SteelSeries Apex Pro im Test: Dieser Art Taster gehört ein Teil der Zukunft

Max Doll 60 Kommentare
SteelSeries Apex Pro im Test: Dieser Art Taster gehört ein Teil der Zukunft

tl;dr: SteelSeries stattet eine Tastatur mit OLED-Display und technisch innovativen Tastern aus, bei denen der Auslösepunkt einprogrammiert werden kann. Nur das zweite dieser ungewöhnlichen Features bietet einen echten Mehrwert, hat sein Potential aber noch längst nicht ausgeschöpft.

Im High-End-Produktsegment sind eigene Taster in der Feature-Parade mittlerweile ein unverzichtbares Ausstattungsdetail, weil wichtiges Differenzierungskriterium. Die SteelSeries Apex Pro bringt demnach alle für diesen Bereich wichtigen Statussignale mit: Sie besitzt eine RGB-Beleuchtung, Zusatztasten, eine mächtige Software zur Konfiguration, eine Handballenauflage, einen Pass-Through-Port, aber auch ein kleines OLED-Display und OmniPoint-Taster.

Das muss zunächst nichts heißen, denn hinter neuen Namen verbergen sich oft genug nur zaghafte Variationen bekannter Produkte. Bei SteelSeries ist das aber tatsächlich mal anders: Die OmniPoint-Taster haben etwas, das andere Taster nicht haben, denn sie erfassen Signale nicht durch Leiterkontakt, sondern über Sensoren. Das macht sie ungemein flexibel, weil sie so früh oder spät auslösen können, wie es ihr Besitzer wünscht.

SteelSeries Apex Pro
Razer Huntsman Elite
Größe (L × B × H): 43,7 × 13,9 (20,8) × 4,0 (5,3) cm
Handballenauflage
44,5 × 13,9 (22,9) × 3,6 (4,8) cm
Handballenauflage
Layout: 105 ISO (erweitert)
Display
105 ISO (erweitert)
Gewicht: 970 g 1.705 g
Kabel: 1,90 m, USB 2.0 2,00 m, USB 2.0
Hub-Funktion: 1 × USB 2.0
Key-Rollover: N-KRO 10-KRO
Schalter: SteelSeries OmniPoint Razer Opto-Mechanical Purple
Tasten: Form: zylindrisch
Material: ABS-Kunststoff
Beschriftung: laser cut
Form: zylindrisch
Material: ABS-Kunststoff
Beschriftung: laser cut & pad printed
Zusatztasten: 1 × Medien
1 × Extra
Scrollrad (Lautstärke)
3 × Medien
Scrollrad (Helligkeit, Lautstärke)
Medienfunktionen: Stumm, Abspielen/Pause, Vor/Zurück Stumm, Lautstärke, Abspielen/Pause, Vor/Zurück
Zusatzfunktionen: Helligkeit (regeln, ausschalten), Gaming-Modus, Makroaufnahme Helligkeit (regeln, ausschalten), Gaming-Modus, Makroaufnahme, System-Funktionen
Beleuchtung: Farbe: RGB
Modi: Atmungseffekt, Welleneffekt, Reaktiver Modus, umlaufende Aktivierung, Farbschleife
Sonstige: individuelle LED-Profile
Farbe: RGB
Modi: Atmungseffekt, Welleneffekt, Reaktiver Modus, umlaufende Aktivierung, Gaming-Beleuchtung, Farbschleife
Sonstige: individuelle LED-Profile
Makros & Programmierung: 5 Profile, Hardware-Wiedergabe
vollständig, softwarelos programmierbar
Preis: ab 230 € ab 189 €

Technik der Taster erklärt

Die von SteelSeries mit Gateron entwickelten Taster besitzen einen Magnet im Stempel und einen Hallsensor im Taster, der die Stärke des Magnetfeldes misst. Je weiter der Taster eingedrückt wird, desto stärker wirkt das Feld auf den Sensor. Ermittelt wird beim Betätigen also nur, wie weit sich der Stempel der Taste bewegt. Ob ein Signal ausgelöst werden soll, bestimmt erst die Firmware der Tastatur in Abhängigkeit der zurückgelegten Distanz, d. h. der Größe des gemessenen Werts.

Wie weit gedrückt werden muss, kann deshalb im Bereich zwischen 0,4 und 3,6 Millimeter Wegstrecke für jede Taste einzeln durch den Anwender bestimmt werden. Aufgrund der sensorbasierten Signalerfassung entfällt darüber hinaus die Debounce-Verzögerung, was eine 5 Millisekunden schnellere Signalübertragung ermöglicht. Praktisch spürbar ist das zu keinem Zeitpunkt. Der frei wählbare Signalpunkt gibt die Abstimmung der Taster vor. Ein Druckpunkt, der über das Auslösen informiert, lässt sich nicht verschieben und ergibt in diesem Szenario keinen Sinn. OmniPoint sind deshalb ausschließlich mit linear steigendem Widerstand erhältlich.

