Samsung Galaxy Note 10+ im Test: One UI auf Exynos 9825 und mit großem Akku

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Nicolas La Rocco 166 Kommentare

In Sachen Software entspricht das Note 10+ abgesehen von S-Pen-spezifischen Funktionen der Galaxy-S10-Serie. Auf dem Testgerät kam Android 9.0 Pie mit den zum Testzeitpunkt aktuellen Sicherheitspatches von September 2019 zum Einsatz. Über Googles Betriebssystem legt Samsung beim Note 10+ das eigene One UI, hier in Version 1.5, das seit seiner Markteinführung Anfang des Jahres für einen deutlich aufgeräumteren und aufgewerteten Look des Betriebssystems sorgt. Zum Update auf Android 10 machte Samsung auf Nachfrage zur IFA keine offiziellen Angaben.

Bixby rückt ohne Knopf in den Hintergrund

Nichtnutzer von Bixby müssen sich beim Note 10 und Note 10+ keine Sorge mehr machen, Samsungs Assistentin aus Versehen auszulösen. Denn zum einen gibt es am Smartphone keine per se mehr Bixby zugewiesene Taste, zum anderen lässt sich die Taste unterhalb der Lautstärkewippe, die nicht zwangsweise als Power-Taste zu bezeichnen ist, vollständig von Bixby befreien. Zwar wird über diese Multifunktionstaste das Smartphone hochgefahren, das Neustarten und Ausschalten ist standardmäßig aber über eine neue Schaltfläche in den Android-Schnelleinstellungen vorgesehen. Aber: Die Taste kann so konfiguriert werden, dass sie wie bei früheren Samsung-Geräten ohne Bixby bei doppeltem Drücken die Kamera startet und bei langem Halten das Menü zum Neustarten und Herunterfahren öffnet. Wird dann noch der Bixby-Homescreen deaktiviert, kommt man mit der Assistentin im Alltag nicht mehr in Berührung.

Bixby lässt sich durch Umbelegung der Tasten verstecken
Bixby lässt sich durch Umbelegung der Tasten verstecken

Desktop-Umgebung DeX funktioniert am PC und Mac

Davon abgesehen bietet Samsung die Desktop-Umgebung DeX exklusiv für das Note und Note 10+ erstmals über eine Anwendung für Windows 7 und 10 sowie macOS an. Zuvor ließ sich DeX lediglich über den direkten Anschluss des Smartphones an einen Monitor ausführen, wobei Peripherie wie Maus und Tastatur entweder per Bluetooth oder mit Hilfe von Adaptern mit dem Smartphone verbunden werden musste. Mit Hilfe der neuen DeX-Anwendung lässt sich das Smartphone erstmals an einen bestehenden PC oder Mac anschließen, um dort DeX zu verwenden. Bereits mit dem Computer verbundene Peripherie muss nicht erneut mit dem Smartphone gekoppelt werden. Hier stellt sich die Frage, wie lange Samsung das Feature exklusiv nur für die neue Note-10-Serie anbieten wird, denn rein von der Hardware ist die Galaxy-S10-Serie nicht schwächer, wenngleich das Note 10 mit etwas neuerem Prozessor ausgestattet ist.

EUV-Lithografie für Samsungs neues SoC

Im Note und Note 10+ werkelt erstmals nicht der im Frühjahr mit dem Galaxy S10 vorgestellte Prozessor, sondern eine neue Generation, deren Veränderungen im Vergleich zum Exynos 9820 aber in zwei Punkten zu erklären ist. Der erste betrifft die Fertigung des neuen Exynos 9825, die von 8 nm LPP auf 7 nm LPP EUV umgestellt worden ist. Die im Herbst 2018 gestartete EUV-Belichtung wird dabei für einige Layer des Chips verwendet. Der neue Fertigungsprozess reduziert die Die-Größe, hinsichtlich derer Samsung bisher das Nachsehen im Vergleich zum Qualcomm Snapdragon 855 aus TSMCs 7-nm-Fertigung hatte, und wirkt sich positiv auf die Energieeffizienz aus.

Exynos 9825 Exynos 9820
Fertigung 7 nm LPP EUV 8 nm LPP
CPU 2 × Exynos M4 @ 2,73 GHz
2 × ARM Cortex-A75 @ 2,40 GHz
4 × ARM Cortex-A55 @ 1,95 GHz
2 × Exynos M4 @ 2,73 GHz
2 × ARM Cortex-A75 @ 2,31 GHz
4 × ARM Cortex-A55 @ 1,95 GHz
GPU ARM Mali-G76 MP12 @ 600 MHz

Die weiteren Eckdaten des Exynos 9820 hat Samsung beinahe unverändert übernommen, nur am CPU-Design gibt es bei den zwei Cortex-A75-Kernen eine leichte Anpassung des Maximaltakts nach oben, wobei das Plus von 90 MHz nicht zu bemerkenswert besseren Benchmark-Ergebnissen oder einem flüssigeren als dem bereits sehr guten Bediengefühl führt. Davon abgesehen gibt es wieder zwei eigens entwickelte Exynos-M4-Kerne und vier Cortex-A55. Auch die GPU ist mit der Mali-G76 MP12 die gleiche wie zuvor. Ebenso sind weitere Eigenschaften wie RAM-Support, integriertes LTE-Modem, NPU und ISP identisch zum Exynos 9820. Um 5G im Galaxy Note 10+ 5G zu realisieren, wird weiterhin das externe Exynos-5100-Modem benötigt, bei dessen Nutzung das interne Shannon-5000-Modem des SoCs deaktiviert wird.

