Lieferprobleme bei Intel: HPE warnt vor Xeon-Engpässen für das ganze Jahr 2020

Volker Rißka 92 Kommentare
Lieferprobleme bei Intel: HPE warnt vor Xeon-Engpässen für das ganze Jahr 2020

Die 14-nm-Lieferprobleme bei Intel werden erneut vermutlich länger anhalten als gedacht. HPE als einer der großen Anbieter von Server-Systemen warnt nun für das gesamte Jahr 2020 vor einem Engpass an aktuellen Xeon-Prozessoren, die der Familie Cascade Lake-SP angehören. Die Alternative: Kunden sollen zu Skylake-SP greifen.

Wer Cascade Lake will, muss warten – oder Skylake nehmen

Dass gewillte Intel-Server-Käufer bei HPE anstatt Cascade Lake-SP nun zweieinhalb Jahre alte Skylake-SP angeboten bekommen, die eventuell noch im Lager liegen, zeigt, wie prekär die Lage ist. Intel habe den Fokus zwar seit zwei Jahren auf teure Xeon und Core gelegt, dafür aber nicht alle anderen Bereiche komplett eingestellt. Ohne Chipsätze nutzt bekanntlich keine CPU etwas, zudem müssen Verträge wie beispielsweise mit Apple erfüllt werden. Wie viel letztlich hinter den Worten der Priorisierung steckt, sagt Intel nicht.

Based on demand, we are expecting supply will remain constrained through 2020. Server platforms which use these processors are affected. In order to minimise customer impact as a result of these supply constraints with Cascade Lake processors, HPE urges customers to consider alternative processors, which are still available.

HPE

Geschichte scheint sich unterm Strich erneut zu wiederholen, genauer gesagt dauert die Fortsetzung des Ursprungs noch einmal deutlich länger. Denn geht es nach den Analysen von Marktbeobachtern, war der ursprüngliche Engpass an 14-nm-Produkten, der im Jahre 2018 begann, nie überwunden, sondern nahm im Herbst 2019 nur noch einmal an Fahrt auf.

Intel selbst bestätigte zwischenzeitlich mehrfach die Probleme, die unter anderem durch die vollständige Fertigung von Modems für Apple sowie alle eigenen Chipsätze verursacht wurden. Fehlende neue, für die Massenproduktion nutzbare Fertigungstechnologien lassen derzeit nahezu alle Produkte in ein und derselben Fertigungsstufe basierend auf 14 nm vom Band laufen, minimale Ausnahmen abgesehen. Auch die zukünftig geplante Kapazitätserhöhung wird nicht ausreichen, denn wie CEO Bob Swan betonte, benötigen die CPUs mit mehr Kernen auch mehr Platz auf einem Wafer, sodass die Kapazitätserhöhung am Ende auch benötigt wird, um den Status Quo überhaupt zu halten.

Intels Großkunden sind mittlerweile andere

HPE ist am Ende aber nicht allein mit den Problemen. Und so spüren auch Dell und Lenovo als zwei weitere Branchenriesen die Auswirkungen. Aus gewissen Bereichen im Verkauf und der Distribution kommen dabei auch Vorwürfe, dass die Hersteller sprichwörtlich ihren Kopf in den Sand gesteckt haben. Denn die Krise dauert nun bereits seit eineinhalb Jahren, Lösungen haben sie allesamt kaum welche anzubieten. Denn Intel fokussiert nicht nur die bestimmten CPUs, sondern auch die Kundschaft. Und das waren zuletzt eher große Hyperscaler in Form von Microsoft mit Azure, Google mit YouTube und Cloud sowie Android-Diensten, Facebooks riesiges Netzwerk, Amazon AWS, sowie Alibaba, Tencent, Baidu und Co, die Custom-Prozessoren für ihre Rechenzentren und Cloud-Farmen in riesigen Mengen erhalten, statt klassische Server-Anbieter.

Die Alternative wäre natürlich AMD und zuletzt schienen die Hersteller nun auch mehr und mehr gewillt zu sein, diesen Weg einzuschlagen. Vor zwei Jahren klang das insbesondere bei den Platzhirschen in dem Geschäft oft noch anders, mehr als ein oder zwei „Alibi“-Systeme waren dort mit neuem AMD-Server-Prozessor Epyc nicht zu finden. Das änderte sich in den letzten Monaten und Wochen. AMDs anvisierte 10 Prozent Marktanteil zur Mitte dieses Jahres sowie das Allzeithoch von 26 Prozent aus dem Jahre 2003 scheinen durch die Probleme von Intel sowie den Lösungen wie Epyc „Rome“ und später Epyc „Milan“ auf Basis von Zen 3, der laut AMD im Labor bereits sehr gut aussieht, nun schneller erreichbar.