Intel Core i5-9400F im Test: CPU mit sechs Kernen, aber ohne iGPU

Volker Rißka 131 Kommentare
Intel Core i5-9400F im Test: CPU mit sechs Kernen, aber ohne iGPU

tl;dr: Seit über acht Jahren verfügen alle Mainstream-CPUs bei Intel über eine integrierte Grafikeinheit. Jetzt gibt es neue Prozessoren in dem Marktsegment erstmals auch wieder ohne iGPU, gekennzeichnet als F-Modell. Im Test kann der Core i5-9400F überzeugen, an seiner Eigenart liegt das aber nicht.

Coffee Lake Refresh auch ohne Grafik

Zum neuen Jahr überrascht Intel mit Prozessoren, die auf dem altbekannten Sockel LGA 1151 bis zu acht Kerne bieten, aber keine aktive Grafikeinheit besitzen. Diese ist bei den „F-CPUs“ zwar auf dem Prozessor-Die noch vorhanden, aber nicht freigeschaltet. Die Motivation hinter den CPUs hat Intel nie offiziell gemacht, der Konzern dürfte auf diesem Weg aber versuchen Dies mit defekter iGPU aus der überlasteten 14-nm-Fertigung doch noch an denjenigen verkaufen zu können, der keine iGPU benötigt. Einen Vorteil bei Technik oder Preis gibt nicht.

Parallel dazu ergänzt Intel die Familie des Coffee Lake Refresh, die bisher erst aus drei K-Modellen bestand (Core i9-9900K, i7-9700K & 9600K), um wichtige Lösungen für den Massenmarkt, denen die iGPU geblieben ist. Allen voran geht der Core i5, der in diesem Test in den Fokus gerückt wird. Eine Frage dabei ist auch: Bietet das F-Modell einen Vorteil gegenüber der herkömmlichen Variante?

Der Systemintegrator MIFcom stellte das passende Muster leihweise direkt aus dem Handel zur Verfügung.

Intel Core i5-9400F: Die Technik

Coffee Lake Refresh (Core i-9000 für LGA 1151) ist der Codename der Prozessoren mit bis zu acht Kernen und folgt auf Coffee Lake (Core i-8000 für LGA 1151). Diese Architektur brachte im Oktober 2017 die ersten Sechs-Kern-CPUs für Intels Sockel LGA 1151 hervor: Core i7-8700K, Core i5-8600K und Core i5-8400. Insbesondere der kleine Core i5-8400 (Test) überraschte seinerzeit als gutes Komplettpaket aus Leistung und Preis, der neue Core i5-9400(F) ist nun der preisgleiche, aber leicht höher taktende Nachfolger.

Doch viel Platz ist in dem Bereich gar nicht vorhanden. Denn neben dem Core i5-8400 gibt es noch den Core i5-8500, der 200 MHz mehr Takt in der Basis, aber den gleichen Turbo bietet, dafür 10 US-Dollar mehr kostet. Theoretisch würde der Core i5-9400 nun auch noch darunter rangieren. Da der Turbo aber in 99 Prozent eines Arbeitseinsatzes anliegt, wird die Leistung auch die gleiche sein. Im Überblick sieht das wie folgt aus:

Modell Kerne / Threads Basistakt Turbo 1C/2C/4C/6C Grafik Grafiktakt Preis
Intel Core i5-8400 6 / 6 2,8 GHz 4,0/3,9/3,9/3,8 GHz HD 630 max. 1,05 GHz 182 USD
Intel Core i5-9400(F) 6 / 6 2,9 GHz 4,1/4,0/4,0/3,9 GHz HD 630 / n. v. max. 1,05 GHz / n. v. 182 USD
Intel Core i5-8500 6 / 6 3,0 GHz 4,1/4,0/4,0/3,9 GHz HD 630 max. 1,1 GHz 192 USD
Die Turbo-Taktstufen des Core i5-9400F
Die Turbo-Taktstufen des Core i5-9400F

Intel verlötet den Heatspreader nicht

Intel ging mit Coffee Lake Refresh einen jahrelangen Kritikpunkt an, den der Konkurrent AMD mit seinen Ryzen-CPUs zuletzt erneut in den Fokus gerückt hatte: Der Heatspreader wird bei den Topmodellen (9900K, 9700K und 9600K) wieder mit dem Prozessor-Die verlötet. Die umgangssprachlich auch als „Zahnpasta“ bezeichnete Wärmeleitpaste gehört bei Coffee Lake Refresh eigentlich der Vergangenheit an. Die letzte Architektur, bei der Intel generell so vorgegangen war, war Sandy Bridge. Bei Coffee Lake Refresh nennt Intel die neue alte Verbindung klassisch Solder-Based Thermal Interface Material (STIM).

Intel verlötet wieder Heatspreader mit dem Prozessor-Die
Intel verlötet wieder Heatspreader mit dem Prozessor-Die (Bild: Intel)

Doch die kleineren CPUs wie der Intel Core i5-9400(F) werden (zumindest zu Anfang) nicht verlötet sein. Intel bestätigte Bilder von geköpften Prozessoren, die klassische Wärmeleitpaste gezeigt hatten. Erkennbar ist das unter anderem auch am Heatspreader: Der beim Verlöten genutzte ist ein anderes Modell und kommt aus einem anderen Werk. Aber nicht nur der Heatspreader ist ein anderer, auch das zugrunde liegende Package ist beim Core i9-9900K deutlich dicker, während der 9400 das gleiche nutzt wie der 8400. Dies stärkt die Indizien, dass es sich dabei letztlich um die bisherigen Coffee Lake unter einem neuen Namen handelt.

