AMD Ryzen 3000 im Test: Fazit – AMD Ryzen 3000 beeindruckt

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Volker Rißka et al. 6.628 Kommentare

Ein Jahr nach Ryzen 2000 noch einmal so einen Leistungssprung an den Tag zu legen und dabei gleichzeitig die Leistungsaufnahme so drastisch zu verringern, was die Effizienz des Komplettpakets extrem steigert, lässt nach dem Test in der Redaktion staunende Blicke zurück.

AMD Ryzen 9 3900X, 7 3700X und 5 3600 mit Zen 2 im Test
AMD Ryzen 9 3900X, 7 3700X und 5 3600 mit Zen 2 im Test

Ryzen 5 3600 mit enormer Leistung für 209 Euro

Schon der 6-Kerner Ryzen 5 3600 mit 65 Watt TDP für 209 Euro bietet heute die Multi-Core-App-Leistung des Ryzen 7 1800X mit 8 Kernen und schlägt das letztjährige Topmodell Ryzen 7 2700X um 10 Prozent im CPU-Limit in Spielen. Der direkte Vorgänger Ryzen 5 2600 und andere CPUs in der 200-Euro-Preisklasse haben in Sachen Leistung keine Chance. Beim Verbrauch zeigt sich der im Test verwendete 6-Kerner aus dem Handel zwar nicht so stark wie das nächst größere Modell, denn unter Vollast fallen „nur“ acht Prozent weniger Verbrauch als beim 2600er an. Für 200 Euro ist am Komplettpaket Ryzen 5 3600 in naher Zukunft dennoch kaum ein Vorbeikommen – vorausgesetzt, der PC enthält auch eine diskrete Grafikkarte. Der Aufpreis für den 3600X ist vorerst zu groß.

Ryzen 7 3700X gibt den Core i9-9900K für weniger Geld

Noch viel beeindruckender ist die mit Zen 2 gestiegene Energieeffizienz beim AMD Ryzen 7 3700X mit ebenfalls 65 Watt TDP für 349 Euro: Über 15 Prozent mehr Leistung liefert der Prozessor gegenüber dem Vorgänger Ryzen 7 2700X in Apps ohne AVX und Spielen im CPU-Limit, und das System nimmt unter Vollast trotzdem 23 Prozent weniger elektrische Leistung auf. Der in Multi-Core-Apps vergleichbar schnelle Core i9-9900K für derzeit 480 Euro genehmigt sich auf seiner Plattform unter Vollast im Test knapp 40 Prozent mehr Strom. Im CPU-Limit (Full HD auf einer GeForce RTX 2080 Ti) beträgt Intels Vorsprung im Durchschnitt über den Parcours nur noch 11 Prozent bei den FPS und lediglich sieben Prozent bei den Frametimes – das ist ein Drittel respektive fast ein Viertel des Vorgängers.

Leistung Apps Leistung Gaming
(Frametimes)
Stromverbrauch
Multi-Core Single-Core Full HD UHD Volllast
Ryzen TR 2950X (16/32) 163 101 95 98 132
Ryzen 9 3900X (12/24) 167 120 118 107 109
Ryzen 7 3700X (8/16) 117 116 117 107 77
Ryzen 5 3600 (6/12) 89 111 111 101 67
Ryzen 7 2700X (8/16) 100 100 100 100 100
Core i9-9900K (8/16) 118 124 125 110 106
Alle Angaben in Prozent, Ryzen 7 2700X normiert auf 100 Prozent

Der Ryzen 7 3700X bietet damit ein überragendes Komplettpaket aus Leistung, Energieaufnahme und Preis und hat sich ebenfalls eine Empfehlung verdient. Der größere 3800X erscheint auch hier zu teuer. Aber ein Test folgt.

Ryzen 9 3900X schlägt Threadripper ohne Kompromisse

Das absolute Aushängeschild in Sachen Leistung ist heute hingegen der AMD Ryzen 9 3900X für 529 Euro. Erstmals bringt er zwölf Kerne auf den Sockel AM4 und die zeigen, wer die Leistungskrone in diesem Bereich bis zur Vorstellung des Ryzen 9 3950X mit 16 Kernen im Herbst trägt. Bei 50 Prozent mehr Kernen gibt es in Multi-Core-Apps noch einmal 43 Prozent mehr Leistung als beim Ryzen 7 3700X. Sage und schreibe 67 Prozent sind es zur bisher schnellsten AM4-CPU, dem Ryzen 7 2700X. Und der Mehrverbrauch beträgt hier nicht einmal neun Prozent. Der Mehrverbrauch zum Ryzen 7 3700X verläuft proportional zum Leistungsgewinn. Und mindestens ebenso beeindruckend: In Spielen gibt es dabei keinen Nachteil aus der Nutzung von zwei statt einem Chiplet. Die CPU ist im Durchschnitt genauso schnell wie der Ryzen 7 3700X. Von „zusammengeklebten Chips“ kann keine Rede sein.

