NZXT Kraken Z63 im Test: Messergebnisse

 2/3
Thomas Böhm
243 Kommentare

Testsystem und Methodik

Für den Test der NZXT Kraken Z63 wird die AM4-Plattform für Kühlertests genutzt. Dabei kommt ein AMD Ryzen 7 1700X (Test) zum Einsatz, der im geräumigen Thermaltake Suppressor F51 untergebracht wird. Messungen werden sowohl mit Basistakt als auch bei übertaktetem Prozessor durchgeführt. Alle Details zu dem Testsystem und der Methodik hält der Artikel „So testet ComputerBase CPU-Wasserkühlungen“ bereit.

Messergebnisse

Um verschiedene CPU-Kühler sinnvoll miteinander vergleichen zu können, werden die Konkurrenten nicht bei gleicher Drehzahl, sondern in Relation zum Schalldruckpegel dargestellt. Diese Variante berücksichtigt eine unterschiedliche Anzahl an Lüftern ebenso wie verschiedene Lüfterformate. Im Diagramm wird die Temperaturdifferenz zwischen CPU- und Raumtemperatur auf der Y-Achse gezeigt, während auf der X-Achse der zugehörige Schalldruckpegel des jeweiligen Kühlers aufgetragen wird.

Ein Kühler ist umso leistungsstärker, je weiter unten sich seine Kurve im Diagramm befindet, und umso leiser, je weiter links die Kurve verläuft. Temperaturdifferenzen werden in Kelvin angegeben. Zum Übertragen auf den heimischen PC kann der entsprechende Wert einfach auf die Raumtemperatur in °C addiert werden, um die Prozessortemperatur in °C zu erhalten. Die Farbkodierung im Diagramm zeigt die Kühlerklasse: Kompaktwasserkühlungen sind in Blau, Doppelturm-Luftkühler in Schwarz, größere Tower-Kühler in Orange, mittlere Tower-Kühler in Grün und Topblow-Kühler in Grau dargestellt. Das neue Testmuster ist in Rot abgebildet. Per Klick auf eine Linie im Diagramm wird der entsprechende Legenden-Eintrag hervorgehoben und via Klick auf selbigen die zugehörige Linie ein- oder ausgeblendet.

Hinweise zur Darstellung der Daten

Es gilt zu beachten, dass beinahe übereinanderliegende Linien in diesem Plot bedeuten, dass die Kühler quasi gleich sind. Eine noch feinere Unterscheidung ist aufgrund der üblichen Messungenauigkeiten nicht sinnvoll, weshalb eine höher aufgelöste Darstellung bewusst nicht verfügbar ist. Wie an den Daten der Kühler beim Standardtakt des Prozessors ablesbar ist, spielt es ohne Übertaktung ohnehin kaum eine Rolle, welche Kompaktwasserkühlung oder welcher (größere) Luftkühler eingesetzt wird, da die Kühler kaum gefordert werden. Erst bei übertakteter CPU trennt sich die Spreu vom Weizen.

Um durchgehende Linien zu erhalten, werden die Daten zwischen den einzelnen Messpunkten interpoliert. Die zugrundeliegenden Daten mit nur linear verbundenen Punkten sind jeweils im zweiten der Diagramm-Paare zu finden. Weitere Informationen hierzu enthält der Artikel „Kühlertest-Methodik: Nur auf den ersten Blick ist Kühlertesten einfach“.

Die neue AiO-Kühlung von NZXT setzt sich souverän an die Spitze des Testfelds. Während die bisher getesteten 280-mm-AiOs alle ein sehr ähnliches Resultat erzielen, ist die Kraken Z63 messbar besser: Über das gesamte Lautstärkeintervall besteht ein Vorsprung von 1–2 Kelvin, der vor allem im niedrigen Drehzahlbereich sogar noch etwas deutlicher ausfällt. Die Aer-P-Lüfter der Wasserkühlung von NZXT leisten hierzu ihren Beitrag, denn ebenso wie im 120-mm-Format bei der Kraken X52 (Test) sind sie hervorragende Ventilatoren.

Der Wechsel auf Noctua NF-A14 als Referenzlüfter zeigt, dass es keinen Grund gibt, die Serienlüfter zu tauschen. Sie bieten einen kleinen Vorsprung im niedrigen Lautstärkebereich und sind ansonsten gleichauf mit den Referenzlüftern. Zwar sorgt die hohe maximale Drehzahl für eine mittlere Lärmbelästigung, doch mittels manueller (und anhand der Wassertemperatur festgelegter) Drehzahlkurven lässt sich die Kraken Z63 hervorragend an die eigene Präferenz aus Lautstärke und Kühlvermögen anpassen.

