Amazon Echo Studio im Test: 3D-Audio kann man nicht mehr ungehört machen

Frank Hüber 90 Kommentare
Amazon Echo Studio im Test: 3D-Audio kann man nicht mehr ungehört machen

tl;dr: Der bisher größte und leistungsstärkste Echo-Lautsprecher, der Echo Studio, überzeugt im Test mit fünf Treibern und 3D-Audio über Amazon Music HD. Den Unterschied zu normalem Musikstreaming kann man nicht ungehört machen. Für 200 Euro ist der Echo Studio eine klare Empfehlung für alle, die viel Musik streamen.

Mit dem Echo Studio hat Amazon den bisher größten und leistungsstärksten Echo-Lautsprecher vorgestellt, der nicht nur höheren Klangansprüchen gerecht werden soll, sondern mit 3D-Audio auch mehr bietet als die kleineren Echo-Lautsprecher. Amazon hat nach eigenen Angaben über ein Jahr mit Dolby zusammengearbeitet, um dem Echo Studio 3D-Audio mit Dolby Atmos für ein räumliches Klangerlebnis zu verpassen.

Der Lautsprecher passt die Tonausgabe dabei nicht nur einmalig bei der Einrichtung den Raumverhältnissen an, sondern fortlaufend unter Zuhilfenahme von sieben Mikrofonen – Amazon spricht dabei von Audiofiltern, ohne weitere Details zu verraten. Die fortwährende Klanganpassung funktioniert jedoch nur, solange die Mikrofone des Echo Studio nicht stummgeschaltet sind. Eine Deaktivierung von Alexa bei Beibehaltung der Tonanpassung ist nicht möglich, da die Mikrofone beim Ausschalten der Spracherkennung technisch entkoppelt werden.

Fünf Treiber sollen für Raumklang sorgen

Für den Ton setzt der Echo Studio auf insgesamt fünf Treiber. Ein 5,25-Zoll-Subwoofer ist nach unten gerichtet und verfügt vorne und hinten über eine Bassreflexöffnung. Ein 1-Zoll-Hochtonlautsprecher strahlt nach vorne und drei 2-Zoll-Mitteltöner sind nach oben, rechts und links ausgerichtet. Die Ausrichtung des Echo Studio ist demnach durchaus von Bedeutung.

Innenleben des Amazon Echo Studio
Innenleben des Amazon Echo Studio (Bild: Amazon)

Der integrierte Verstärker leistet bis zu 330 Watt, bietet eine 100-kHz-Bandbreite und einen 24-Bit-Digital-Analog-Konverter (DAC). Dem Anspruch eines Hi-Fi-Lautsprechers geschuldet ist der kombinierte optische 3,5-mm-Klinken-Eingang des Echo Studio, über den sich externe Zuspieler verbinden lassen. Bei den Audioformaten unterstützt der Proband FLAC, MP3, AAC, Opus, Vorbis, Dolby Digital, Dolby Digital Plus, Dolby Atmos, Sony 360 Reality Audio/MPEG-H sowie 16- und 24-Bit-Audiokodierung (HiRes).

Beim WLAN setzt der Echo Studio auf die Standards 802.11 a/b/g/n/ac mit 2,4 und 5 GHz. Der neueste WLAN-Standard, Wi-Fi 6 (802.11ax), wird nicht unterstützt.

Das Design des Echo Studio erinnert an eine Kreuzung aus dem im letzten Jahr vorgestellten Echo Sub und dem Echo Plus. Der Durchmesser des Echo Studio beträgt 175 mm, die Höhe 206 mm. Damit ist das neue Modell schmaler als der Echo Sub, der es auf einen Durchmesser von 210 mm bringt, aber minimal höher als die 202 mm des Echo Sub. Der Subwoofer des Echo Sub ist mit 155 zu 133 mm so auch etwas größer. Das Gewicht des Echo Studio liegt bei 3,5 kg – weniger als die 4,2 kg des Echo Sub.

