Elgato 4K60 S+ im Test: Spiele-Capturing und Streaming leicht gemacht

Jan-Frederik Timm 69 Kommentare
Elgato 4K60 S+ im Test: Spiele-Capturing und Streaming leicht gemacht

tl;dr: Wer an häufig wechselnden Orten Videostreams mit bis zu 4K bei 60 Hz inklusive HDR abgreifen oder ohne starke Belastung von CPU und GPU das Bild vom eigenen Rechner mitschneiden will, findet in der Video-Capturing-Box Elgato Game Capture 4K60 S+ den richtigen Begleiter. Ein Wermutstropfen ist lediglich der Preis.

Die Elgato 4K60 S+ im Überblick

Die Elgato Game Capture 4K60 S+ ist eine externe Capturing-Lösung, die Inhalte in 4K60 mit HDR10 aufnehmen und gleichzeitig an ein angeschlossenes Display ausgeben kann. Die Aufnahme kann über einen Knopf gestartet werden und setzt keinen PC mehr voraus. Gespeichert werden die Inhalte auf einer SD-Karte, die allerdings nicht mitgeliefert wird. Alternativ wandern sie direkt auf Notebook oder PC. Neben einmal USB Typ C für die Stromversorgung steht zu diesem Zweck ein weiterer USB-Typ-C-Anschluss bereit – zwei entsprechende Kabel (Typ C auf Typ A) sowie ein Netzteil (USB Typ A) liegen dem Lieferumfang auch bei.

Encoding in Hardware

Unabhängig davon, ob ein PC oder Notebook angeschlossen wurde, erfolgt die Encodierung immer direkt auf der Elgato 4K60 S+ „in Hardware“. Für HDR wird HEVC/H.265, für SDR AVC/H.264 genutzt. Die Mindestanforderungen an die SD-Karte liegen bei einer Übertragungsrate von 30 MB/s nach „UHS class 3 / V30“. Tonemapping von HDR zu SDR wird bei der Aufnahme auf der Box nicht unterstützt, weshalb immer HEVC/H.265 verwendet wird. Per HDCP verschlüsselte Inhalte schneidet das System nicht mit.

Einstellungen über settings.txt

Über eine settings.txt, die automatisch auf der SD-Karte abgelegt wird, lassen sich auch bei der Aufnahme auf der Capture-Box Einstellungen anpassen – unter Windows dient dafür hingegen das Elgato 4K Capturing Utility. Über die settings.txt lässt sich als Container etwa MKV auswählen, die maximale, weiterhin aber variable Bitrate auf bis zu 140 Mbit/s einstellen und festlegen, ob der Ton über HDMI oder den Audio-Eingang (3,5-mm-Klinke) aufgezeichnet werden soll.

Die Optionen in der Settings.txt
Die Optionen in der Settings.txt

In Full HD lässt sich das Bildsignal dabei ebenfalls sowohl im autarken Betrieb als auch am PC nur mit maximal 60 Bildern pro Sekunde aufzeichnen. Ein Durchleiten (Passthrough) des Bildsignals mit mehr als 60 Hz ist zudem auch bei Full HD nicht möglich. Die PCIe-Steckkarte Elgato 4K60 Pro MK.2 erlaubt hingegen zusätzlich zur Aufnahme mit 60 Hz einen Passthrough von Full HD mit 240 Hz und von WQHD mit 144 Hz.

Per USB 3.0 auch am PC einsetzbar

Wenn der Speicherplatz auf der SD-Karte nicht ausreicht oder mehr Kontrolle über den aufgenommenen Inhalt gewünscht ist, kann die Capture-Karte auch mit dem PC verbunden und die Aufnahmen dann direkt auf diesem gespeichert werden. Das Encodieren findet auch weiterhin auf der Box statt. Einstellungen und Aufnahmen werden in diesem Fall aber am PC über das Elgato 4K Capturing Utility konfiguriert. Auch die Elgato 4K60 S+ ist zu PC-Streaming-Software wie OBS Studio und Streamlabs OBS kompatibel.

Die Elgato Game Capture 4K60 S+ an der Xbox One X
Die Elgato Game Capture 4K60 S+ an der Xbox One X

Für die Verbindung zum PC dient ein USB-3.0-Anschluss, die Stromversorgung der Elgato 4K60 S+ erfolgt über ein eigenes Netzteil. Beim Durchschleifen oder Aufnehmen eines UHD-Signals mit 60 Hz liegt der an der Steckdose gemessene Stromverbrauch bei knapp sieben Watt. Als Ein- und Ausgang dient je ein HDMI-Anschluss.

