Europäische Cloud: Bundesregierung stellt Gaia-X offiziell vor

Andreas Frischholz 117 Kommentare
Europäische Cloud: Bundesregierung stellt Gaia-X offiziell vor
Bild: Bundeswirtschaftsministerium

Nach Medienberichten der letzten Tage und Wochen ist es nun offiziell: Die Bundesregierung hat auf dem Digital-Gipfel 2019 das Projekt Gaia-X vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine europäische Dateninfrastruktur, die die Bundesregierung gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft aufbauen will.

Eine sichere und vernetzte Dateninfrastruktur, die Innovationen fördert und digitale Souveränität ermöglicht – das ist das Ziel, das die Bundesregierung bei Gaia-X formuliert. „Die europäische Wirtschaft benötigt dringend eine Infrastruktur, die Datensouveränität und breite Datenverfügbarkeit bei hohen Sicherheitsstandards gewährleistet“, erklärte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) im Rahmen des Digital-Gipfels 2019, der aktuell in Dortmund stattfindet.

Abhängigkeit von Tech-Riesen verringern

Mit dem Projekt will die Bundesregierung erreichen, dass europäische Unternehmen weniger abhängig sind von den Branchengrößen wie Microsoft und Amazon. „Die Macht über die Daten soll in Europa dabei nicht in der Macht einiger weniger Konzerne liegen“, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) bei einer Keynote auf dem Digital-Gipfel der Bundesregierung. Das sei das größte Ziel von Gaia-X.

Europa werde bei der Plattform-Ökonomie derzeit abgehängt, lautet die Diagnose. Deswegen soll Gaia-X nun als Alternative aufgebaut werden, regelmäßig ist die Rede von einer Art Airbus für Cloud-Dienstleistungen.

Bund will Innovationen und Geschäftsmodelle fördern

Das Projekt soll Innovationen und neue Geschäftsmodelle in Europa fördern, indem verschiedene Unternehmen innerhalb eines digitalen Ökosystems freiwillig zusammenarbeiten. Dezentrale Server-Infrastrukturen innerhalb eines homogenen und nutzerfreundlichen Systems vernetzt werden. „Dazu müssen Start-ups, Wissenschaft und Unternehmen jeder Größe noch enger und mit Leichtigkeit miteinander kooperieren können“, heißt es in dem Gaia-X-Papier (PDF).

Offene Technologien sowie standardisierte Schnittstellen sollen es ermöglichen, Daten einfach und sicher auszutauschen sowie Anwendungen von Dritten zu nutzen. Als potentielle Anwendungsbereiche nennt man die Bereiche Industrie 4.0 sowie die Finanzwirtschaft, das Gesundheitswesen sowie die öffentliche Verwaltung und Wissenschaft.

Bei der Diskussionsrunde auf dem Digital-Gipfel wird insbesondere die Rolle von kleinen und mittleren Unternehmen betont, die künftig auch auf fortgeschrittene KI-Lösungen setzen sollen. Entsprechende Werkzeuge und Verfahren will man bei Gaia-X bereitstellen, um auf diese Weise auch die KI-Strategie der Bundesregierung zu ergänzen. Auch die Forschung soll von diesem Ansatz profitieren.

Start im kommenden Jahr

Bis zum nächsten Jahr soll die Idee in feste Strukturen überführt werden. Erste Anwendungen sollen dann Ende 2020 laufen. Das Projekt ist auch noch offen für weitere interessierte Partner aus Europa und der Welt. Beteiligt sind bereits Unternehmen wie Bosch, die Deutsche Bank, Deutsche Telekom, SAP oder Siemens. Auch IT-Branchenverbände wie der Bitkom sind involviert.