Festplatten: Auch bei Seagate gibt es SMR als Überraschung

Michael Günsch
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Festplatten: Auch bei Seagate gibt es SMR als Überraschung
Bild: Seagate

Nachdem bekannt wurde, dass Western Digital Festplatten mit SMR-Technik ohne Kennzeichnung anbietet, ist nun bestätigt, dass dies auch bei Seagate der Fall ist. Während etwa die Archive-Modelle klar gekennzeichnet sind, steckt SMR ohne Hinweis auch in manchen Modellen der Barracuda- und Desktop-HDD-Serie.

Über entsprechende Einträge in der Datenbank vom Geizhals-Preisvergleich wurde die Website Blocks & Files auf die besagten Seagate-HDDs aufmerksam. Auf Nachfrage hat der Hersteller gegenüber der Website bestätigt, dass SMR in den folgenden Festplatten zum Einsatz kommt:

  • Seagate Barracuda 2TB ST2000DM008 (3,5 Zoll, 7.200 U/min, SATA)
  • Seagate Barracuda 4TB ST4000DM004 (3,5 Zoll, 5.400 U/min, SATA)
  • Seagate Barracuda 8TB ST8000DM004 (3,5 Zoll, 5.400 U/min, SATA)
  • Seagate Desktop HDD 5TB ST5000DM000 (3,5 Zoll, 5.900 U/min, SATA)

Im Gegensatz zu Modellen der Serien Seagate Archive oder Seagate Exos, bei denen auf die SMR-Technik schon im Datenblatt klar hingewiesen wird (siehe Screenshot), fehlt bei den Barracuda- und Desktop-HDD-Modellen jeglicher Hinweis auf SMR.

Ein solcher Hinweis auf SMR fehlt bei manchen Seagate-HDDs
Ein solcher Hinweis auf SMR fehlt bei manchen Seagate-HDDs

SMR bringt Nachteile mit sich

SMR steht für Shingled Magnetic Recording und ist eine Aufzeichnungstechnik für Festplatten, bei der die Datenspuren (Tracks) überlappen. Dadurch wird die Speicherkapazität pro Magnetscheibe erhöht, doch müssen beim Wiederbeschreiben auch angrenzende Spuren aktualisiert werden, was für Leistungseinbußen sorgt, weshalb SMR-Festplatten vornehmlich zur Archivierung mit seltenem Schreibaufkommen eingesetzt werden. Je nach Einsatzgebiet ist daher entscheidend, ob SMR oder ein herkömmliches Aufzeichnungsverfahren (CMR = Convential Magnetic Recording) genutzt wird.

Gleiches Spiel bei Western Digital

Erst gestern hatte die Redaktion über ein ähnliches Vorgehen bei Western Digital berichtet. Auch bei diesem Hersteller finden sich Festplatten mit SMR ohne entsprechende Kennzeichnung im Portfolio. Nach bisherigem Kenntnisstand betrifft dies Modelle mit 2 TB bis 6 TB in der Serie WD Red für NAS.

Probleme mit RAID

Medien wurden auf das Thema aufmerksam, da Anwender über Probleme beim Einbinden in RAID-Konfigurationen berichtet hatten. Die SMR-Technik hatte demnach zu Fehlermeldungen geführt.

WD and Seagate are _both_ shipping drive-managed SMR (DM-SMR) drives which don't report themselves as SMR when questioned via conventional means. What's worse, they're shipping DM-SMR drives as "RAID" and "NAS" drives This is causing MAJOR problems - such as the latest iteration of WD REDs (WDx0EFAX replacing WDx0EFRX) being unable to be used for rebuilding RAID[56] or ZFS RAIDZ sets: They rebuiild for a while (1-2 hours), then throw errors and get kicked out of the set.

smartmontools.org
Update 17.04.2020 19:34 Uhr

Nach Anfrage der Redaktion liegt ein knappes Statement von Seagate zur Thematik in englischer Sprache vor. Demnach findet der Hersteller, dass die Produktbeschreibungen und Dokumentationen genügend Informationen enthalten, „die zur Auswahl des richtigen Laufwerks für die richtige Anwendung erforderlich sind“.

Der Einsatz der SMR-Technik gehört augenscheinlich nicht dazu, zumindest blieb die Frage, woran Kunden dies erkennen können, bisher unbeantwortet. Zwischenzeitlich war bekannt geworden, dass auch Toshiba SMR ohne klare Kennzeichnung einsetzt, sodass dies für alle drei HDD-Hersteller gilt.

We optimize our drive designs and specifications to be consistent with the positioning and intended workload for each drive. Our product descriptions and documentation provide the information needed to choose the right drive for the right application.

Seagate
Update 23.04.2020 14:12 Uhr

Gegenüber Ars Technica hat Seagates Kommunikations-Chef Greg Belloni zu verstehen gegeben, dass Seagate (im Gegensatz zu Western Digital) keine für NAS bestimmten Festplatten mit SMR-Technik ausstattet und dies auch nicht empfehle.

Die Serien IronWolf und IronWolf Pro nutzen demnach kein SMR und dies soll wohl vorerst auch so bleiben.

Für die oben erwähnten Desktop-Modelle sieht Seagate SMR hingegen offenbar als angemessen an, lässt aber weiterhin eine klare Kennzeichnung vermissen, wie sie bei den Modellen der Exos- und Archive-Serie besteht.

Die Redaktion dankt ComputerBase-Leser Stefan O. für den Hinweis zum Update.