Ryzen 9 3900X mit 12 Kernen schlägt Threadripper 2950X mit 16 Kernen
Ryzen 9 3900X mit 12 Kernen schlägt Threadripper 2950X mit 16 Kernen

In Anwendungen gibt es von Intel derzeit auch auf anderer Plattform keinen Konkurrenten, denn erst der Core i9-9960X mit ebenfalls 16 Kernen zum Preis von über 1.600 Euro kommt dem Ryzen 9 3900X nahe. Direkte Konkurrenz findet sich hingegen auf der Threadripper-Plattform mit Sockel TR4. Fortan liefern 12 Kerne nämlich die Multi-Core-App-Leistung von 16 Kernen aus dem letzten Jahr von AMD, kosten aber allein bei der CPU schon 300 Euro weniger – von den Mainboard-Preisen und geringeren Energiekosten ganz zu schweigen. Auch der Ryzen 9 3900X bekommt aus diesem Grund am Ende eine Empfehlung ausgesprochen.

Alle drei Ryzen 3000 sind empfehlenswert
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In zwei Jahren vom Prinz zum König

König in Anwendungen, Prinz in Spielen“ titelte ComputerBase zur ersten Ryzen-Generation. Zwei Jahre später gilt es diesen Faden mit Recht wieder aufzunehmen: Aus dem Prinz im Gaming-Bereich ist nun auch ein König geworden und in Anwendungen ist die dritte Generation Mitte 2019 ganz unbestritten der absolutistische Herrscher (in der Mittelklasse).

Mit AMDs erstem 16-Kerner Ryzen 9 3950X für Sockel AM4 ist der Weg von Ryzen Threadripper 3000 damit wohl vorbestimmt: Weniger als 32 Kerne ergeben in Zukunft höchstens noch mit Blick auf die Plattform Sinn. Intel Core X als Server-CPU-Auskoppelung für das Desktop-Segment wird hingegen kaum noch zu rechtfertigen sein.

Die neuen X570-Mainboards und AGESA-Updates

Positiv überraschte im Test auch die neue X570-Plattform. Zwar gab es BIOS-Updates mit neuen AGESA-Versionen im Zwei-Tages-Takt, doch alle drei verwendeten Mainboards von Asus, Gigabyte und MSI booteten zügig und ließen die Tests ohne Probleme über sich ergehen. Ob das auch das wesentliche neue Feature PCI Express 4.0 betrifft, wird sich allerdings erst noch zeigen müssen.

AGESA 1.0.0.3 oder höher ist Pflicht

Anders sah es hingegen bei älteren Platinen aus. Das MSI X470 Gaming M7 AC mit aktuellstem BIOS inklusive AGESA 1.0.0.3 (das offiziell erst seit heute verteilt werden darf) sprach die neuen CPUs problemlos an, das Crosshair VII Hero von Asus mit BIOS inklusive AGESA 1.0.0.2 noch nicht. 1.0.0.2 erkennt Matisse zwar, kann insbesondere den RAM aber nicht korrekt ansprechen oder soll das nicht können. Das gilt auch für X570 mit 1.0.0.2.

Wer Interesse an Ryzen 3000 hat, sollte sich davon aber nicht abschrecken lassen, denn die korrekte Unterstützung für die X470- und B450-Platinen aus dem letzten Jahr ist in Arbeit und kommt. Für X370 und B350 gibt es hingegen keine Update-Garantie, aber auch hier sind seit Wochen bereits Beta-BIOS-Versionen verfügbar. In jedem Fall leer ausgehen wird nur A320.

Das ist eine gute Nachricht, denn die Preise für Mainboards mit X570 sind hoch. Bei Asus beginnt der Einstieg mit dem Prime X570-P offiziell bei 195 Euro und endet bei 555 Euro für das Crosshair VIII Formula. Das Crosshair VIII Hero Wi-Fi wird 435 Euro kosten – der Vorgänger stieg bei 295 Euro ein. Und Informationen aus dem Handel lassen erahnen, dass es bei den anderen Herstellern nicht anders aussehen wird.

