sich die SU630 kaum von aktuellen Mainstream-SSDs, doch der Speicher macht einen Unterschied. Der neue QLC-3D-NAND speichert 4 Bit pro Speicherzelle und ist die nächste Stufe nach TLC mit 3 Bit, MLC mit 2 Bit und SLC mit einem Bit. Primär soll dadurch die Speicherdichte erhöht und im Gegenzug der Preis gesenkt werden. In puncto Haltbarkeit und auch bei der Leistung ist QLC allerdings potentiell im Nachteil gegenüber TLC-NAND. Für alltägliche Aufgaben mit geringem Schreibaufkommen ist dies aber kein Problem. Daher wird für QLC-NAND vor allem eine Verbreitung bei Mainstream-SSDs für Verbraucher sowie Enterprise-SSDs zur Archivierung erwartet, wo sie einmal mehr eine schnellere Alternative zur klassischen Festplatte darstellen und sich preislich dieser weiter annähern sollen.

Adata SU630 SSD mit QLC-3D-NAND
Adata SU630 SSD mit QLC-3D-NAND (Bild: Adata)

In puncto Speicherkapazität liefert Adatas QLC-Debüt noch keine Steigerung, sind doch TLC-basierte Modelle bereits mit 2 TB und mehr zu haben. Vor allem beim Preis will der Hersteller punkten, doch verrät die Ankündigung nicht, was die SSDs kosten.

Marketing widerspricht Spezifikationen

Die Formulierung, dass die SU630 „mit 3D-QLC-NAND-Flash verbesserte Zuverlässigkeit, Langlebigkeit und Leistung im Vergleich zu seinen TLC-Pendants“ bietet, wie es wörtlich im Pressetext lautet, ist mit Skepsis zu beachten. Denn das zusätzliche Bit in den Speicherzellen macht den Speichervorgang nochmals komplexer. In einer Zelle müssen nun 16 verschiedene Spannungslevel unterschieden werden, bei TLC waren es noch acht. Daher ist auch eine leistungsstarke Fehlerkorrektur über den Controller vonnöten, der nicht näher spezifizierte Chip der SU630 kann dafür mit LDPC-ECC-Technik (Low-Density Parity-Check) umgehen. Der Schreibvorgang benötigt zudem mehr Zeit, was dem SLC-Cache zur Beschleunigung eine größere Bedeutung zukommen lässt.

Vergleicht man schließlich die Garantie und das garantierte Mindestschreibvolumen (TBW) mit Adatas TLC-Modellen, dann ergibt sich sogar ein Rückschritt. Der Garantiezeitraum fällt mit zwei statt drei Jahren kürzer aus, was besonders auffällt, da fast 90 Prozent der im Preisvergleich gelisteten SSDs mindestens drei Jahre Garantie bieten. Die Total Bytes Written (TBW) sind zudem weniger als halb so groß spezifiziert, was ebenso erwähnt werden muss, auch wenn dies nur Richtwerte sind, die in der Regel unterhalb der tatsächlichen Haltbarkeit liegen.

SU630 SU650/SU700
Speicher QLC TLC
Kapazität 240 GB 480 GB 960 GB 240 GB 480 GB 960 GB
TBW 50 TB 100 TB 200 TB 140 TB 280 TB 560 TB
Garantie 2 Jahre 3 Jahre

Dennoch sollte der QLC-NAND als Massenspeicher für die Daten- oder Spielesammlung ausreichend haltbar sein. Attraktiv werden QLC-SSDs aber nur, wenn der Preis stimmt und unter jenem der TLC-Pendants liegt.

Die Redaktion hat den Hersteller um weitere Informationen zum eingesetzten Controller, den QLC-3D-NAND (Micron 64 Layer?) sowie den Marktstart mit Preisen gebeten und wird diese bei Antwort nachreichen.

Weitere QLC-SSDs

Die ersten Consumer-SSDs mit QLC waren die Intel SSD 660p und die Crucial P1, die beide auf den von Micron und Intel entwickelten QLC-3D-NAND im 64-Layer-Design setzen. Im Gegensatz zur Adata SU630 nutzen sie PCIe statt SATA und bieten fünf Jahre Garantie, allerdings ebenso weniger TBW als vergleichbare Produkte.

Produkt NAND-Flash TBW (TB) DWPD Garantie (Jahre)
Crucial P1 1TB 3D QLC 200 0,11 5
Intel SSD 660p 1TB 3D QLC 200 0,11 5
Intel SSD 600p/760p 1TB 3D TLC 576 0,32 5
Samsung 860/970 EVO 1TB 3D TLC 600 0,33 5
WD Black 1TB 3D TLC 600 0,33 5
WD Blue 3D 1TB 3D TLC 400 0,22 5
Crucial MX500 1TB 3D TLC 360 0,2 5
Quelle: Herstellerangaben

Der Marktführer Samsung hat seine erste SSD-Serie mit QLC und SATA mit bis zu 4 TB Speicherplatz angekündigt, doch fehlen noch Details wie auch der Name. Die Markteinführung soll aber noch in diesem Jahr erfolgen.

Update 16.11.2018 17:14 Uhr

Inzwischen liegt eine Antwort von Adata vor. Bestätigt wird, dass es sich beim 3D-NAND um 64 Layer QLC von Intel und Micron handelt. Interessant ist die Antwort auf die Frage nach dem Controller: „Wir legen den Controller nicht fest“, heißt es. Die versprochene Leistung soll aber in jedem Fall gewährleistet sein. Der Hersteller behält sich also vor, gegebenenfalls verschiedene Modelle einzusetzen.

Die Frage nach den Preisen der SU630 bleibt vorerst offen. Diese wie auch genaue Termine für den Marktstart sollen erst später mitgeteilt werden.