AMD Ryzen 7 9850X3D im Test: Leistungsaufnahme und Fazit
4/4Leistungsaufnahme in Spielen (CPU-Limit)
Der AMD Ryzen 7 9850X3D ist dank bis zu 330 MHz höherem Takt (Durchschnitt +188 MHz) in den Spiele-Benchmarks nicht nur schneller im CPU-Limit, er verbraucht dafür auch mehr – und das nicht zu knapp. Mit im Durchschnitt knapp 120 Watt Verbrauch (CPU Package Power) ist von der bei Ryzen 5000X3D und später Ryzen 7000X3D noch so extremen Effizienz nicht mehr viel zu sehen. Die 400 MHz sind schlichtweg nicht allein über „Binning“ erzielt, sondern über eine deutliche gestiegene Leistungsaufnahme erkauft worden.
Im Leistungsaufnahme-FPS-Rating fällt der neue Prozessor bei knapp 20 Prozent mehr Verbrauch für zugleich im Durchschnitt 5 Prozent mehr FPS hinter den Vorgänger zurück.
Leistungsaufnahme in Anwendungen
Obwohl der Ryzen 7 9850X3D in Anwendungen rund 2 Prozent schneller agiert, steht im HWiNFO-Log zum Handbrake-Benchmark dieselbe durchschnittliche und auch dieselbe maximale Package Power wie beim Ryzen 7 9800X3D. Unter Volllast spielt demnach auch das Binning eine Rolle, das leichte höhere Taktraten bei gleichem Verbrauch möglich macht.
Sein PPT-Limit reizt der Ryzen 7 9850X3D damit in diesem Szenario ebenso wenig aus wie der Vorgänger: Denn auch beim neuen 9850X3D mit 120 Watt TDP gilt: Solange die Temperatur es zulässt, darf die CPU ihren Verbrauch bis zum von AMD definierten PPT-Limit ausreizen, das 162 Watt beträgt. Mit einem Maximum vom im Test mal gesehenen 150 Watt tut sie das aber nicht.
Im Leerlauf verbrauchen AMDs Chiplet-Ryzen traditionell deutlich mehr als monolithische Chips – daran kann auch ein AMD Ryzen 7 9850X3D nichts mehr ändern. Hier bedarf es einer grundlegend neuen Architektur – aber die kommt in Manier von „Strix Halo“ wohl mit der nächsten Generation.
Fazit
Brauchte es einen AMD Ryzen 7 9850X3D? Eigentlich nicht, denn der Ryzen 7 9800X3D ist seit nunmehr über einem Jahr das unangefochtene Gaming-Flaggschiff und Konkurrenz von Intel bis frühestens Ende 2026 mit „Nova Lake“ alias Core Ultra 400 nicht in Sicht.
Vielmehr ist der neue Ryzen 7 9850X3D eine Machtdemonstration, mit der AMD versucht das Preisniveau in einem Jahr, das aller Voraussicht erneut ohne echte neue Architektur im High-End-Desktop auskommen wird, hoch zu halten.
Was das Binning und die Physik zulassen, hat AMD dafür beim Ryzen 7 9850X3D umgesetzt: Mit über 5,6 GHz hat AMD bisher noch kein X3D-Chiplet takten lassen, beim bisherigen Spitzenreiter Ryzen 9 9950X3D war bei 5,55 GHz Schluss.
In Single-Core-Szenarien kann die CPU so noch einmal sieben bis acht Prozent Leistung gegenüber dem 9800X3D gewinnen und auch in Spielen steigt die Leistung im absoluten CPU-Limit (!) im Durchschnitt um 5 Prozent, weil im Durchschnitt knapp 200 MHz mehr Takt auf allen Kernen anliegen können – bei zugleich deutlich gestiegenem Verbrauch. Und selbst in Multi-Core-Volllast-Szenarien erringt der neue 9850X3D einen Vorsprung von zwei Prozent gegenüber dem 9800X3D. Insgesamt ist der Ryzen 7 9850X3D damit nicht nur der neue Gaming-Champion, sondern auch der neue schnellste 8-Kern-Prozessor.
- Schnellste Gaming-CPU am Markt
- Schnellster AMD Ryzen mit 8 Kernen in Anwendungen
- Stromverbrauch Windows-Desktop
- Stromverbrauch Gaming vs. 9800X3D deutlich angestiegen
Offiziell ist der AMD Ryzen 7 9850X3D zum Marktstart günstiger als der 9800X3D seinerzeit: 499 Euro UVP entsprechen 1:1 der US-Dollar-Umrechnung, hierzulande aber schon inklusive Steuern – dem gegenüber dem USD inzwischen viel stärkeren Euro sei dank.
Im Handel wird es aber erst einmal anders aussehen, denn dort gibt es den Ryzen 7 9800X3D aktuell bereits ab 430 Euro. Mit zum Start zu erwartenden 500+ Euro ist der Preisaufschlag für das Gebotene also vermutlich erst einmal zu groß, das dürfte sich aber je nach Liefersituation schnell regulieren.
Wie so oft bei zwei Modellen, die nur Takt und Leistung, aber nicht die grundlegende Konfiguration oder die Features unterscheiden, ist der Preis damit auch auf lange Sicht die einzige weitere Komponente, die es bei der Frage, ob es ein Ryzen 7 9800X3D oder Ryzen 7 9850X3D sein soll, zu berücksichtigen gilt. Wer für absolutes High-End-Gaming weniger ausgeben will, greift zum Ryzen 7 9800X3D, wer das neue absolut schnellste sein Eigen nennen will, nimmt den Ryzen 7 9850X3D – und muss dafür mit einem Aufpreis leben. Offiziell soll der Ryzen 7 9800X3D vorerst weiterlaufen. Die Frage ist: wie lange?
ComputerBase hat ein Testkit mit AMD Ryzen 7 9850X3D, ASRock X870E Taichi, 32 GByte DDR5-6000 und 1 TByte Samsung-SSD von AMD zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Bericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungstermin.
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