Koppeln mit anderen Echo-Lautsprechern und dem Fire TV Cube / 4K

Ein oder zwei Echo-Studio-Geräte lassen sich mit dem neuen Fire TV Cube der zweiten Generation, dem Fire TV Stick 4K und dem Fire TV Stick (2. Generation) koppeln, sodass die Audioausgabe der Videowiedergabe mit Multikanalklang sowie Unterstützung von Dolby Atmos, Dolby Digital 5.1 und Stereo-Audioformaten drahtlos über die Echo Studio erfolgt – unabhängig von der Anwendung, die auf dem Fire TV genutzt wird; auch YouTube und Netflix sind so kein Problem. Damit die Verbindung zwischen Echo Studio und Fire TV funktioniert, müssen beide mit demselben WLAN verbunden sein. In der Alexa-App muss für die drahtlose Verbindung beider Geräte unter „Geräte > + > Audiosystem einrichten“ ein Heimkino aus dem Fire TV und Echo Studio erstellt werden.

Die Fernbedienung des Fire TV steuert daraufhin die Lautstärke des Echo Studio und in dem neuen Einstellungsmenü zum Heimkinosystem im Fire TV kann nicht nur dies umgestellt, sondern über „Lip Sync Tuning“ auch die Synchronisation zwischen Bild und Ton, falls notwendig, angepasst werden.

Der Echo Studio mit einem zweiten Echo Studio oder einem Echo Sub gekoppelt werden, um die Basswiedergabe noch weiter zu erhöhen. Auch in Multiroom-Setups mit anderen Echo-Lautsprechern kann der Studio eingebunden werden. Ein Stereopaar aus Echo Studio und Echo (Plus) ist aber nicht möglich, diese Option ist rein auf einen zweiten Echo Studio beschränkt. Ein Multiroom-Setup mit anderen Echo-Lautsprechern ist aber auch beim Echo Studio möglich.

Zudem unterstützt auch der Echo Studio das „Advanced Audio Distribution Profile“ (A2DP), um Musik vom Smartphone direkt auf den Lautsprecher oder aber vom Echo Studio an einen anderen Lautsprecher zu übertragen.

Bekannte Tasten zur Steuerung des Echo Studio

An der Oberseite bietet der Echo Studio sieben Mikrofone und neben dem bekannten Lichtring, der bei Interaktion mit Alexa blau und bei deaktiviertem Assistenten rot leuchtet, Tasten zur Steuerung der Lautstärke von Alexa und zum Stummschalten der Mikrofone.

Amazon Echo Studio: Leuchtring und Bedienelemente an der Oberseite
Amazon Echo Studio: Leuchtring und Bedienelemente an der Oberseite
Amazon Echo Studio: Stromanschluss und optischer Eingang an der Rückseite
Amazon Echo Studio: Stromanschluss und optischer Eingang an der Rückseite
Amazon Echo Studio: Gummierte Unterseite
Amazon Echo Studio: Gummierte Unterseite

Auch der Echo Studio ist ein Zigbee-Hub

Wie der Echo Plus bietet ebenso der Echo Studio einen Zigbee-Hub, um Smart-Home-Geräte direkt mit dem Lautsprecher als Zentrale zu verbinden. So kann bei Philips Hue beispielsweise auf den Einsatz der Hue-Bridge verzichtet werden.

Einrichtung über die App

Die Einrichtung des Echo Studio erfolgt wie bei allen anderen Echo-Lautsprechern auch über die Alexa-App. Sobald der Lautsprecher angeschlossen ist, fragt die Alexa-App, ob er eingerichtet werden soll. Zunächst wird er daraufhin mit dem WLAN verbunden und lädt, falls verfügbar, ein Update herunter. Nach der Einrichtung können in der App die üblichen Einstellungen beispielsweise zu den Tönen, Benachrichtigungen und Weckern vorgenommen werden. Hierbei unterscheidet sich der Echo Studio zunächst nicht von Lautsprechern wie dem Echo (Plus).