Mit Ryzen 3000 gibt es auch neue X570-Platinen und PCIe-4.0-SSDs
Mit Ryzen 3000 gibt es auch neue X570-Platinen und PCIe-4.0-SSDs

Preise und Verfügbarkeit

AMD Ryzen 3000 sowie die neuen X570-Mainboards sind offiziell ab sofort bei Händlern wie Caseking* oder Alternate* sowie Systemintegratoren wie Mifcom oder Dubaro verfügbar. Zum Start werden allerdings nicht alle Händler alle Prozessoren ab Lager verfügbar haben, die größeren Modelle mit X treffen dieser Tage erst ein. Dasselbe gilt für die Mainboards. Bei den Prozessoren zeichnet sich ab, dass die UVP im Handel gehalten wird. Bei den Mainboards sind Preisaufschläge wahrscheinlich.

Ryzen 9, Ryzen 7 und Ryzen 5 aus drei Generationen: Spezifikationen im Vergleich
Kerne/Threads Takt
Basis/Turbo
L3-Cache TDP Preis (Launch) Marktpreis
Ryzen 9 3950X 16/32 3,5/4,7 64 MB 105 W 749 USD (ab 9/2019)
Ryzen 9 3900X 12/24 3,8/4,6 64 MB 105 W 529 Euro
Ryzen 7 3800X 8/16 3,9/4,5 32 MB 105 W 429 Euro
Ryzen 7 3700X 8/16 3,6/4,4 32 MB 65 W 349 Euro
Ryzen 7 1800X 8/16 3,6/4,0 16 MB 95 W 559 Euro 210 Euro
Ryzen 7 2700X 8/16 3,7/4,3 16 MB 105 W 319 Euro 269 Euro
Ryzen 7 1700X 8/16 3,4/3,8 16 MB 95 W 439 Euro 181 Euro
Ryzen 7 2700 8/16 3,2/4,1 16 MB 65 W 289 Euro 199 Euro
Ryzen 7 1700 8/16 3,0/3,7 16 MB 65 W 359 Euro 155 Euro
Ryzen 5 3600X 6/12 3,8/4,4 32 MB 95 W 265 Euro
Ryzen 5 2600X 6/12 3,6/4,2 16 MB 95 W 225 Euro 165 Euro
Ryzen 5 1600X 6/12 3,6/4,0 16 MB 95 W 279 Euro 124 Euro
Ryzen 5 3600 6/12 3,6/4,2 32 MB 65 W 209 Euro
Ryzen 5 2600 6/12 3,4/3,9 16 MB 65 W 195 Euro 124 Euro
Ryzen 5 1600 6/12 3,2/3,6 16 MB 65 W 239 Euro 109 Euro

Es gibt noch viel zu klären

Zum Fall des PR-Embargos für Tests zu Ryzen 3000 und den neuen X570-Platinen mit PCI Express 4.0 bleiben nach diesem ersten Artikel noch viele Fragen offen, Antworten wird die Redaktion über die kommenden Tage und Wochen liefern. Anderthalb Wochen Vorlaufzeit waren in Anbetracht der stetigen BIOS-Updates bis Freitagnachmittag und der parallelen Freigabe von Radeon RX 5700 und Radeon RX 5700 XT (Test) sowie der kurzfristig eingeschobenen GeForce-RTX-Super-Grafikkarten (Test) zu wenig, um schon heute auf jeden Aspekt im Detail einzugehen. Insbesondere auf die X570-Platinen, RAM OC und die neuen PCI-Express-4.0-SSDs wird die Redaktion in Kürze noch detaillierte Blicke werfen. Leserwünsche zu weiteren Inhalten in den Kommentaren sind aber jederzeit willkommen.

AMD Radeon RX 5700 (XT) mit Navi im Test
AMD Radeon RX 5700 (XT) mit Navi im Test

Ryzen 9 3900X und Ryzen 7 3700X wurden der Redaktion wie die zwei X570-Platinen von MSI und Asus sowie die PCIe-4.0-SSD von Corsair von AMD unter NDA zur Verfügung gestellt. Das X570-Mainboard von Gigabyte kam direkt vom Hersteller – auch unter NDA. Den Ryzen 5 3600 hat ComputerBase aus anderer Quelle. Alle CPUs entsprechen den finalen Handelsvarianten. Eine Einflussnahme der Hersteller auf den Testbericht fand nicht statt, einzige Vorgabe war der frühstmögliche Veröffentlichungstermin.

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