Prozessoren: AMD erobert Marktanteile bei Desktop, Notebook und Server

Michael Günsch 250 Kommentare
Prozessoren: AMD erobert Marktanteile bei Desktop, Notebook und Server

Neue Zahlen von Mercury Research bescheinigen AMD eine deutliche Steigerung der Marktanteile bei Prozessoren im vierten Quartal 2018. Sowohl bei Desktop-PCs als auch Servern wurde demnach der höchste Marktanteil seit vier Jahren erreicht. Bei Notebooks liegt der Anteil auf dem höchsten Wert seit über fünf Jahren.

AMD gewinnt bei Desktop, Notebook und Server Marktanteile

Über erneut gestiegene Marktanteile hatte AMD schon bei den letzten Quartalszahlen gesprochen. Jetzt hat das Unternehmen dies mit aktuellen Schätzungen der Marktforscher von Mercury Research untermauert. Laut der Studie hat AMD in allen wesentlichen Absatzbereichen nicht nur gegenüber dem dritten Quartal 2018, sondern auch im Jahresvergleich zugelegt.

Bei Desktop-PCs komme AMD nun auf 15,8 Prozent Marktanteil, der Wert sei so hoch wie zuletzt vor vier Jahren. Bei Notebooks seien 12,1 Prozent und bei Servern 3,2 Prozent erreicht; bei beiden Bereichen wird darauf hingewiesen, dass Geräte für das Internet of Things (IoT) dabei nicht berücksichtigt werden.

Marktanteile von AMD-Prozessoren
Q4 2017 Q3 2018 Q4 2018 Δ Quartal Δ Jahr Notiz
Desktop 12,0 % 13,0 % 15,8 % +2,8 PP* +3,9 PP Höchstwert seit Q4 2014
Notebook (exkl. IoT) 6,9 % 10,9 % 12,1 % +1,3 PP +5,3 PP Höchstwert seit Q3 2013
Server (exkl. IoT) 0,8 % 1,6 % 3,2 % +1,5 PP +2,4 PP Höchstwert seit Q4 2014
*Prozentpunkte
Quelle der Daten: Mercury Research

Tom's Hardware hat die jüngsten Statistiken und die Zahlen der vergangenen Quartale und Jahre zusammengefasst. Daran wird die Entwicklung der Marktanteile von AMD-Prozessoren bei Desktop-PCs in der jüngsten Vergangenheit ersichtlich. Seit dem vierten Quartal 2017 hat AMD demnach jedes Vierteljahr zugelegt, im vierten Quartal 2018 fiel die Steigerung mit 2,8 Prozentpunkten besonders groß aus. Dies spricht für ein starkes Weihnachtsgeschäft in der Holiday Season.

Marktanteile von AMD-Prozessoren bei Desktop-PCs
Q3 2016 Q4 2016 Q1 2017 Q2 2017 Q3 2017 Q4 2017 Q1 2018 Q2 2018 Q3 2018 Q4 2018
Marktanteil 9,1 % 9,9 % 11,4 % 11,1 % 10,9 % 12,0 % 12,2 % 12,3 % 13,0 % 15,8 %
Δ Quartal k. A. +0,8 PP* +1,5 PP -0,3 PP -0,2 PP + 1,1 PP +0,2 PP +0,1 PP +0,7 PP +2,8 PP
*Prozentpunkte
Quelle der Daten: Mercury Research, aggregiert von Tom's Hardware

AMD wildert im Celeron-Revier, Ryzen für langfristiges Wachstum

Im Gespräch mit der Website begründet Dean McCarron die zuletzt gestiegenen Marktanteile mit dem Erfolg der Ryzen-Produkte, aber auch der schwächelnden Konkurrenz. Im vierten Quartal 2018 habe Intel insbesondere im Einstiegssegment rund um die Celeron-Familie einen starken Absatzrückgang erfahren, während AMD hier Marktanteile erobern konnte. In diesem Segment bietet AMD unter anderem die Prozessoren Athlon 200GE, 220GE und 240GE (Test) an.

Langfristig hätten die Ryzen-CPUs aber vor allem in der mittleren bis oberen Preisklasse für mehr Marktanteil gesorgt. Gerade hier kämpfte Intel mit Versorgungsengpässen, die sich in schlecht verfügbaren und verteuerten Produkten bemerkbar machten. Im hiesigen Direktverkauf von AMD-CPUs für Desktop-Rechner konnte AMD zumindest laut Verkaufszahlen des Online-Händlers Mindfactory noch weitaus größere Marktanteile erzielen.

Angriff auf höherpreisige Notebooks und günstige Chromebooks

Durch Nachschubprobleme habe Intel auch bei Low-End-Chips für Notebooks Anteile verloren, AMD im Gegenzug zugelegt. Mit der Einführung der zweiten Generation Ryzen Mobile wolle AMD auch in den höheren Preisregionen angreifen, während neue Prozessoren der A-Serie den Chromebook-Markt adressieren. AMD habe dieses Jahr 33 Prozent mehr Design-Wins bei OEMs vorzuweisen und zeigt sich entsprechend optimistisch.

Asus FX505DY Tuf Gaming
Asus FX505DY Tuf Gaming (Bild: AMD)
Chromebook mit AMD-APU
Chromebook mit AMD-APU (Bild: AMD)

Anteil bei Server-CPUs erneut fast verdoppelt

Nach wie vor den geringsten Marktanteil hat AMD bei Server-Prozessoren. Rund 3,2 Prozent bedeuten aber nahezu eine Verdoppelung gegenüber dem Marktanteil im dritten Quartal 2018, der wiederum doppelt so hoch ausfiel wie im zweiten Quartal. Dies spricht für ein rasches Wachstum, das von den Opteron-Nachfolgern der Familie Epyc beflügelt wird. AMD-CEO Lisa Su hatte vor Kurzem behauptet, dass AMD das Ziel von einem Marktanteil von etwa 5 Prozent („mid-single-digit“) bei Server-CPUs bereits erreicht habe. Die Zahlen von Mercury Research sprechen aber lediglich von 3,2 Prozent.

Diese Diskrepanz begründet AMD mit Unterschieden bei der Erhebung. Mercury würde dabei alle x86-Server-Prozessoren berücksichtigen, AMD habe sich hingegen bei den 5 Prozent auf die 1P- und 2P-Server und Prognosen der Marktforscher von IDC bezogen: „Wir glauben, dass wir im vierten Quartal 2018 einen Anteil von ~ 5% am 1P- und 2P-Server-Markt erreicht haben, der von unseren EPYC-Prozessoren (gemäß Definition von IDC) adressiert wird.

AMD Epyc 2 Rome mit 64 Kernen
AMD Epyc 2 Rome mit 64 Kernen

Von der nächsten Generation der Epyc-Prozessoren verspricht sich AMD weiteres Wachstum. Die CPUs mit dem Codenamen Rome kommen Mitte 2019 als erste 7-nm-Server-Prozessoren mit bis zu 64 Kernen auf den Markt. Intels Antwort in Form der immer noch in 14 nm gefertigten Cooper Lake-SP wird voraussichtlich Ende des Jahres nur erste Schritte wagen und erst 2020 in großer Stückzahl auf den Markt kommen. Mit Ice Lake-SP auf Basis des neuen 10-nm-Prozess ist nicht vor Mitte 2020 zu rechnen.