UFS 3.0 beschleunigt erweiterbaren Speicher

Einen deutlichen Schritt nach vorne macht Samsung hinsichtlich des verbauten Speichers, der erstmals auf UFS 3.0 basiert, nachdem dieses Feature eigentlich Ende April im Galaxy Fold Premiere feiern sollte, das sich in zweiter Revision (Hands-On) auf den 18. September verschoben hat. UFS 3.0 wird von Samsung seit Ende Februar in Masse produziert und liefert pro Leitung eine Brutto-Datenübertragungsrate von 11,6 Gbit/s (1.450 MB/s). Wie schnell UFS 3.0 im Alltag arbeitet, konnte zuletzt das OnePlus 7 Pro (Test) unter Beweis stellen. Mit 1.479 MB/s beim sequentiellen Lesen spielt das Note 10+ in der gleichen Liga wie das OnePlus-Smartphone, wobei beim sequentiellen Schreiben mit 587 MB/s ein neuer Höchstwert erzielt wird. Auch das wahlfreie Lesen und Schreiben gelingt dem Galaxy Note 10+ mit Spitzenwerten.

Speicherkarten, die nur beim Note 10+, jedoch nicht beim normalen Note 10 eingesteckt werden können, werden ebenfalls schnell gelesen und beschrieben, allerdings nicht ganz so schnell wie bei manchem Smartphone der Konkurrenz. Das Note 10+ kommt auf 70 MB/s respektive 60 MB/s für das Lesen und Schreiben, während die besten Geräte 84 MB/s respektive 80 MB/s schaffen. Von einem Flaschenhals zu sprechen, wäre übertrieben, es gibt in diesem Punkt aber besser abschneidende Smartphones.

Größerer Akku mit 4.300 mAh

Abgesehen von der Größe des Displays machen sich die Unterschiede zwischen Note 10 und Note 10+ am Akku bemerkbar. Denn der Akku des Note 10 ist nicht nur kleiner, er lässt sich außerdem mit weniger starken Methoden laden, wobei es gegenüber dem Note 9 in jedem Fall ein Upgrade gibt, nur nicht bei der Nennladung des Akkus selbst. Das Note 10 als vermeintlicher Nachfolger des Note 9 bietet nur noch 3.500 mAh statt 4.000 mAh, erst das Note 10+ kommt auf 4.300 mAh.

Aufladen mit bis zu 45 Watt

Das standardmäßig mitgelieferte Netzteil EP-TA800 ist bei allen Note 10 im Vergleich zum Note 9 besser geworden, da es das Smartphone mit bis zu 25 Watt statt 15 Watt lädt. Außerdem hat Samsung den Anschluss am Netzteil von USB Typ A auf USB Typ C umgestellt. Mit dem EP-TA845 bietet Samsung optional ein 45 Watt starkes Netzteil für 50 Euro an, das aber nur zusammen mit dem Note 10+ noch schneller lädt. Bei älteren Samsung-Smartphones und beim Note 10 ist dieses Netzteil auf 25 Watt limitiert.

Galaxy Note 10+ Galaxy Note 10 Galaxy Note 9
Akku 4.300 mAh 3.500 mAh 4.000 mAh
Kabelgebundenes Laden bis zu 45 Watt* bis zu 25 Watt bis zu 15 Watt
Kabelloses Laden bis zu 15 Watt bis zu 12 Watt bis zu 7,5 Watt
*nur mit EP-TA845, ansonsten 25 Watt

Und auch beim kabellosen Laden gibt es Unterschiede, wobei das Note 10 wieder den Kürzeren zieht, da es bereits bei 12 Watt und nicht erst bei 15 Watt Schluss macht. Mit dem Wirrwarr aus im Vergleich zum Note 9 kleinerem Akku (Note 10) sowie unterschiedlich starken Lademechanismen, die sich bei kabelgebundenem sowie kabellosem Laden unterscheiden, hat Samsung der Kundschaft keinen Gefallen getan.

Lange Akkulaufzeiten beim Galaxy Note 10+

Immerhin stimmen die Laufzeiten zumindest des Note 10+ positiv. Denn der mit 4.300 mAh im Vergleich zum Note 9 etwas größer gewordene Akku kommt beim YouTube-Streaming mit kalibrierter Helligkeit von 200 cd/m² einer Laufzeit von 18 Stunden nahe. Das ist zwar bis auf wenige Minuten nicht ganz so lange wie beim Galaxy S10+ mit kleinerem Akku, aber auch kleinerem Display mit geringerem Energiebedarf, spielt jdeoch in der obersten Liga mit, wo sich auch das Huawei P30 Pro (Test) tummelt. Im Vergleich zum Galaxy Note 9, das mit Android 8.1 getestet wurde, steht ein Plus von rund zweieinhalb Stunden auf der Habenseite. Im PCMark fällt die Laufzeit mit knapp zwölf Stunden ebenfalls gut bis sehr gut und länger als bei jedem anderen Samsung-Smartphone aus, einige Konkurrenzgeräte laufen aber länger.

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