OmniPoint gegen rote Taster

Die Federstärke liegt „erfühlt“ etwas über „roten“ Tastern anderer Anbieter, wenngleich ein Blick in die Kraftdiagramme zwar eine etwas unterschiedliche Abstimmung, aber einen identischen Kraftverlauf bescheinigt. Sanfte Änderungen sind allerdings durchaus sinnvoll, da durch einen höheren initialen Widerstand mit schwächerem Anstieg eine Taste bei frühem Signalpunkt weniger leicht unabsichtlich betätigt wird. Den direkten Vergleich ermöglicht die Apex Pro ohne weiteres. OmniPoint-Taster werden nur für die 63 Taster des primären Tastenfeldes verwendet, F-Reihe, Pfeiltasten, Funktionstasten sowie Nummernblock greifen auf 43 Taster des Typs „Red“ mit fest vorgegebenem Signalpunkt und herkömmlichen Metallkontakten zurück. Eine solche Mischbestückung ist fast schon ein Glücksfall, da sie den Vergleich verschiedener Taster unter vollständig identischen Rahmenbedingungen erlaubt.

In Gänze gleich lösen beide Tastermodelle nicht aus. Beim Eindrücken der roten, mechanischen Taster machen sich ihre Metallkontakte sanft bemerkbar, die als zusätzlicher Reibungspunkt wirken. Einen identischen Fußabdruck verhindern außerdem Unterschiede in der Federspannung. Von fundamentalen Differenzen lässt sich aber nicht sprechen. Identisch tippt es sich in den beiden Bereichen nicht, der Unterschied geht im Betrieb meist unter. Um ihn zu finden, muss man ihn gezielt suchen. Omnipoint sind demnach ungefähr rote Taster, allerdings etwas leiser, da sie dumpfer klackern – in ihrem Inneren befindet sich kein Metall, das einen Kontakt herstellen muss.

SteelSeries Apex Pro (OmniPoint)

Flexibilität auf dem Prüfstand

Durch die Freiheit, den Signalpunkt theoretisch nach Belieben zu setzen, gewinnt die Apex Pro eine neue Qualität. Bei der Wahl der Taster ist zwar die lineare Charakteristik erheblich, nicht aber, wann sie auslösen. Anders als bei den populären MX-Tastern kann diese Entscheidung erst auf dem Schreibtisch und jederzeit wieder erfolgen, bis eine individuell komfortable Konfiguration ermittelt wurde.

Eine solche Freiheit hat praktische Vorteile. Schnell auslösende Taster fühlen sich agil an, können aber leicht Fehlauslösungen provozieren, weil sie sich unmerklich eindrücken lassen. Mit OmniPoint lässt sich ein Kompromiss für alle Tasten finden, der gerade über der individuellen Schmerzgrenze liegt. Möglich ist aber auch, Tasten wie „Leer“ und „Strg“, auf denen Finger in Ruhepositionen liegen, gezielt später auslösen zu lassen. Die Leichtgängigkeit von MX Speed etwa wird dadurch wesentlich alltagstauglicher. So gut wie in der Apex Pro für alle möglichen Szenarien nutzbar waren schnell auslösende Tasten noch nie: Im Test gelang es durch die Abstimmung der Federn und abweichende Signalpunkte, mit einem Signalpunkt von weniger als einem Millimeter präzise und schnell zugleich zu schreiben, aber auch zu spielen. MX Speed und vergleichbare Taster gelang dies nur mit Abstrichen.

Obwohl die Flexibilität ein Pluspunkt ist, gerät sie noch vergleichsweise grob. Einstellen lässt sich keine Wegstrecke, sondern nur ein abstrakter Wert zwischen 1 und 10. Bei möglichen Einpresstiefen von 0,4 bis 3,6 Millimetern ergibt sich daraus eine Stufung von 0,355 Millimetern, was nach nicht viel klingt, aber durchaus beachtlich ist. Werden andere Hall-Effekt-Taster zum Vergleich herangezogen, fällt erst recht auf, dass SteelSeries eher noch an der Oberfläche der Möglichkeiten kratzt.

Die Wooting One erlaubt es beispielsweise, Taster als Analogstick zu nutzen oder zwei Signalpunkte festzulegen. So ist es unter anderem möglich, Groß- und Kleinbuchstaben mit derselben Taste einzugeben. Auch für Zusatzfunktionen oder Makros hätte eine solche Funktion auf selten genutzten und bewusst gedrückten Tasten sicherlich Vorzüge. Dem Raum der Optionen gegenüber bleibt die Implementierung von SteelSeries geradezu rudimentär, man möchte fast meinen auf einen unvermeidlichen Facelift-Innovationszyklus ausgelegt. Sie ist klar die erste Generation einer neuen Technologie. Diese Zurückhaltung kann als ihre größte Schwäche bezeichnet werden.

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