Linux 5.19: Linus Torvalds gibt neuen Systemkernel frei

Update 3 Sven Bauduin
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Linux 5.19: Linus Torvalds gibt neuen Systemkernel frei

Initiator und Chef-Entwickler Linus Torvalds hat den nächsten Release Candidate für den kommenden Systemkernel Linux 5.19 mit Fix gegen die Retbleed-Sicherheitslücken, welche in noch stark verbreiteten CPUs von AMD und Intel die im Jahr 2017 entdeckten Schwachstellen Spectre und Spectre-V2 ausnutzen können, jetzt freigegeben.

RC7 ist nicht der letzte Release Candidate

Auf Linux 5.19-RC7 wird Linux 5.19-RC8 folgen, wie Torvalds bekanntgab. In seiner Ankündigung zur offiziellen Freigabe des freien Betriebssystemkernels Linux 5.19-RC7 machte Linus Torvalds deutlich, dass Linux 5.19 nicht wie die meisten Kernel zuvor nach dem 7. Release Candidate final erscheinen wird.

That said, last week there were two other development trees that independently also asked for an extension, so 5.19 will be one of those releases that have an additional rc8 next weekend before the final release.

Linus Torvalds

RC8 wegen Retbleed und Intels Firmware

Einer der Gründe für den außerplanmäßigen zusätzlichen Release Candidate ist die neueste Prozessor-Sicherheitslücke Retbleed, die in CPUs auf Basis von AMDs Zen 1, Zen 1+ und Zen 2 sowie Intels 6. bis 8. Core-Generation mit dem geschickten Setzen von Return-Kommandos ausgenutzt werden kann.

Retbleed-Sicherheitslücken

Linux 5.19-RC7 und der kommende 8. Release Candidate sind bereits gegen Retbleed geschützt, doch zu dieser Mehrarbeit kamen auch noch ein Problem mit Intels Firmware für die hybriden CPUs vom Typ Alder Lake sowie ein zurückgezogener Patch für das Dateisystem Btrfs hinzu, wie Torvalds wenig erfreut attestiert.

We had some last-minute btrfs reverts, and there's also a pending issue with a intel GPU firmware.

When it rains it pours.

Linus Torvalds

Linux 5.19 erscheint final am 31. Juli

Nachdem mit Linux 5.19-RC8 in der kommenden Woche der nächste und diesmal letzte Release Candidate ansteht, ist das finale Release von Linux 5.19 für den 31. Juli vorgesehen – so zeigt sich auch Linus Torvalds am Ende doch noch versöhnlich.

Not that things really look all that bad. I think we've got the retbleed fallout all handled (knock wood), and the btrfs reverts are in place. And the Intel GPU firmware issue seems to have a patch pending too (or we'll just revert).

So it's not like we have any huge issues, but an extra week is most definitely called for.

Linus Torvalds

Weitere Informationen zum Thema „Retbleed“ liefert das offizielle Paper (PDF) der Schweizer Sicherheitsforscher von der ETH Zürich.

Update

Alder Lake-P sorgt für Ärger bei Linus Torvalds

Wie der auch den ComputerBase-Lesern bestens bekannte Linux-Redakteur Ferdinand Thommes auf der Website linuxnews.de berichtet, hat Intel mit der GPU-Firmware für die integrierte Grafikeinheit von Alder Lake-P für Ärger bei Linux-Chefentwickler Linus Torvalds gesorgt.

Never break userspace!

Linus Torvalds

Demnach macht der Wechsel auf einen neuen Betriebssystemkernel auch eine neue Firmware für den sogenannten Graphics Micro-Controller (GuC) erforderlich, während dessen Abwärtskompatibilität nicht erhalten bleibt.

Zu diesem Thema meldete sich auch der prominente Kernel-Entwickler Dave Airlie von Red Hat zu Wort und brachte ebenfalls sein Unverständnis über das Handeln von Intel zum Ausdruck.

Okay WTF.

This is in no way acceptable. This needs to be fixed in 5.19-rc ASAP.

Once hardware is released and we remove the gate flag by default, you cannot just bump firmware versions blindly.

The kernel needs to retain compatibility with all released firmwares since a device was declared supported.

This needs to be reverted, and then 70 should be introduced with a fallback to 69 versions.

Very disappointing, I expect this to get dealt with v.quickly.