Sobald jedoch die Ersteinrichtung abgeschlossen ist, spielt der Echo Studio automatisch einige Testtöne ab, die er mit den Mikrofonen wieder einfängt, um die Einstellungen zur Klangcharakteristik des Lautsprechers an die Akustik des Raumes anzupassen. Das Prozedere mit den Testtönen ist einmalig, die Klangcharakteristik wird jedoch fortlaufend bei der Nutzung angepasst, um auf eine veränderte Positionierung des Lautsprechers oder Umgestaltung des Raumes zu reagieren, solange die Mikrofone nicht ausgeschaltet sind.

Die Stereoklangqualität des Echo Studio

Wie eingangs bereits erwähnt, setzt der Echo Studio auf fünf Treiber bestehend aus einem Woofer, einem Hochtöner und drei Mitteltönern. Im Test erweist sich diese Trennung je nach Musikstück als deutlich wahrnehmbar, da nicht mehr versucht werden muss, die Mitten via Hochtonlautsprecher und Woofer abzudecken, was etwa beim Echo dazu führt, dass die Höhen und Bässe überwiegen.

Der Echo Studio bietet hingegen ein differenzierteres Klangbild als der Echo, bei dem die Töne dank der fünf einzelnen Treiber weniger verschwimmen. Zudem hat er mehr Reserven als der Echo, wenn es mal lauter wird. Wenn der Echo beim Bass anfängt zu brummen und das Klangbild deutlich in Richtung der Höhen verschiebt, hat der Echo Studio noch keine Probleme und spielt diese weiterhin sauber ab. Wenig verwunderlich sind die Bässe auch druckvoller als beim Echo. Zwar ist der Klang des Echo Studio dabei durchaus ebenfalls etwas basslastig, dieser klingt dabei aber nicht gleichzeitig schlecht – zudem kann der Bass vom Nutzer in der Alexa-App über einen Equalizer eingestellt werden. Im Grunde möchte man sagen, dass der Echo Studio und der Echo gleich basslastig abgestimmt sind, der Echo den Bass an vielen Stellen aber einfach nicht kann – was etwa bei „Take A Look Around“ von Limp Bizkit deutlich wird.

Bei „The Way“ von Meshell Ndegeocello klingen die Stimme und die Instrumente sehr viel klarer und differenzierter als auf einem Echo. Gleiches gilt etwa auch bei „Lost in You“ von Dirty Loops. Der Echo Studio profitiert dabei vor allem von den dedizierten Mitteltönern, die der Echo mit nur einem Hochtonlautsprecher und einem Woofer gar nicht bietet. Dies macht sich nicht bei jeder Musik gleichsam bemerkbar, aber grundsätzlich bietet der Echo Studio die deutlich besseren Mitten.

Der Echo hat dafür, auch das muss gesagt werden, in manchen Tracks durchaus klare Vorteile bei den Höhen, wenn diese deutlich in den Vordergrund rücken und auf dem Echo Studio dumpfer wiedergegeben werden.

Auch ohne 3D-Audio Stereo beim Echo

Auch ohne 3D-Audio vermittelt der Echo Studio etwas Stereoklang durch seine fünf Treiber. Sehr gut testen lässt sich der Stereoklang mit der Albumversion von Michael Jacksons „Thriller“, die eine perfekte Stereoverteilung aufweist. Die Schritte am Anfang des Tracks gehen von rechts nach links durch den Raum, die Glocke ist nur rechts abgemischt, während die Gitarren links einsetzen. Ganz so differenziert ist dies auch auf dem Echo Studio nur bei sehr genauem Hinhören und zentraler Sitzposition wahrzunehmen, aber beispielsweise die Schritte sind klar zunächst rechts, dann in der Mitte und schließlich links zuzuordnen. Was banal klingt, ist ohne Stereopaar zum ersten Mal in dieser Form auf einem klassischen Echo-Lautsprecher der Fall, denn mit einem Echo (Plus) ist keinerlei Unterscheidung von rechts und links möglich. Ein klassisches Stereo-Lautsprecherpaar bietet aber ohne Zweifel den weit besseren Stereo-Effekt.

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