Rockstar Games: GTA VI wohl mit Protagonistin und ohne Diskriminierung

Fabian Vecellio del Monego
352 Kommentare
Rockstar Games: GTA VI wohl mit Protagonistin und ohne Diskriminierung
Bild: GTA 5, Rockstar Games

Dass Rockstar Games an einem nächsten Teil der Grand-Theft-Auto-Reihe arbeitet, ist seit Februar dieses Jahres offiziell. Seither erblicken immer wieder Gerüchte das Licht der Welt. Einem Bericht zufolge verzögert sich das Spiel nun wegen eines Kulturwandels beim Entwickler: GTA VI soll keine Witze über Randgruppen beinhalten.

So schildert der renommierte Spielejournalist Jason Schreier, ehemals bei Kotaku und nun für Bloomberg, einige Details aus der Entwicklung des bereits lange erwarteten Triple-A-Titels. Der Brancheninsider beruft sich dabei eigenen Angaben zufolge auf fast zwei Dutzend ehemalige Mitarbeiter oder aktuelle Entwickler bei Rockstar Games. Zwar ist Schreier zumeist sehr verlässlich, nichtsdestoweniger handelt es sich bei sämtlichen Informationen aber um inoffizielle Gerüchte, denn Rockstar Games selbst schweigt bislang zum neuen Grand Theft Auto.

Die USA seien nicht weiter parodierbar

Dem Bericht zufolge habe beim Entwickler im Rahmen eines kulturellen Wandels ein Umdenken stattgefunden, wie mit insbesondere in den USA derzeit empfindlichen Themen und politischen Inhalten umgegangen werden soll. So soll es beispielsweise keine Witze auf Kosten von Randgruppen mehr geben, was unter Spielern zweifelsohne zu einer Debatte um Politische Korrektheit führen wird – war die „bissige Satire“ doch bislang ein Kernbestandteil der GTA-Reihe. Dazu passt, dass Rockstar Games bereits bei der im Frühjahr erschienenen Neufassung von GTA V für PlayStation 5 und Xbox Series X|S einige Sprüche entfernt hat, die die Würde transsexueller Menschen infrage stellten.

Abseits des offensichtlichen Grundes, Angehörige der entsprechenden Minderheiten nicht zu Zwecken der stumpfen Unterhaltung durchweg zur Lachnummer zu degradieren, argumentiere der Entwickler überdies mit dem gegenwärtigen Zustand der Vereinigten Staaten: Das Land sei im Jahr 2022 schlicht und ergreifend bereits zu einer Satire seiner selbst geworden, die nicht weiter persifliert werden könne. Sollten die Gerüchte Recht behalten, würde GTA VI eine Zäsur in der ikonischen Spielereihe darstellen – war der Vorgänger doch als beinahe nihilistisch anmutende Parodie auf alles und jeden zu verstehen, wie Schreier anmerkt.

Schwester und Bruder als Protagonisten in Miami

Weiterhin wolle Rockstar Games ein neues Frauenbild etablieren und weibliche Charaktere fortan nicht bloß als entweder nervige Nebenrollen oder bloße Sexobjekte nutzen. Stattdessen soll GTA VI zum ersten Mal in der Geschichte der Serie über eine Protagonistin verfügen. Als zweiten Charakter sei überdies ein Zwillingsbruder spielbar. Die Geschwister stammen, so der Bericht, aus Brasilien, wurden im jungen Alter getrennt und treffen nun im Rahmen eines Drogenkrieges aufeinander – und zwar auf gegenüberliegenden Seiten. Als Inspiration für die Handlung bediene sich Rockstar Games wohl der Geschichte des Vebrecherduos Bonnie und Clyde.

Geographisch verordnet Schreier das kommende Grand Theft Auto im südlichen Florida; die große Karte mit mehr Innenräumen soll eine Adaption Miamis mitsamt Umland bieten. Die Hauptstadt des Bundesstaats war bereits Schauplatz in GTA Vice City, wohingegen GTA V ebenso wie GTA San Andreas in einer Abwandlung von Los Angeles angesiedelt waren. Ursprünglich soll Rockstar Games sogar mit mehreren Städten und einem größeren Landstrich in Südamerika geplant haben, das Projekt habe sich jedoch als zu ambitioniert erwiesen. Stattdessen sollen entsprechende Inhalte eventuell in den Jahren nach der Veröffentlichung von GTA VI nachgereicht werden.

Auch Rockstar Games hat Probleme

Letztere datierten die Angestellten frühestens auf 2024, aber auch eine Verschiebung ins Jahr 2025 sei im Rahmen des Möglichen. Die beschrieben Änderungen am Inhalt erschwerten die Arbeiten ebenso wie eine Umstrukturierung beim Entwickler: Rockstar Games geriet zuletzt häufiger für eine anrüchige Unternehmenskultur in Kritik; Parallelen zu den Skandalen bei Activision Blizzard oder Belästigungsvorwürfen bei Ubisoft ziehen sich von selbst.

Demnach sei der Arbeitsalltag bei Rockstar Games in der Vergangenheit häufig von Alkohol und regelmäßigen Ausflügen in Stripclubs geprägt gewesen, ebenso seien weibliche Angestellte systematisch unterdrückt worden. Infolge dessen wurden nun zahlreiche Führungskräfte entlassen; Dan Houser, ein einflussreicher Entwickler bei GTA V, hat das Unternehmen schon im Jahr 2019 verlassen. Auch wurden Gehälter angepasst und für mehr Festanstellungen statt Leiharbeitern gesorgt. Auch Crunch-Phasen wolle der Entwickler vermeiden. Die Moral der Belegschaft jedenfalls sei durch die Änderungen wesentlich gestiegen.

25 Jahre ComputerBase!
Im Podcast erinnern sich Frank, Steffen und Jan daran, wie im Jahr 1999 alles begann.