Die Pumpe und NZXT CAM

In der Kraken Z63 sitzt die neueste Generation der vielfach eingesetzten Asetek-Pumpe. Sie soll dank niedrigerer Minimaldrehzahl besonders leise agieren. Beworben wird eine minimale Pumpendrehzahl von 800 U/min. Laut Tachosignal werden minimal 900 U/min erreicht – wobei die Drehzahl steigt, wenn die Wassertemperatur höher ist. Bei gut 30 °C der Flüssigkeit werden etwa 1.200 U/min ausgelesen. Maximal werden knapp 3.000 U/min erreicht. Die Testdurchläufe wurden mit 60 % der maximalen Pumpendrehzahl und damit gut 2.000 U/min als Kompromiss zwischen Leistung und leisem Betrieb durchgeführt.

Mit maximaler Pumpendrehzahl steigt das Kühlvermögen der Kraken Z63 noch etwas weiter an. Dafür muss aber eine deutliche Zunahme des Laufgeräuschs der Pumpe in Kauf genommen werden. Der Betrieb bei minimaler Pumpendrehzahl ist zumindest unter Last nicht empfehlenswert: Zwar ist die Pumpe dann tatsächlich sehr leise, doch das Kühlvermögen sinkt stark ab.

Der Betrieb bei 60 % ist ein guter Kompromiss. Alternativ steht die Möglichkeit zur Verfügung, eine Drehzahlkurve für die Pumpe zu erstellen, die erst beim Überschreiten einer gewissen Flüssigkeitstemperatur von der leisen Minimaldrehzahl auf eine höhere Umdrehungsgeschwindigkeit wechselt. In der Summe ist die neue Asetek-Generation in der Kraken Z63 eine sehr gute AiO-Pumpe, die bei geschlossenem PC-Gehäuse per Drosselung unterhalb der Wahrnehmungsgrenze betrieben werden kann.

CAM macht es möglich

Ermöglicht wird dies durch NZXT CAM, die proprietäre Steuerungs-Software des Herstellers. Zunächst muss hier erwähnt werden, dass die Nutzung von CAM ein Zwang ist, wenn die Kraken Z63 verwendet wird: Die Pumpe kann ausschließlich über die Software gesteuert werden. Die Lüfter könnten zwar alternativ „klassisch“ per Mainboard-Anschluss angesteuert werden, doch ohne USB-Verbindung zur Datenübertragung wäre das Display der AiO obsolet, das jedoch ein elementares Kaufargument für die teure AiO ist. Folglich geht es bei der Bewertung von CAM für die Kraken Z63 nur darum, wie nutzerfreundlich die Software gestaltet ist und ob sie neben der Display-Steuerung weitere sinnvolle Funktionen liefert.

Hier profitiert NZXT von der längeren Erfahrung mit CAM im Vergleich zu Gigabyte und dessen noch nicht ausgereifter Aorus Engine des Aorus Liquid Cooler 280 (Test): Als wichtige Datenquelle für die Erstellung von Drehzahlkurven steht die Flüssigkeitstemperatur zur Verfügung. Das Tool von NZXT ist zwar ebenfalls nicht perfekt, arbeitet im Testsystem aber stabil und bietet mehr Einstellmöglichkeiten. Die deutschen Übersetzungen sind noch nur teilweise vorhanden – im Vergleich zur Software von Gigabyte wird aber wenigstens überhaupt eine Übersetzung geboten und NZXT gelobt, regelmäßig Updates mit Verbesserungen zu veröffentlichen.

Das Display kann in verschiedenen Layouts diverse Sensordaten anzeigen. Zudem erlaubt es die Darstellung eigener Bilder in Form von .gif-Dateien. In Version 4.2.0, die ComputerBase für den Test zur Verfügung stand, fehlten allerdings noch Optionen wie ein Dimmen der sehr hellen Hintergrundbeleuchtung des LCDs oder auch ein Drehen des Display-Inhalts. Zudem lassen sich in benutzerdefinierten Drehzahlkurven Pumpe und Lüfter nur auf Minimaldrehzahl (Pumpe) bzw. Stillstand (Lüfter) drosseln, wenn zunächst auf das „Fest“-Profil geschaltet wird und anschließend auf „Benutzerdefiniert“. Diese Probleme sollen in der aktuellsten Version 4.2.4 bereits behoben sein.

Auf der nächsten Seite: Fazit