Dave Airlie, Red Hat

Zum aktuellen Zeitpunkt ist noch nicht final entschieden, ob ein entsprechender Patch zur Anwendung kommt oder der Patch von Intel zurückgenommen werden muss.

Notebooks mit Alder Lake-P laufen nicht mit Linux 5.19

Ein Update auf Linux 5.19-RC7 sorgt aktuell dafür, dass Notebooks mit Alder Lake-P und Xe-Grafikeinheit nicht mehr ohne weiteres funktionieren. Hierzu ist ein weiteres Update auf die entsprechende neue GuC-Firmware notwendig, ein Umstand, denn die Linux-Entwickler so nicht akzeptieren werden und deshalb bereits über eine neue Richtlinie nachdenken.

Dave Airlie sagte abschließend, „es wird jetzt zu einer geschriebenen Regel, dass ein Upgrade des Kernels die Grafikbeschleunigung nicht kaputt machen kann, indem diese eine neuere Firmware für bereits freigegebene Hardware vorschreibt“.

Wie sich der Sachverhalt weiter entwickelt und welcher Patch schlussendlich zum Einsatz kommen wird, wird Linux 5.19-RC8 in der kommenden Woche zeigen.

Update

Linux 5.19-RC8 ist erschienen

Nachdem sich Linux 5.19-RC7 den Retbleed-Sicherheitslücken angenommen hatte, machte Intels Alleingang bei der GuC-Firmware für die integrierte Grafikeinheit von Alder Lake-P einen 8. Release Candidate des Kernels 5.19 erforderlich, dieser wurde jetzt von Linus Torvalds freigegeben.

As already mentioned last week, this release is one of those "extra week of rc" ones, and here we are, with release candidate #8.

There's nothing really surprising in here - a few smaller fixups for the retbleed mess as expected, and the usual random one-liners elsewhere.

The diffstat shows mainly some documentation updates and a couple of drivers with bigger fixes (eg the i916 GuC firmware thing), and the networking sysctl data-race annotations.

So it all just makes me go "yeah, I'm happy to have done another rc, but there is nothing particularly interesting here". Which is all fine. Shortlog appended for the curious among you.

We'll let this simmer for another week, and please do give it another round of testing to make this last week count, ok?

Linus Torvalds

Die notwendigen Korrekturen für die Firmware von Intel sowie kleinere Fixes, die weiterhin auf Retbleed abzielen, sind in den letzten Release Candidate des neuen Kernels eingeflossen.

Zen 4 und Microsoft Hyper-V

Die finale Version von Linux 5.19 erscheint am 31. Juli und soll neben einem weiter ausgebauten Support für Zen 4 auch Verbesserungen für das Intel-Power-Management und Microsoft Hyper-V mitbringen.

Insgesamt finden sich über eine halbe Million neue Zeilen im Kernel, wie die Website linuxnews.de berichtet.

Update

Linux 5.19 ist offiziell erschienen

Die finale Version von Linux 5.19 ist wie zuvor angekündigt gestern am 31. Juli pünktlich erschienen. In der offiziellen Ankündigung geht Linux-Chefentwickler und -Herausgeber Linus Torvalds noch einmal auf die Neuerungen des Systemkernels ein.

Neuer Kernel mit vielen Neuerungen

Nach mehr als zwei Monaten Entwicklungszeit und schlussendlich acht Release Candidates ist der Linux-Kernel 5.19 endlich da und bietet Unterstützung für ZSTD-komprimierte Firmware-Dateien, Unterstützung für AMDs Secure Nested Paging, eine neue User-Space-API für die Verwaltung von MultiPath TCP (MPTCP) sowie die ARM Scalable Matrix Extension (SME).

Zudem liefert Linux 5.19 erstmals Unterstützung für das Ausführen von 32-Bit-Binärdateien auf 64-Bit-Systemen für RISC-V-Architekturen, Support für SMP-Coprozessoren sowie KCSAN und Hibernation auf der Xtensa-Architektur.

Hinzu kommen wie gewohnt die obligatorischen neuen Treiber für aktuelle Hardware.

Linux 6.0 taucht am Horizont auf

Mit der Veröffentlichung von Linux 5.19 gehen die Arbeiten an der kommenden Version des freien Betriebssystemkernel los, der voraussichtlich auf die Bezeichnung Linux 6.0 hören wird.

I’ll likely call it 6.0 since I’m starting to worry about getting confused by big numbers again.

Linus Torvalds