Stiftung Warentest: 14 Spiele-Apps für Kinder im Test durchgefallen

Sven Bauduin 77 Kommentare
Stiftung Warentest: 14 Spiele-Apps für Kinder im Test durchgefallen
Bild: Pixabay

Fortnite, Minecraft und Pokémon Go: Die Stiftung Warentest hat 14 Spiele-Apps für Kinder getestet und dabei Nazisprüche, Pornografie und versteckte Kosten gefunden. Kindgerecht sind Handyspiele laut der Verbraucherorganisation nur selten und eine Empfehlung erhält keine der getesteten Spiele-Apps.

Von bedenklich bis inakzeptabel

Insgesamt stufte die Stiftung Warentest 13 Spiele-Apps als inakzeptabel für Kinder ein, einmal gab es die „Bestnote“ bedenklich, mit der sich schlussendlich Pokémon Go den zweifelhaften und wenig rühmlichen „Testsieg“ sichern konnte. Die Verbraucherorganisation spricht von einem alarmierenden Ergebnis und geht in ihrer Begründung auf die Missstände ein, die dem Testergebnis zugrunde liegen.

Von „Sieg Heil“ bis zu „böse Juden“ ist alles dabei

Stiftung Warentest und jugendschutz.net, die den Test in Kooperation durchgeführt haben, haben etwa Verweise auf Porno­seiten, Mitspieler mit rechts­extremen Pseudonymen wie „Sieg Heil“ und ein Spiel, „in dem „böse Juden“ getötet werden sollen“ gefunden. Als Beispiel führen die Tester die Android-Version von Subway Surfers an, die für Kinder ab 6 Jahren freigegeben ist und Werbung für ein Spiel ab 18 Jahren beinhaltet, in dem „unablässig Menschen erschossen werden sollen“.

Auch mit den Richtlinien für Spielernamen nehmen es die Betreiber der 14 getesteten Spiele-Apps nicht genau und, so dass Kinder in Spielen wie Fortnite, Clash of Clans, Clash Royal und Brawl Stars auf eine Reihe von Mitspielern mit ablehnungswürdigen Namen wie „Judentöter“ und „Sieg Heil“ treffen oder die mit dem Namen ihrer Spielfigur offenkundig Werbung für einschlägig bekannte Porno-Websites machen.

Versteckte Kosten und unverständliche AGB

Laut Daten­schutz-Grund­ver­ordnung (DSGVO) müssen die AGB und die darin enthaltenen Daten­schutz­erklärungen für Dienste und Apps, die sich auch an Kinder richten, so formuliert sein, dass auch Kinder sie problemlos verstehen können. Keine der geprüften Spiele-Apps hält sich an diese rechtliche Vorgabe, weshalb die Stiftung Warentest allen Anbietern sehr deutliche Mängel in den all­gemeinen Geschäfts­bedingungen attestiert. Ein Großteil der Apps übertrage zudem mehr Nutzer­daten, als für den Funktionsumfang des Spiels notwendig wären. Welche Daten übertragen werden und wo diese letztendlich landen, bleibt hingegen ein Geheimnis.

Juristen fanden zudem grobe Verstöße und unzulässige Klauseln in den AGB, bei denen Angry Birds 2 dem ganzen die Krone aufsetzt und eine Vollmacht zur Überwachung des Spielers haben möchte. Die Macher von Angry Birds 2 versuchen zudem digitale Edelsteine für 110 Euro an den Mann (das Kind) zu bringen. Das sei wenig kindgerecht, wie die Tester befinden.

Du stimmst dieser Über­wachung und Aufzeichnung unwiderruflich zu. Entsprechend willigst du ein, dass du keine Privatsphäre erwartest, einschließ­lich, aber nicht beschränkt auf Chat­texte oder Sprach­nach­richten.

Unzulässige Klausel aus den AGB zu Angry Birds 2

Temple Run 2, Subway Surfers, Empires & Puzzles und die Android-Version von Helix Jump haben erst gar keine allgemeinen Geschäftsbedingungen, womit aber zumindest uneingeschränkt das deutsche Recht zur Anwendung kommt.

Stiftung Warentest hat die Steckbriefe und Ergebnisse zu allen getesteten Spiele-Apps veröffentlicht und gibt Auskunft darüber, wie die Apps getestet wurden. Das Gesamturteil ist erschreckend, aber auch die Noten in den einzelnen Teildisziplinen fallen in vielen Fällen verheerend aus.