Beispiel-Aufnahmen

Die nachfolgenden drei Aufnahmen wurden direkt auf der Elgato 4K60 S+ erstellt – mit 160, 80, 40 und 20 Mbit/s. Als SD-Karte kam eine SanDisk Extreme Pro 64 GB (UHS-II U3, Class 10 mit bis zu 260 MB/s schreibend) zum Einsatz. Quelle war ein 4K60-Replay von Forza Horizon 4 auf der Xbox One X (SDR). Die Qualität der Originaldateien wurde durch YouTube verfälscht, unter jedem Video steht das Original deshalb zum Download bereit.

Die beiden nachfolgenden Aufnahmen wurden mit derselben Quelle (4K60 SDR, Xbox One X) mit jeweils 80 Mbit/s erstellt – einmal direkt auf der Box, einmal jedoch über das Elgato 4K Capturing Utility auf dem Notebook Asus ROG Zephyrus G14 mit AMD Ryzen 9 4900HS und GeForce GTX 2060 Max-Q. Dabei fällt auf: Die Aufnahme, die auf dem PC erstellt wurde, hakt in den ersten Sekunden – das Verhalten ließ sich reproduzieren, nicht nur an diesem, sondern auch einem anderen System – einem Dell XPS 13 mit Core i5-7200U (2K/4T, 15 Watt). Nachdem sich die Datei „eingeruckelt hat“, gibt die Aufnahme ein flüssiges, fehlerfreies Bild ab – kein Wunder, findet das Encodieren doch weiterhin auf der Box statt. An der Leistungsfähigkeit des angeschlossenen Systems sollte es also nicht liegen.

Fazit

Die Elgato 4K60 S+ ist die derzeit vielseitigste Capturing-Lösung des Anbieters. Nicht nur lassen sich unterwegs HDMI-Signale mit bis zu 4K bei 60 Hertz und HDR abgreifen, sondern auch stationär macht die Box eine gute Figur, denn dank integriertem Hardware-Encoder wird der angeschlossene Rechner nicht belastet – ganz im Gegensatz zur PCIe-Steckkarte Elgato 4K60 Pro MK.2, die „nur“ mitschneidet, aber nicht encodiert.

Kompatible mit der Open Broadcast Software (OBS)
Kompatible mit der Open Broadcast Software (OBS)

Die Handhabung der Elgato 4K60 S+ geht sowohl im SD-Karten- als auch im Betrieb am PC leicht von der Hand, die Konfiguration von Aufnahmen direkt auf dem Gerät gelingt dank gut dokumentierter settings.txt-Datei spielend leicht. Auch an der Qualität der Aufnahmen, für die ein sehr breites Spektrum an Bitraten gewählt werden kann, gibt es nichts auszusetzen. Einzige Auffälligkeit waren die zu Beginn mit Artefakten übersäten Aufnahmen, die auf das Asus ROG Zephyrus G14 überspielt wurden. An anderen Rechnern trat dieses Phänomen nicht auf.

IMG_4345
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150 Euro Aufpreis gegenüber PCIe

Die unverbindliche Preisempfehlung der Elgato 4K60 S+ liegt bei 399,99 Euro und Händler halten sich aktuell auch noch daran. Die zur IFA 2019 vorgestellte interne PCIe-Variante Elgato 4K60 Pro MK.2, die dieselben Capturing-Fähigkeiten hat, kostet weiterhin rund 250 Euro, was der unverbindlichen Preisempfehlung entspricht. Mit 150 Euro ist der Aufpreis hoch.

Die Steckkarte benötigt zum Encodieren der Inhalte aber eine starke CPU, für HDR sogar eine Pascal- oder Turing-GPU, und ist nicht mobil ohne PC oder Notebook einsetzbar. Dafür kann sie FHD mit bis zu 240 Hz sowie WQHD mit bis zu 144 Hz durchschleifen und undokumentiert auch mitschneiden. Die Elgato 4K60 S+ kann das nicht – 60 FPS ist hier immer das Limit.

ComputerBase hat die Elgato Game Capture 4K60 S+ leihweise von Corsair zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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