Tom's Hardware berichtet, dass der Heatspreader in Zukunft jedoch angeglichen werden soll, doch bleibt das Verlöten „den schnelleren Prozessoren“ vorbehalten. Die Core-i3-Serie soll beispielsweise immer nur auf Wärmeleitpaste setzen. Wo genau die Grenze verläuft, ist noch unklar. Bei AMD ist das ähnlich: Raven Ridge als Core-i3-Gegenspieler wird ebenfalls nicht verlötet. AMD betonte, dass es schlichtweg eine Kostenfrage sei.

Ein 300er-Mainboard ist Pflicht

Wie alle Coffee-Lake-Prozessoren benötigen auch die Core i-9000 als Refresh der vorangegangenen Serie ein Mainboard der 300er-Generation. Da der Core i5-9400(F) aber keinen frei bestimmbaren Multiplikator besitzt, muss es kein Z390- oder Z370-Mainboard sein, nur dort lässt sich bekanntlich der Multiplikator auch frei wählen. Die Zielgruppe der CPU dürfte am Ende am ehesten mit einem B360- oder H370-Mainboard unterwegs sein, die es ab 60 Euro respektive 85 Euro im Handel gibt.

Intel H370 und B360 von Asus und Gigabyte im Test
Intel H370 und B360 von Asus und Gigabyte im Test

Alle Daten und Preise der 9000er-Serie im Überblick

Die Coffee-Lake- und Coffee-Lake-Refresh-CPUs haben unzählige Gemeinsamkeiten. Nichts geändert hat sich beispielsweise bei der Grafikeinheit, aber auch die Speicherunterstützung bleibt gleich. Warum Intel weiterhin bei DDR4-2666 verharrt, obwohl die CPUs mittlerweile problemlos auch höhere Speichertaktraten fahren, weiß nur der Konzern. Intels Speichercontroller hat sich stets als sehr taktfreudig erwiesen, auch Werte jenseits der Marke von DDR4-4000 funktionieren in der Regel mit allen übertaktbaren K-Modellen von Intel. AMD hat zuletzt ersten Raven-Ridge-APUs DDR4-3200 als offizielle Spezifikation mit auf den Weg gegeben und Ryzen 2000 nutzt DDR4-2933.

Alle Coffee Lake Refresh, aber auch die Vorgänger Coffee Lake sind mit passenden BIOS-Updates für die Mainboards zudem für den Betrieb von bis zu 128 GByte Arbeitsspeicher in Form der neuen 32-GByte-Riegel ausgelegt.

Intel Core i-9000 alias Coffee Lake Refresh
Kerne/
Threads
Takt
(Basis)
Turbo
1/2/4/6/8 Kern(e)
L3-Cache Grafik Grafiktakt Speicher TDP Preis
(UVP* / Handel**)
Core i9-9900K 8/16 3,6 GHz 5,0/5,0/4,8/4,7/4,7 GHz 16 MB UHD 630 1.200 MHz DDR4-2666 95 W $ 488 / 516 €
Core i9-9900KF 8/16 3,6 GHz 5,0/5,0/4,8/4,7/4,7 GHz 16 MB DDR4-2666 95 W $ 488 / 573 €
Core i7-9700K 8/8 3,6 GHz 4,9/4,8/4,7/4,6/4,6 GHz 12 MB UHD 630 1.200 MHz DDR4-2666 95 W $ 374 / 424 €
Core i7-9700KF 8/8 3,6 GHz 4,9/4,8/4,7/4,6/4,6 GHz 12 MB DDR4-2666 95 W $ 374 / 445 €
Core i5-9600K 6/6 3,7 GHz 4,6/4,5/4,4/4,3/ – GHz 9 MB UHD 630 1.150 MHz DDR4-2666 95 W $ 262 / 260 €
Core i5-9600KF 6/6 3,7 GHz 4,6/4,5/4,4/4,3/ – GHz 9 MB DDR4-2666 95 W $ 262 / 270 €
Core i5-9500*** 6/6 3,0 GHz 4,2/?/?/?/ – GHz 9 MB UHD 630 1.100 MHz DDR4-2666 65 W ?
Core i5-9400 6/6 2,9 GHz 4,1/4,0/4,0/3,9/ – GHz 9 MB UHD 630 1.050 MHz DDR4-2666 65 W $ 182 / 201 €
Core i5-9400F 6/6 2,9 GHz 4,1/4,0/4,0/3,9/ – GHz 9 MB DDR4-2666 65 W $ 182 / 184 €
Core i3-9350KF 4/4 4,0 GHz 4,6/?/?/ – / – GHz 8 MB DDR4-2400 91 W $ 173 / 201 €
Core i3-9100*** 4/4 3,6 GHz 4,2/?/?/ – / – GHz 6 MB UHD 630 1.100 MHz DDR4-2400 65 W ?
Core i3-9100F*** 4/4 3,6 GHz 4,2/?/?/ – / – GHz 6 MB UHD 630 1.100 MHz DDR4-2400 65 W ?
Pentium Gold 5420*** 2/4 3,8 GHz 4 MB UHD 630 1.100 MHz DDR4-2400 65 W ?
* zum Marktstart (USD vor Steuern)/** niedrigster Preis im Handel (Stand 12.2.2019)/***noch nicht offiziell angekündigt

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