1.400 Polizeibeamte im Einsatz: Ermittlern gelingt schwerer Schlag gegen Crimenetwork

Sven Bauduin
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1.400 Polizeibeamte im Einsatz: Ermittlern gelingt schwerer Schlag gegen Crimenetwork

Ermittlern von Cybercrime Bayern ist ein bemerkenswerter Schlag gegen den illegalen Marktplatz Crimenetwork gelungen, das gab die eigens für diesen Einsatz mit mehreren Spezialeinheiten verstärkte Zentralstelle der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg in der gemeinsamen Pressemitteilung mit dem LKA Brandenburg vom 24. Juni bekannt.

32 Verhaftungen bei 232 koordinierten Durchsuchungen

Am Dienstag, den 23. Juni erfolgte der Zugriff und 32 Tatverdächtige konnten bei 232 Durchsuchungen in 15 Bundesländern habhaft gemacht werden und sitzen zurzeit in Untersuchungshaft.

Der heute 29-jährige deutsche Administrator des Crimenetwork-Forums wurde bereits am 28. Mai 2019 bei der Einreise nach Deutschland vom BKA festgenommen und sitzt seitdem in der JVA Cottbus ebenfalls in Untersuchungshaft. Zum gleichen Zeitpunkt beschlagnahmte das LKA Brandenburg das Forum. Allein dem Kopf von Crimenetwork werden bislang rund 1.500 Straftaten zur Last gelegt.

Aus dem von der Zentralstelle Cybercrime Bayern koordinierten Einsatz mit 1.400 Polizistinnen und Polizisten aller Bundesländer mit Ausnahme von Thüringen und der Bundeskriminalämter aus Deutschland sowie Österreich und Polen resultieren aktuell insgesamt 328 Ermittlungsverfahren im In- und Ausland.

300 Terabyte an Daten sichergestellt

Die Beamten konnten mehr als 700 Geräte wie Computer, Notebooks und Smartphones sicherstellen und zudem über 300 Terabyte an Daten sichern. Außerdem wurden Drogen und Waffen sowie Bargeld im mittleren fünfstelligen Bereich und Guthabenkonten, sogenannte Wallets mit Kryptowährungen, beschlagnahmt.

Tauschbörse für Straftaten

Die sichergestellten Dokumente sollen das ganze kriminelle Ausmaß der Plattformen zeigen. Auf dem illegalen digitalen Marktplatz wurden Informationen, Daten und Tools sowie aus Straftaten stammende Waren gehandelt, die anschließend erneut für Straftaten dienten. Gestohlene Kreditkartendaten und fremde Kontodaten gehörten ebenso zum Angebot der Plattform wie Drogen und Falschgeld, Tools für Hacker und Botnetze.

Der nahezu ausschließliche Zweck des Forums liegt im Handel und Austausch von Informationen, Daten, Werkzeugen und Waren, die entweder direkt aus Straftaten stammen oder der unmittelbaren Begehung weiterer Straftaten dienten.

Generalstaatsanwaltschaft Bamberg

In den Communities gab es bereits seit Mai 2019 die Vermutung, die Polizei lese mit. Damals war die Website kurzfristig nicht mehr zu erreichen und der Administrator entschuldigte sich für ein unerwartetes Problem mit der Infrastruktur.

Liebe Crimework-Mitglieder, gegenwärtig haben wir ein unerwartetes Problem mit der Infrastruktur. Die Datenbank ist gesichert. Vendor- und Servicelaufzeiten werden um die Ausfallzeit verlängert. Das Geld im TH ist sicher.

Crimework.to im Mai 2019

Ob bereits die Vorermittlungen für folgende Ermittlungsarbeiten den Ausfall provoziert hatten, ist bislang noch nicht bekannt. Offiziell begann das Hauptermittlungsverfahren erst im Spätsommer.

Ermittlungen laufen seit August 2019

Offiziell laufen die Ermittlungen der Cybercrime-Spezialisten aus Bamberg und des polizeilichen Nordverbundes Cybercrime in enger Abstimmung mit dem Bundeskriminalamt seit dem August 2019.

Nachdem der Administrator der Plattform bereits in U-Haft saß, konzentrierten sich die Ermittlungen der Beamten auf die Nutzer. Die Ermittlungen gegen alle identifizierten Nutzer des illegalen Netzwerkes werden nun von den jeweils örtlich zuständigen Staatsanwaltschaften respektive Schwerpunktstaatsanwaltschaften der Bundesländer weitergeführt. Insgesamt zählte die Crimenetwork-Community zum Zeitpunkt des Einsatzes rund 50.000 Nutzer.

In akribischer Kleinarbeit ist es in den letzten Monaten gelungen, zahlreiche Personen zu identifizieren, die crimenetwork.co für illegale Zwecke verwendeten. Crimenetwork.co trat in der Underground Economy an die Stelle des geschlossenen Forums Crimenetwork.biz.

Generalstaatsanwaltschaft Bamberg
Update 25.06.2020 11:53 Uhr

Admins von Crimenetwork warnten ihre Nutzer

Wie die deutschsprachige Website zu den Themen Datenschutz, Urheberrecht und Internetpiraterie tarnkappe.info berichtet, haben sich die beiden Administratoren „Inigo“ und „MeisterEde“ bereits vor dem Zugriff der Beamten an die Nutzerschaft ihrer Plattform gewandt und diese vor den möglichen Konsequenzen gewarnt.

Verschluesseln, verstecken, vernichten. In dieser Reihenfolge. Seid vorbereitet, es koennte etwas krachen. Wir koennen die genauen Folgen selbst nicht abschaetzen, sind jedoch entsprechend vorbereitet.

MeisterEde, Admin von Crimenetwork.co

Demnach sollen die Ermittler bereits seit Februar 2018 Zugriff auf die Plattform gehabt und die Log-Dateien von insgesamt 15 Monaten ausgewertet haben.

Wir sehen es als bestätigt an, dass die Daten des alten Backends vom Februar 2018 bis zum Mai 2019 ausgewertet wurden.

Inigo, Admin von Crimenetwork.co

Einer der Administratoren äußerte sich auch nach dem Zugriff der Behörden noch über das Forum der Plattform, das bis dato noch immer online erreichbar gewesen ist.

Es hat leider noch mehr Durchsuchungen gegeben als damals. Die Registrierung wird geschlossen und jeder von uns überprüft seine Sicherheit. Die Säuberungen werden nach und nach durchgeführt. TH Gelder sind natuerlich weiterhin sicher und alle gebotenen Services stehen weiterhin zur Verfuegung.

Inigo, Admin von Crimenetwork.co

In einem Interview vom 30. August 2019 gab das „Team“ von Crimework.co zudem einen Einblick in die illegalen Machenschaften und die internen Abläufe der Plattform.